Fulminante Reise durch das Dorf auf 40 Seiten: Bei der Kerwe in Ober-Schönmattenwag ging es rund

Wehe dem, der im vergangenen Jahr die Aufmerksamkeit von Kerweparre Sascha Oberle auf sich gelenkt hatte. Denn dieser machte sich flugs Notizen, um dann in seiner Kerweredd das Malheur genüsslich ausbreiten zu können und den Betroffenen süffisant noch ein paar gute Ratschläge mit auf den Weg zu geben, um in Zukunft einen solchen Fauxpas zu vermeiden. Und es passierte viel: Beachtliche 40 Seiten füllte Oberle mit dem, was besser nicht das Licht der Öffentlichkeit erblicken sollte. Viel Gelächter war die Folge. Das Ganze in der proppenvollen Jagdgenossenschaftshütte samt Festzelt während der Ober-Schönmattenwager Kerwe.

Zuvor hatte sich der der Kerweumzug ab dem und zum Kerweplatz durch den Ort bewegt. Dabei waren der Kerweparre mit Bajazz Stefan Walter, Borscht Nico Walter und Mundschenk Ramon Jöst. Außerdem begleiteten ihn Kinder und Jugendlichen mit geschmückten Fahrrädern, das Kerwekomitee, der Spielmannszug der Feuerwehr und ein bisschen Fußvolk. Im Beckerpfad bei Familie Sauer wurden die sangesfreudigen Gesellen fündig und gruben die Kerwe in Form einer Flasche Wein aus.

Die Vielzahl der Bewerber bei der Wald-Michelbacher Bürgermeisterwahl hatte es Oberle angetan: „Wäre der Trump net schunn gewählt gewesst als US-Präsident, wär der wahrscheinlich ach noch mit soiner Bewerbungsmapp ins Mischelbäscher Rathaus gerennt.“ Dass mit Unter-Schönmattenwag ein schwarzer Ortsteil mit 90 Prozent einen roten Bürgermeister wählte, war eine besondere Erwähnung wert: „Doch wer hat den König zum König gemacht un en SPD-Mann an die Spitze der Gemeinde gebracht? Die Antwort auf die Frage fällt gar net schwer, denn es waren mit iwwer 90 Prozent insbesondere die kerwekranzsüchtige Unner-Schimmeldewäer.“

Ein Mysterium waren die verschwundenen Christbäume: „Denn als die Jugendfeierwehr die Kerlchen soammeln wollt, war wohl – wie es scheint – eine Vielzahl an Tannen vun jemand annerem schun geholt.“ Rätsel über Rätsel gab dies den Verantwortlichen auf, die sie lösen wollten: „Zirka 30 Prozent an Fastnachtshaufen-Masse sind spurlos verschwunden. Das mer do jetzt ermitteln, is nadierlisch koa froag, ins Leben gerufen wurde – durch mich – die SOKO ‚Christbaumschwund in Schimmeldewog‘.“

Erwähnung fand in seiner Auflistung der besonderen Ereignisse im Ort auch das Badeparadies in Ober-Schönmattenwag: „Ich moan, dass sich in de Hansegass sou langsam macht ä Bade- un Wellnessparadies macht breit, hoat jo jeder Schimmeldewäer mittlerweile mit soweit.“ Und das noch bei freiem Eintritt: „Bald kenne mer Schimmeldewäer bewaffnet mit Bademantel un Sunne-Creme schwimme, sunne und sauniere gehn.“

Ein Owwer-Schimmeldewäer Feuerwehrmann, der nicht wusste, was er zum Einsatz anziehen soll, bekam den Spott des Kerweparres mit: „Unter dem Motto ‚Finde das passende Outfit, um im Einsatzfall von der eigenen Haustür zum dorfeigenen Feuerwehrhaus zu rennen‘ häb ich fer dich die Bewerbung oigereicht, du werscht demnächscht uff VOX beim Guido Maria Kretschmer in de  Shopping-Queen klamottetechnisch geeicht.“

Für viele Lacher sorgte eine Konfirmations-Verwechslung. Da wollte eine Schimmeldewäerin einer Jugendlichen einer Freude machen. Allerdings hatte sie sich wohl im Namen vertan. Denn die Betreffende gehört der anderen Konfession an: „Sorry ich bin katholisch do werd ma net konfirmiert“, lautete die Antwort.

Um die Hunde für die Jagd zu trainieren, griff eine Familie zu besonderen Methoden. Nachdem der Fuchs geschossen war, „packt die des Vieh in e Plastikdut noi un gfriert den Fuchs kurzerhand oi. Deckel auf und Klappe zu, ab damit in die Tiefkühltruh. Un wenn die neue Spuren braucht, wird der halt wieder ufgetaut.“ Kurzweilig hatte Sascha Oberle noch viele andere Begebenheiten in petto, sodass die Gäste einen kurzweiligen Nachmittag erlebten.

Am Abend zuvor hatte die Kerwe-Band „Ourewäller Uurumbl“ die Hütte gerockt. In der Besetzung Christof Klos (Gitarre), Benedikt Breitwieser (Bass), Janina Becker (Keyboards), Tobias Walter (Schlagzeug) sowie Timo Walter und Lea Walter (Gesang) gab’s ein buntes Potpourri an Liedern zu hören. Auf „Bitte mit Sahne“ folgten auch diverse Rocksongs. Lea Walter gab bei „Die Hölle morgen früh“ die Helene Fischer. Katja Ebsteins „Wunder gibt es immer wieder“ war ebenso auf der Setliste wie „Verdamp lang her“ von BAP.

Zum Schluss hin schlugen die sechs dann eine härten Gangart mit dem „Summer of 69“ von Bryan Adams, „Purple Rain“ von Prince oder dem „Crocodile Rock“ ein. Danach legte DJ MaStr alias Marius Strauch aus Aschbach auf. Mit ihm feierten die vielen Gäste noch weit in die Nacht. Erst gegen 3 Uhr war Schluss. Gab es zu Beginn noch Platz in der Halle, füllte diese sich im Verlauf des Abends immer mehr, sodass der Gesangverein als Kerweveranstalter auch mit diesem Programmpunkt sehr zufrieden war.

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