Geo-Naturpark ist Vorzeigeobjekt für Finnen: Delegation besuchte Infozentrum in Aschbach

Der Unesco-Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald als Vorzeigeobjekt: Vor kurzem war eine Delegation aus Finnland zu Besuch im Aschbacher Infozentrum. Die Finnen stammen aus der Region Saimaa im Süden des skandinavischen Landes. Saimaa möchte auch das Prädikat Geopark erhalten und arbeitet seit einiger Zeit an der Umsetzung. Von Unesco-Seite aus wurde den Entscheidungsträgern empfohlen, doch einmal den hiesigen Geo-Naturpark zu besuchen. Denn hier kann man beispielhaft die länderübergreifende Zusammenarbeit von Kommunen und Kreisen aus Baden-Württemberg, Hessen und Bayern kennenlernen.

Begleitet von den Geopark-Mitarbeitern Christine Stolz und Dirk Dewald war die Kommission für zwei Tage in der Region unterwegs und schaute sich dort Orte an, wo besondere Projekte entstanden sind. Eines davon war das Geopark-Infozentrum in Aschbach und das sich daran anschließende Wiesental. Die 16-köpfige Delegation wurde von Bürgermeister Joachim Kunkel und Vor-Ort-Begleiter Theo Reichert begrüßt.

Kunkel referierte über den langen Weg, wie aus einer ehemaligen Sparkassenfiliale ein Infozentrum wurde, welche Fördermittel beantragt und genehmigt wurden und welche Bedeutung der Geopark für die Menschen in der Region hat. Sowohl Einheimische als auch Gäste könnten hier eintauchen in die Vergangenheit und Stück Odenwälder Geschichte erleben.

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass man Wald-Michelbach sehr stolz darauf sei, wie viele Menschen sich ehrenamtlich einsetzen und viel Freizeit investieren, damit solche Projekte wie der Geopark inhaltlich mit Leben erfüllt werden. Das Infozentrum in Aschbach ist das kleinste und neueste von insgesamt 22 im gesamten Geo-Naturpark.

Im zweiten Teil erläuterte Theo Reichert das Schwerpunktthema „Natursteingewinnung im Überwald“. 28 Steinbrüche hatte einst die Region, über 800 Menschen arbeiteten dort. Besonders der Überwälder Buntsandstein war sehr begehrt. Bis in die Rheinebene, nach Mannheim, wurde er geliefert. Auch ein anderer Stein, nämlich der „rote Trommgranit“, war ein Exportschlager und wurde bei Aschbach abgebaut.

Im Ulfenbachtal ist bis heute der sogenannte Wormser Steinbruch zu sehen. Hier hatte eine Firma aus der Rheinstadt in den 1920 Jahren Stein abgebaut, um ihm für Renovierungsarbeiten am Wormser Dom zu verwenden. Auch viele dortige Bürgerhäuser wurden aus dem roten Trommgranit errichtet.

Nach dem Infozentrum ging es ins Freigelände. Hier stellte Dewald das in Deutschland einmalige Mountainbike-Streckensystem vor. 41 davon wurden im gesamten Odenwald nach einen einheitlichen System angelegt. Stolz und Reichert erklärten anschließend den Aschbacher Audio-Guide – ein 4,6 Kilometer langer Wanderweg, auf dem man sich mit Hilfe eines Smartphones an 36 Stationen Themen wie Geologie, Geschichte oder Natur erklären lassen kann. Es wird einfach ein QR-Code abgelesen.

Davon waren die Gäste aus Finnland „total begeistert“, so Reichert. Mit Hilfe neuer Medien junge Menschen an das Thema Natur und Geschichte heranzuführen, sahen sie als Zukunftschancen. Einen solchen Audio-Führer möchten sie ebenso in ihrem Gebiet installieren. Reichert sagte, er hoffe, dass der Audio-Guide von Aschbach auch von Einheimischen, Schulen und Gästen häufiger genutzt werde als bisher. Trotzt intensiver Werbung sei er bei vielen Menschen noch nicht bekannt.

Weiter ging es ins Wiesental, eine naturnahe Anlage, wo den Gästen aus Finnland einige Besonderheiten vorgestellt wurde. Etwa ist dort eine kleine Streuobstwiese mit alten Apfelsorten zu finden. Diese Früchte dürfen in der Erntezeit gerne von Besuchern verkostet werden. Auch Pflanzen wie die Schwarzerle, die für unsere Vorfahren eine große Bedeutung hatte, sind dort heimisch. Die Binsen und die Korbweide wurden erläutert und deren Bedeutung für Mensch und Natur erklärt.

Sehr beeindruckt zeigten sich zum Abschluss die Gäste von der Arbeit im und der Infrastruktur des Geo-Naturparks. Ein Finne sagte zum Abschied: „Es hat sich gelohnt hierherzukommen. Wir haben gesehen, dass wir noch sehr viel lernen müssen, wenn wir einen solch hohen Standard an Qualität und Wissen wie hier im Odenwald erreichen möchten.“

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