Trotz der Hitze brummte es beim Hammelbacher Straßenfest

Das Straßenfest ist einfach ein Selbstläufer. Egal ob glühende Hitze oder Regen, nicht nur die Einheimischen, sondern viele Gäste aus dem Überwald und dem benachbarten Weschnitztal strömen in den Grasellenbacher Ortsteil, um dort ein paar unbeschwerte Stunden zu verleben, die vielfältigen kulinarischen Angebote zu genießen und das eine oder andere Schwätzchen mit Bekannten zu führen. An manchen Stellen herrscht dann kein Durchkommen mehr.

Bereits zum Frühschoppen gab es schmissige Klänge. Im schützenden Schatten einer Scheune hatten sich die Mitglieder der Blasmusik Schimmeldewog niedergelassen, um die Gäste mit einem Best-of ihres Repertoires zu unterhalten. „It’s Boogie time“, „Von Freund zu Freund“ oder „Goldene Kameraden“ hießen die Stücke unter der Leitung von Hans Vogel, denen sich ein Oberkrainer-Medley anschloss. Am Nachmittag hatten sich dann über 40 Mitglieder der Scharbacher Chöre vor dem eigenen Stand eingefunden, um unter dem Dirigat von Susanne Hoffmann-Rettig Lieder wie „Siyhamba“, „Un poquito mas“ oder „Ein Kompliment“ zu singen.

Am Start der Feiermeile, nach Kinderkarussell und Süßigkeitenstand, dominierte die Farbe Rot an diesem Stand. Kassenwart Marcello Cappello hatte wieder einmal seiner Kreativität freien Lauf gelassen und Erdbeeren in fester und flüssiger Form verarbeitet: ob light als alkoholfreie Bowle erfrischend, ob spritzig mit Secco, als Frucht-Spieß mit Käse oder, sehr sättigend, als Tiramisu mit Mascarpone, Ananas und Mango. Neu dieses Mal: ein karibischer Cocktail unter anderem mit Ananas und Kokosmilch. „Man muss mal Abwechslung bieten“, schmunzelte er. In die Erdbeer-Margerita flossen Wodka und Orangenlikör mit ein.

Die geplanten Trialvorführungen des MSVg Hammelbach fielen dieses Mal der Hitze zum Opfer. Aber die Vereinsmitglieder hatten auch unabhängig davon genug zu tun, denn an Getränke- und Essensstand war konstant viel los. Das dazugehörige Festzelt mit angenehmem Schatten erfreute sich den ganzen Tag über eines regen Betriebs. Nebenan bewirteten die Tischtennisfreunde des SV, während der Verein auch im Aicher Cent mit Kaffee und Kuchen präsent war.

Unterhalb war traditionelle das Zelt der Feuerwehr zu finden. Die Brandschützer sind seit Beginn des Straßenfests im Jahr 1979 dabei. Seit eh und je wird dort Äppelwoi in verschiedenen Varianten gereicht. In diesem Jahr gab es als Versucher erstmals einen „grünen Kobold“, also Äppelwoi mit Waldmeistersirup. Die Selbstverkostung verlief erfolgreich. Während 20 Wehrleute als Durstlöscher für die Gäste im Einsatz waren, kümmerten sich weitere sechs Angehörige der Jugendfeuerwehr um die Bespaßung der Kinder: Entenangeln und die simulierte Löschung eines brennenden Hauses stand hoch im Kurs. Denn klar: Wasserspiele kamen bei der Hitze bestens an.

Der Spießbraten ist beim DRK Hammelbach eine feste Bank, freute sich Bereitschaftsleiter Michael Fischer. „Die Leute kommen extra von weiter her dafür aufs Fest“, weiß er um die Treue der Besucher. Trotz der Hitze ging das Essen in großen Mengen über die Bühne, sodass nachmittags nur noch kleine Reste vorhanden waren. Vor dem Zelt hatte dazu das Jugend-DRK einen Infostand zur Mitgliederwerbung aufgestellt. Dazu waren die Lebensretter während der gesamten Fest-Zeit als „First Responder“ aktiv.

Da aktuell der Fastenmonat Ramadan ist, fehlten dem türkisch-islamischen Verein aus Wahlen etwas die Landsleute als Gäste. „Aber 70 Prozent unserer Besucher sind sowieso Deutsche“, freute sich der Vorsitzende Ismail Dogru.  „Unser gesamter Vorstand ist dabei“, machte er das Großaufgebot an Unterstützern deutlich. Bis auf das Dönerfleisch „wurde alles von unseren Mitgliedern selbst hergestellt“, erläuterte er. Bestimmt 50 Familien steuerten die Spezialitäten bei. Neben Lahmacun (ganz frisch gemacht) auch weitere leckere Dinge wie gefüllte Weinblätter, Baklava, Rührkuchen oder türkischer Marmor.

„Sechs bis acht echte Bastler“ zählen die Eisenbahnfreunde, die sich traditionell im Schultheißenhaus präsentieren, erzählte Dieter Schröder. Zu den verschiedenen Anlagen kommen immer wieder Neuerungen dazu. Er hat in der vergangenen Zeit aus Sperrholz viele Straßenbahnmodelle gebastelt. So eine aus Lissabon, aus Barcelona, eine andere von 1928 aus Mainz, „mit der ich 1941 mit meiner Mutter noch gefahren bin“. Dazu gibt’s einen Äppelwoi-Express in Gartenbahn-Spur. Insgesamt sind es schon um die 30.

Einmal im Monat treffen sich die Mitglieder, um an ihren Anlagen „rumzuschrauben“, den Rest der Zeit „geht’s dann zuhause weiter“. Seit 2011 wird an der H0-Anlage gebaut, erläuterte Vorstandsmitglied Jochen Riedling, der im Dreigestirn mit Heinrich Garten und Rolf Langensiepen den Verein führt. Viele kleine Details, die sich erst auf den zweiten Blick erschließen, machen die filigrane Arbeit deutlich. An der einen Stelle werden ein paar Rinder von Cowboys gehütet, woanders sind  Angler am Fluss auszumachen. „Die Elektrik macht einen Haufen Arbeit“, meinte Riedling.

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