Typisch irisches Wetter beim Konzert der Irish Voices im Hammelbacher Pfarrzentrum

Typischer hätte die Witterung nicht sein können. Eine Stunde vor Konzertbeginn Donner, Blitz und Platschregen, dass der Weltuntergang kurz bevorzustehen schien. Dann, als die „Irish Voices“ im katholischen Pfarrzentrum loslegten, lachte wieder die Sonne vom Himmel. Eine authentische Einstimmung für einen Abend mit Folk-Musik aus Irland, Schottland und dem Odenwald. Diesmal personell etwas abgespeckt, weil mit Johanna Boch eine Musikerin krankheitsbedingt fehlte.

Musikalisch bedeutete dies aber ein anderes Programm als zu den anderen Terminen in diesem Jahr, hatte das verbliebene Trio mit Simone Köhler, Friederike Hornauer und Siggi Winkler doch ein paar Stücke ausgetauscht. Neu dabei war etwa das Stück „Black Velvet Band“. Darin ging es um eine gestohlene Uhr, die ein Ire von einer fremden Frau geschenkt bekommt. Es kam, was kommen musste: Er wurde von der Polizei geschnappt…

„A nation once again“, ein altes Lied aus den Befreiungskriege, war in einigen Provinzen vor 100 Jahren Nationalhymne. In „Kilkelly Ireland“ ging es um vier Briefe, die ein Auswanderer nach Irland in seine Heimat schreibt. Seiner Mutter gefiel überhaupt nicht, dass er bei der Eisenbahn arbeitete. Das Stück „Freight train“ war in der Version von Pete Seeger zu Bekanntheit gelangt.

So bunt gemischt wie die Gästeschar war auch der Set. Balladen, fast schon a-cappella vorgetragen, mischten sich mit fetzigen Hornpipe-Songs aus den Pubs, bei denen die Zuhörer fast schon automatisch anfingen zu klatschen. Aktuelle Songs von irischen Popstars gab es genauso zu hören wie alte, traditionelle Lieder, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben. Zum Einsatz kamen nur die traditionellen Instrumente wie Geige, Flöte, Gitarre und Bodhran.

Pub und Kirche prägten die irische Geschichte, viele der Auseinandersetzungen in der Vergangenheit hatten kirchliche, religiöse Hintergründe. Das habe sich bis in die Neuzeit nicht geändert, Beispiel Nordirlandkonflikt, so Siggi Winkler einführend. Die Iren suchten einen Ausgleich für ihr hartes Leben, für ihre zahlreichen Konflikte, für die bittere Not nach Missernten, Kartoffelfäule, Pest, Not oder Auswanderung als letztes Mittel um zu überleben.

Zum Ende hin drehten die vier Musiker an der Temposchraube: die „Hills of Connemara“, der Pub-Song „When the Old Dun Cow cought fire“ oder „God save Ireland“, die inoffizielle Nationalhymne von 1867, machten so viel Lust auf mehr, dass das Publikum ebendieses forderte. Als Zugabe noch zwei Stücke, die in keinem Set einer Irish-Folk-Band fehlen dürfen: „Drunken Sailor“, die Geschichte davon, was dem armen Betrunkenen alles an den Hals gewünscht wurde, und „Whisky in the Jar“, das durch „Thin Lizzy“ weltbekannt wurde. Bei beiden Stücken ist sofort Stimmung im Saal, die Füße wippen mit, die Hände klatschen fast automatisch, die Leute gehen voll mit.

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