Daumendrücken für die Grundschule Schimmeldewog beim Finale des Deutschen Schulpreises am Montag

Die Spannung steigt, die Aufregung ebenso. Vor allem natürlich bei den Kindern, aber auch die Erwachsenen lässt das am Montag anstehende Finale des Deutschen Schulpreises in Berlin nicht kalt. Sechs Schüler, unter ihnen die Schulsprecher Svenja Ballmann und Paul Walter, und vier Lehrer gehören der „offiziellen“ Delegation an. Dazu kommen noch ein paar von der Schule eingeladene Mitfahrer, aber ebenso weitere „Fans“, die dem Ereignis beiwohnen wollen.

Die Teilnahme der einzigen hessischen Schule an diesem deutschlandweit renommiertesten Wettbewerb lassen sich auch Landrat Christian Engelhardt, Wald-Michelbachs Bürgermeister Joachim Kunkel und der Leiter des Staatlichen Schulamts in Heppenheim, Rainer Kilian, nicht entgehen. Als Vertreterin des Kooperationspartner Systelios-Klinik Siedelsbrunn ist Mechthild Reinhard dabei. Vertreter des Schulfördervereins und der Elternbeirats sind ebenfalls bei der Veranstaltung im ewerk Berlin mit im Boot.

„Wir freuen uns total, dass wir nach Berlin fahren dürfen“, sagt Schulleiterin Sabine Herold. Es sei eine Riesenanerkennung für die in den vergangenen zehn Jahren geleistete Arbeit an der kleinen Schule mit nicht einmal 80 Kindern. Allein „dass wir es geschafft haben“, bedeute eine große Bestätigung für das pädagogische Wirken. Sie sei „sehr gespannt“ auf die gesamte Veranstaltung, bei der Bundeskanzlerin Angela Merkel die Preise übergebe.

Auch wenn die Schimmeldewäer „erst einmal froh sind, dass wir dabei sein dürfen“ und keine Erwartungshaltung haben, schwingt doch ein bisschen Hoffnung mit. „Jetzt hätten wir schon gerne einen der ersten sechs Preise“, schmunzelt Herold. „Wo wir doch so weit gekommen sind.“ Für die kleinste Schule unter allen 14 Finalisten sei allein der Einzug „ein Riesenerfolg“.

Jede der nominierten Schulen „hat tolle Programme und Projekte“, weiß Sabine Herold. Das jahrgangsübergreifende freie Arbeiten in allen vier Klassen bezeichnet sie als „Alleinstellungsmerkmal“ der Grundschule Schimmeldewog. „Das ist etwas Besonders“, was sich sogar andere Schulen schon abgeschaut hätten. „Wir sind sehr stolz, dass unsere pädagogisch-didaktische Arbeit in einem solch hochkompetenten Rahmen gewürdigt wird“, meint sie.

Als einen „Meilenstein in der Geschichte der Grundschule“ bezeichnet Bürgermeister Joachim Kunkel die Finalteilnahme. Allein es schon nach Berlin geschafft zu haben, sei ein „Riesenerfolg“ und beweise die hervorragende pädagogische Arbeit. Was nun in der Endauscheidung erreicht werde, ist für ihn „das Sahnehäubchen“ einer ganz tollen Geschichte. Der Bürgermeister bezeichnete die Schimmeldewäer Schule als „Glücksfall“ nicht nur für den Ortsteil und mit ihrem eigenständigen Profil als ein Vorzeigemodell. „Wir drücken alle ganz fest die Daumen.“

Für die Vorsitzende des Schulfördervereins, Martina Tavaglione, ist die Einladung zum Schulpreis-Finale mit Blick auf das bisher Geleistete nur folgerichtig. „Damit wird auch die tolle Zusammenarbeit zwischen Kollegium, Kindern und Eltern gewürdigt“, betont sie. Die Auszeichnung mit einem der Hauptpreise wäre für sie der schönste Erfolg und eine besondere Würdigung dieser Symbiose zwischen Schule und Ortsbevölkerung.

