Auf dem Wald-Michelbacher Schimmelberg schwelt der Kohlenmeiler jetzt bis 18. Juni vor sich

Es raucht, kokelt und schwelt nun bis zum 18. Juni auf dem Schimmelberg. Bei herrlichem Wetter wurde der Kohlenmeiler der SG-Faustballer am Samstagnachmittag entzündet. Die Abteilungsmitglieder schauen in verschiedenen Schichten in den kommenden Tagen darauf, dass nichts passiert und qualitativ hochwertige Holzkohle geerntet werden kann. Zwischendurch ist die Bevölkerung herzlich eingeladen, das alte Handwerk in Augenschein zu nehmen und sich dabei aufs Beste bewirten zu lassen.

Damit die Kohle ab dem 17. Juni geerntet werden kann, musste der Meiler erst einmal entzündet werden. 16 Festmeter Holz hatten die Vereinsmitglieder am Samstag zuvor auf sechs Meter Durchmesser und in über zwei Meter Höhe aufgeschichtet. Dazu kam eine luftdichte Deckschicht aus spezieller Erde und darüber Gras, damit darunter das Holz in Ruhe vor sich hin kokeln kann. Schwelt es einmal zu wenig, dann werden Löcher für die Luftzufuhr eingestochen, kommt zu viel Sauerstoff dran, schließen diese die Köhler wieder. Sie müssen auch aufpassen, dass sich nach einer Verpuffung das Holz nicht entzündet, sonst hat der schöne Spaß ein frühes Ende.

Die hochwertige Kohle vom Schimmelberg zeichnet sich durch einen hohen Brennwert und Langlebigkeit aus. Die gute Qualität kann man daran erkennen, dass sie leicht bricht, bläulich glänzt und kaum abfärbt. Um dies zu erreichen, ist ein hoher Arbeitseinsatz erforderlich, da der Meiler rund um die Uhr bewacht werden muss, damit am Ende nicht nur ein Häufchen Asche übrig bleibt. Denn das um den Quandel aufgeschichtete und mit Gras und Erde luftdicht abgedeckte Buchenholz darf nur langsam von innen nach außen verkohlen und nicht brennen.

Den Meilerdienst teilen sich die 20 bis 25 Abteilungsmitglieder auf. Er dauert immer zwischen zehn und zwölf Stunden. Somit ist mehr oder weniger die ganze Faustballabteilung im Einsatz. Fürs ganz schlechte Wetter steht auch ein Bauwagen bereit. „Von Mal zu Mal müssen wir den Event wieder aufs Neue anschieben“, betont Horst Vetter. Die ganze Familie ist bei den Arbeiten mit ihm Boot, bei ihm schon in der dritten Generation. Die „Oberhoheit“ hat Meilerchef Jochen Rühle. Er und seine Mitstreiter müssen akribisch darauf achten, dass nichts durchbrennt. Etwaige Löcher gilt es sofort wieder zu stopfen.

In seiner Begrüßung würdigte Vetter die bisherige Unterstützung durch den scheidenden Bürgermeister Joachim Kunkel. Er hoffte auf eine weitere gute Zusammenarbeit und Förderung des alten Brauchtums durch den neuen Rathauschef Dr. Sascha Weber. Beide waren auch zur Meiler-Entzündung auf den Berg gekommen. Vor ungefähr 35 Jahren starteten die Faustballer mit dieser Renaissance früheren Handwerks, so Vetter. „Das war so erfolgreich, dass es viele Nachahmer gab“, schmunzelte er. Eine solche Veranstaltung könne nur mit vielen freiwilligen Helfern gestemmt werden, dankte er diesen.

Damit der Kohlenmeiler über Fronleichnam vor sich hin kokeln kann, müssen die SG-Leute schon eineinhalb Jahre zuvor an die Vorarbeiten denken. Denn das geschlagene Holz muss zwei Winter ruhen, bevor es so richtig knackig trocken ist. Heutzutage wird Buche verwendet, früher war das auch die vom „Rennekloppen“ (Rindenklopfen) übrig gebliebene Eiche. In der Nähe wurde das Holz gelagert, im vorigen Herbst zum Platz gefahren und dort „gut bewacht“, so Vetter.

Bürgermeister Kunkel lobte den „wunderbaren Ort“ Schimmelberg, auf dem das alte Handwerk wieder zum Leben erweckt wird. Er wies darauf hin, dass sich damit in früheren Jahrhunderten viele Menschen ihr tägliches Brot verdienten. Es sei schön, dass die SG-Faustballer dies wieder praktizierten. Die Gemeinde ist laut Kunkel immer bestrebt, Gästen und Einheimischen besondere Freizeitattraktionen zu bieten – und der Kohlenmeiler sei eine davon. Natürlich funktioniere dies nur durch das Ehrenamt, das im größten Wald-Michelbacher Verein ganz vorbildlich gelebt werde. Er wünschte zehn tolle Tage mit gutem Wetter.

Die Entzündung des Kohlenmeilers nutzte Kunkel dazu, zwei Mitgliedern der SG-Faustballabteilung die Ehrennadel in Bronze der Gemeinde zu überreichen. Jens Jöst und Robert Vetter waren/sind je zehn Jahre als Abteilungsleiter und Schriftführer der Abteilung tätig. Die Urkunde gab’s vom scheidenden Bürgermeister, die Ehrennadel von seinen Nachfolger. Kunkel verband die Überreichung mit dem Hinweis auf die über 100 Vereine in Wald-Michelbach, die das gesellschaftliche Leben bereicherten und in denen das Ehrenamt hochgehalten werde.

Danach schritten Kunkel und Weber ans Werk. Die von Jochen Rühle und Hans-Georg Hering in den Eimer gefüllte glühende Holzkohle schüttete der Noch-Bürgermeister mit seiner Erfahrung aus den vergangenen 18 Jahren in den Quandel, den Schacht, hinab, damit unten das Holz Feuer fing. Dieses war bis etwa in halber Höhe aufgeschichtet worden. Nachdem es zu glühen begonnen hatte und die beiden Anzünder in Rauch gehüllt waren, kam noch einmal die gleiche Menge obendrauf und wurde der Quandel verschlossen, damit die Kokelei beginnen konnte.

Info: SG-Helfer sorgen dafür, dass es sich bei „Köhlersteak“ und „Meilerbier“ in schöner Umgebung gut aushalten lässt. Sollte es heißt sein, können die Gäste in die Schatten der umliegenden Bäume ausweichen. An den Wochentagen kann dies ab 18 Uhr geschehen, an den Samstagen ab 15 Uhr, sonn- und feiertags ab 10 Uhr. Aber auch zu anderen Zeiten muss bei den Hobby-Köhlern niemand Hunger und Durst leiden. Am Mittwoch, 14. Juni, sorgt ab 19 Uhr die Trachtenkapelle Kocherbach für gute Stimmung. An Fronleichnam wird zusätzlich zu Steak und Wurst auch deftiger Rollbraten mit hausgemachtem Kartoffelsalat aufgetischt.

Der Meilerplatz ist sowohl von Wald-Michelbach als auch von der Kreidacher Höhe ausgeschildert und in 20 bis 30 Gehminuten erreichbar. So kann beispielsweise ein Ausflug zur Sommerrodelbahn über den Kunstwanderweg hervorragend mit dem Besuch bei den gut geräucherten Faustballern und ihrem Holzkohlenmeiler kombiniert werden.

 

 

Advertisements