Farbenfrohes Spektakel rund um den Holzjungen: Kindertheater der Heimatbühne mit Premiere von „Pinocchio“ in Gras-Ellenbach

Nein, warten wollten die jungen Zuschauer nicht. Als Regisseur Andreas Willutzki, gleichzeitig Darsteller des Gepetto, verkündete, dass es wegen des großen Ansturms ein paar Minuten länger mit dem Beginn der „Pinocchio“-Aufführung dauern würde, schallte ihm ein lautes „Nein“ aus Kindermund entgegen. In der Hofreite der Familie Kumpf herrschte drangvolle Enge, als die Kindertheatergruppe der Heimatbühne ihre Premiere des diesjährigen Stücks feierte. Dabei handelte es sich um ein Märchenspiel in 14 Bildern von Matthias Weißert nach dem Kinderroman von Carlo Collodi.

„Das Stück haben sich die Kinder und Jugendlichen selbst herausgesucht“, erläuterte Willutzki zu Beginn. Zwischen sieben und 15 Jahren sind die jungen Darsteller alt, die nach der kürzeren „Rotkäppchen“-Aufführung im vergangenen Jahr dieses Mal gerne etwas Längeres spielen wollten. Mit dem Klassiker von Collodi wurde ihnen der Wunsch mit mehr als einer Stunde reiner Spielzeit erfüllt.

Szenenbilder und Texte machten deutlich, warum den Kids diese Adaption so gefiel: Sie hatte aktuelle Anklänge, bot viel Spaß und war extrem farbenfroh. Wenn Meister Gepetto in wohlgesetzten Reimen schilderte, wie ihm ein schwedischer Möbelriese das Geschäft kaputt macht, dann war das natürlich ein paar Lacher wert. Und wenn dann ein Kasperltheater im Land ist und direkt vor den Kindern sein Zelt aufschlägt, sorgt dies logischerweise für offene Münder vor lauter Staunen. Diese Szene machte auch den jugendlichen Akteuren am meisten Spaß. Da waren sie fast alle auf der Bühne zu finden und es ging rund.

Zum Inhalt: Die weltberühmte Vorlage wurde für die heutige Zeit umgeschrieben und ist in ihrer Art und Weise für die Kinder sehr lehrreich. Pinocchio ist nach seiner Entstehung in der Tat ein „Holzkopf“. Er dankt zwar seinem „Vater“ Gepetto, dass er ihn zu einem richtigen Jungen gemacht hat. Doch statt in die Schule zu gehen, lässt er sich von der listigen und gemeinen Füchsin und dem bösartigen Kater in die Irre führen. Und obwohl sie ihn schmählich im Stich lassen, fällt er jedes Mal wieder auf ihre falschen Versprechungen herein.

Der Fee gegenüber, die ihm immer wieder helfen will, erweist sich Pinocchio dagegen als ziemlich undankbar. Statt aufs Neue in die Schule zu gehen, wozu ihm die Fee die Chance gibt, lässt er sich immer wieder verlocken und verführen. Nicht einmal als der Hunger ihn plagt, ist er bereit, für ein Stück Brot zu arbeiten.

Erst als es ihm ganz dreckig geht, die Fee ihm aber trotzdem wieder auf die Beine hilft, lernt er, dass Geben genauso wichtig ist wie Nehmen. Jetzt erst ist er ein „richtiges Kind“ und kann zu seinem Vater zurückkehren. Wie das vor sich geht und welche Schwierigkeiten er dabei zu bewältigen hat, soll noch nicht verraten werden, da es noch weitere Aufführungstermine gibt.

Die jugendlichen Darsteller waren voll in ihrer Rolle drin. Es war gut zu bemerken, wie viel Spaß ihnen das selbst ausgesuchte Stück machte. Für jedes der 14 Bilder gab es einen neuen Hintergrund. Genauso viel Spaß wie auf herrschte auch vor der Bühne, wo sich die kleinsten Zuschauer eingefunden hatten und das bunte Treiben vor ihnen mit Staunen verfolgten. Viel Applaus auch zwischen den Szenen war der verdiente Lohn für die monatelange Vorarbeit von Regisseuren und jungen Schauspielern.

Darsteller: Jonah Teichert, Andreas Willutzki, Ann-Marie Teichert, Maxime Mauermann, Carla Fuhr, Eva Wolk, Emely Fuhr, Hannah Brantsch, Marica Unger, Alina Golz, Liliana Teichert, Mira Golz. Regie: Ann-Marie Teichert und Andreas Willutzki.