„Es ist ein komisches, aber auch tolles Gefühl, auf einer Schule zu sein, die zu den 14 besten in Deutschland gehört“, meint Schulsprecher Paul Walter. Die Nachricht „war einfach cool“, so der Zehnjährige. „Ganz toll“ ist die Finalteilnahme auch für die gleichaltrige Svenja Ballmann, ebenfalls Schulsprecherin aus der vierten Klasse. Dass eine solch kleine Schule in dem Wettbewerb so weit kommt, bezeichnet sie als „etwas Herausragendes“.

Landrat Engelhardt richtet seine Worte direkt an die Schüler: „Eure Schule ist klein, aber in dem, was sie macht, ganz groß. Und ihr seid als Grundschüler zwar noch die Kleinen, aber großartig.“ Das Konzept „hat mich bereits bei meinem ersten Besuch im Januar 2016 begeistert“, so der Landrat. Vor allem der Weg, Kinder schon früh an Lernverantwortung und Selbsteinschätzung heranzuführen, mache sie „zu einem Ort der Persönlichkeitsentwicklung und Lernbegeisterung“.

Die einzügige Grundschule in Schönmattenwag zeige mustergültig, dass eine erfolgreiche Lernumgebung nicht von der Größe, sondern „vom persönlichen Einsatz der Lehrer und einem motivierenden Umfeld abhängt“, betont Engelhardt. Die Finalteilnahme „ist ein Riesenerfolg und ich bin sehr stolz. Deshalb komme ich ja zum ‚Daumendrücken‘ mit“.

Mit der Finalteilnahme am Schulpreis eröffnen sich nun auch dem Kollegium neue Fortbildungsmöglichkeiten, die bisher aus finanziellen Gründen nicht möglich waren. Man bekomme die Chance, mit Schulen in engeren Kontakt zu kommen, die ähnlich arbeiteten. Und spezielle Weiterbildungen zu besuchen, die für innovativ, mit anderen Konzepten arbeitenden Schulen wie die Schimmeldewäer kostenfrei angeboten werden.

Info: In der Grundschule Schimmeldewog findet am Montag, 29. Mai, ein privates Public Viewing im großen Saal statt. Los geht’s um 13 Uhr. Phoenix überträgt die Veranstaltung live von 13.30 bis 15 Uhr. Die Verleihung des deutschen Schulpreises 2017 in Berlin wird von Susanne Holst und Lennert Brinkhoff moderiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel übergibt die Preise, Musik gibt es von Adel Tawil.

Hintergrund: Der Deutsche Schulpreis wird von der Robert-Bosch-Stiftung ausgerichtet. Er ist die renommierteste Veranstaltung dieser Art. Von den 14 nominierten Schulen werden insgesamt sechs mit Preisen ausgezeichnet. Der Gewinner des Hauptpreises erhält 100.000 Euro, die weiteren fünf Preisträger zusammen nochmals je 25.000 Euro. Alle weiteren nominierten Schulen bekommen Anerkennungspreise in Höhe von jeweils 5.000 Euro. Über 2.000 Schulen haben sich seit dem Start des Programms im Jahr 2006 am Wettbewerb beteiligt. Die besten von ihnen zeichnen die Robert Bosch Stiftung und die Heidehof Stiftung jährlich aus. Bei der Entscheidung über die Preisträger bewertet die Jury sechs Qualitätsbereiche: „Leistung“, „Umgang mit Vielfalt“, „Unterrichtsqualität“, „Verantwortung“, „Schulklima, Schulleben und außerschulische Partner“ und „Schule als lernende Institution“.

Die weiteren nominierten Schulen: Waldparkschule, Heidelberg; Berufliche Schulen Altötting, Gymnasium Kirchheim, Kirchheim bei München, beide Bayern;  Grundschule Borchshöhe, Bremen;        Elisabeth-Selbert-Schule, Hameln; Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Osnabrück; Berufsbildende Schulen Osterholz-Scharmbeck, alle drei Niedersachsen; Europaschule Bornheim, Gymnasium Essen Nord-Ost, Gesamtschule Else Lasker-Schüler, Wuppertal, alle drei Nordrhein-Westfalen; Deutsche Schule Rio de Janeiro, Brasilien; German International School Boston, USA.

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