Gaudi für den guten Zweck: Gundolf Reh und Jörg Volk säuberten in Männerbadeanzügen den Michelbach in der Ortsmitte

Es war eine große Gaudi, sowohl für die beiden Aktiven als auch für die Zaungäste. Gundolf Reh und Jörg Volk nutzten das herrliche Wetter, um den Michelbach in der Gass zwischen dem Überweald-Museum und Lipps Café zu säubern. Aber nicht einfach nur in Arbeitskleidung, sondern in früheren, geringelten Badeanzügen für Männer, wie sie Anfang des 19. Jahrhunderts in Mode waren. Eine Plackerei war es letztendlich so oder so: Zwei Stunden lang stapften die beiden im Bach herum, machten ihn sauber und schnitten Pflanzen zurück.

Das Ganze war mehr oder weniger aus einer „Kaffee-Idee“ heraus entstanden. Denn Gundolf Reh vom Heimat- und Museumsverein saß im dortigen Café, als ihn Betreiber Jörg Volk mit Blick auf den verwilderten Bachlauf ansprach: „Die Gemeinde muss doch mal was tun“. Die Antwort: „Eigentlich sind wir doch die Gemeinde.“ Eben als Bürger, die dort wohnen. Abends am Stammtisch kam dann die Schnapsidee auf, doch eine Reinigung in Männerbadeanzügen durchzuführen. Womit Volk nicht gerechnet hatte: Dass Gundolf Reh diese postwendend im Internet bestellen würde.

Jetzt gab es kein Zurück mehr. Eigentlich sollte die Aktion schon im April während des damaligen Backtags am Einhaus stattfinden, doch es war einfach zu kalt. So wurde die Säuberung auf das warme letzte Maiwochenende verlegt. Mit Erfolg: bestes Wetter und warme Temperaturen. Da machte es dann auch nichts, dass die Gummistiefel von Reh nicht hoch genug waren und er ab und zu das hineingelaufene Wasser ausgoss.

„Über Jahre hinweg“ hatten sich laut den Beobachtungen der beiden Scherben, Kronkorken, Dosen und sonstiger Müll im Bach angesammelt. Die Zivilisationsreste wurden in einem Eimer gesammelt und später entsorgt. Darüber hinaus schnitten die beiden Bäume zurück, „die hier – wie etwa Ahorn – nichts zu suchen haben“, und entfernten verschiedenes Gestrüpp. Von Pflanzenkenner Peter Lulay hatte es zuvor genaue Vorgaben gegeben, auf was zu achten war.

Denn zu stark durfte das Grün auch nicht weichen. „Auf der Wasseroberfläche muss es weiterhin einen leichten Schatten geben“, so Reh. Damit die Forellen eine Überlebenschance haben. Diese brauchen auch bei Niedrigwasser eine tiefere Rinne in der Bachmitte. Die Büsche waren teilweise bis in die Mitte des Michelbachs hinein gewachsen. Vor allem die Brennnesseln wucherten alles zu. „Die Bachkräuter müssen auf jeden Fall bleiben“, so der Heimatvereins-Mann. Denn die wachsen nur in den Ritzen der Sandsteinwand.

Etliche Selfies und Handyaufnahmen später erstrahlte der Bachlauf in neuem Glanz. Die beiden Aktiven wollten ihre Aktion auch als Anregung verstanden wissen, „mehr selbst zu tun, als immer nur zu sagen, dass es irgendwo dreckig ist“. In der Gemeinde gebe es viele Ecken, an denen ein ehrenamtlicher Arbeitseinsatz zu einem schöneren Gesamtbild führen könnte.

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