Info: Weitere Aufführungen Samstag, 24. Juni, Seebühne Leben am Wald, Sonntag, 25. Juni, Freilichtbühne Alberich, Gras-Ellenbach, jeweils 15 Uhr. Karten bei der Kurverwaltung in der Nibelungenhalle unter 06207/2554, unter http://www.heimatbuehne.net oder an der Theaterkasse.

Um die Mittagszeit war kaum noch ein Durchkommen, aber auch den ganzen Tag über brummte es beim Hoffest von „Jäig’s“ in Gras-Ellenbach. Das herrliche Wetter bescherte der Familien Kumpf, Ganz und Wolk einen Riesenansturm. Das unterhaltsame Programm tat ein Übriges, dass sich die Gäste gerne lange aufhielten, die Gastfreundschaft genossen und dem kulinarischen Angebot kräftig zusprachen. Schattenplätze waren heiß begehrt, als die Sonne sich mehr und mehr Raum am Himmel verschaffte.

Eine Hofandacht, gehalten von Pfarrer Stefan Ningel, machte den Anfang. Pfarrer Thomas Knedelhans auf der Posaune und Gabriele Forrester am Piano sorgten die für musikalische Begleitung. Thema war „Huch, du bist heilig“, das Motto der evangelischen Kirche im Lutherjahr. Die gesammelte Kollekte nimmt Ningel demnächst mit nach Tansania zur Partnerschule auf Sansibar.

Musikalisch war den ganzen Tag über ebenso volles Programm auf der Bühne. Den Beginn machte zum Frühschoppen die Trachtenkapelle Kocherbach mit ihrem bekannten und gern gehörten Set aus Polkas, Märschen und Walzer. Nachmittags spielten dann die „Colorados“ auf, quasi in den zehn Jahren des Hoffest-Bestehens die Haus- und Hofband bei „Jäig’s“. Musik gab’s querbeet in allen Facetten.

Natürlich durfte das Kulinarische nicht zu kurz kommen. Die Produkte aus dem Hofladen konnten zum Teil verkostet werden, auf jeden Fall standen sie aber zur Mitnahme bereit. Kartoffelpuffer gab es süß mit Apfelbrei oder herzhaft mit Kräutern. Dazu natürlich Kochkäs oder Handkäs mit Musik und andere regionale Spezialitäten. Nicht zu vergessen die Klassiker Bratwurst und Steak. Die Schlangen an den verschiedenen Ständen zeugten davon, dass es den Besuchern bestens mundete.

„Wir haben immer versucht, jährlich auf dem vorangegangenen Hoffest aufzubauen“, erläuterte Manuela Ganz. Sie ist Teil des zehnköpfigen Familienzusammenschlusses, der sich um Hof(-Laden) und Landwirtschaft kümmert. Das Ganze sollte außerdem eine Art „Eventcharakter“ bekommen. Dazu zählen auch Kutschfahrten mit dem Planwagen zur Mutterkuhherde oder dieses Jahr die Premiere des Kindertheaterstücks der Heimatbühne, „Pinocchio“, im Innenhof der Hofreite.

Die Kumpfs, Ganz‘ und Wolks können auf eine treue Gästeschar zählen. Die kommt nicht nur aus dem Überwald, sondern bis weit hinein in den Odenwaldkreis aus Erbach oder Richtung Bergstraße aus Weinheim. „Hier trifft sich alles“, schmunzelte Manuela Ganz. Dem Team geht es beim Hoffest aber auch darum, die Landwirtschaft und die in ihrer Tätigen „den Leuten näherzubringen“.

Der „große Ansturm zum Mittagszeit“ freute sie sehr. Die stellte dann auch für das bewährte Team aus Familien, Schwiegereltern, Freunden und Bekannten, an die 40 Helfer, eine Herausforderung dar, die es bestens meisterte. Somit ein schöner Erfolg in dem Bestreben, die Besucher „für die Direktvermarktung zu sensibilisieren“.

Denn seit dem ersten Hoffest „ist immer ähnlich viel los“, kommt diese Form der Wissensvermittlung, die durch den Magen geht, immer gut an. Und sorgt auch dafür, das Überleben der dörflichen Familien-Landwirtschaft zu sichern. „Die Leute treffen sich hier, um einen geselligen Nachmittag zu verleben“, sah Manuela Ganz mit Blick auf die vollbesetzten Reihen in den schattenspendenden Zelten das Ziel mehr als erreicht.

 

 

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