Die Nächte bei der Kocherbacher Kerwe sind lang

Wenn im kleinen Ortsteil Kerwe gefeiert wird, dann ist an Schlaf nicht zu denken. Schon die ersten beiden Nächte waren extrem kurz, die nächste stand dem in nichts nach. „Kocherbacher Nächte sind lang“ war deshalb auch als T-Shirt-Aufdruck zu lesen. Es wurde gefeiert bis in die frühen Morgenstunden. Geweckt wurden die letzten Partygästen am Sonntagmorgen von der Trachtenkapelle Kocherbach, die zum sehr gut besuchten Frühschoppen aufspielte.

Der Einzug des Kerwepfarrers Tobias Krause stand diesmal unter besonderen Vorzeichen. Auf seinem Planwagen, umrahmt von Kindern mit geschmückten Fahrrädern, wurde er diesmal vom Mundschenk-Scheich Mario Schmitt begleitet. Denn: „Mer häwe jetzt Partnerschaft mit Dubai gschlosse, jetzt is de Scheich bei uns oigschosse.“ Der Kerwewoi aus fernen Ländern „schlägt oi wie ä Granade“, wusste er zu berichten. Kocherbach ist international, „ich als Pfarrer find des phenomenal“.

Alt-Mundschenkin Sabine Krämer hatte zum umjubelten Schluss der Rede noch eine Überraschung für den Kerwepfarrer parat. Der musste einen von ihr gereimten Text vorlesen, nicht immer besonders schmeichelhaft für ihn – und vor allem nicht jugendfrei. Aber natürlich umso unterhaltsamer fürs Publikum, wenn’s um die Erlebnisse mit den Hunden der Freundin ging. Und um die Sortierung der Wäsche, die so manche Erlebnisse bereithielt.

Vergleiche mit der Fertigstellung des Berliner Flughafens zog der Kerwepfarrer in Bezug auf das geplante Kocherbacher „Hinkelhaus“. Die Arbeitskräfte wollten nicht so recht loslegen. Öfters kam etwas Flüssiges dazwischen. Doch: „Des Hinkelhaus muss moie fertisch wärn, is die Devise, schunst kriege die Hinkel noch die Krise.“ Was ihn zum Fazit führte: „Ä Fertighaus mit Hinkel glei drin, des wär halt ä Gedicht.“

Um die Hühner ging’s gleich noch einmal. Oder besser das, was von den Luna-Eierproduzenten eines Morgens noch übrig war. Denn scheinbar hatte sich eine ganze Horde Füchse an den Hinkeln satt gefressen, sodass nur noch Federn übrig waren. „Des Geschrei war groß, im Hinkelstall war nix mehr lous.“ Mit den Terminen hat eine Kocherbacher Familie so ihre Probleme. Vor zwei Jahren erwischte sie den falschen (Hessen-)Tag, jetzt war es das Raubacker Jockelfest, bei dem sie einen Tag zu früh auf dem Platz stand.

Alltagsprobleme in der Rabbelgass, ein Rohrbruch im Kerwesaal, Probleme mit dem Leihwagen, Augenprobleme oder eine Odenwaldtour mit Hindernissen beschäftigten den Kerwepfarrer ebenfalls in einer Weise, dass er darüber ein paar Zeilen verfasste. Und dann noch der Claus mit seinen geräucherten Frikadellen, die fast das Haus in Brand setzten…  Die Zuschauer im Saal des Gasthauses hatten einen Riesenspaß bei den Ausführungen von Pfarrer Krause, dem keine Fehltritte seiner Mitbürger im vergangenen Jahr verborgen bleiben.

Ein buntes Nachmittagsprogramm ließ die Gäste gerne am Kastanienhof verweilen. Zwei Musikanten machten ihre Runde im Saal, auf dem Hof und in der Gastwirtschaft. Sie unterhielten prächtig mit Stimmungsmusik zum Mitschunkeln und Mitsingen. Zuvor war traditionell die Jugend am Zug. Die Kerwe-Kids machten mit drei Liedern und Tänzen den Auftakt. Hermine Oberle, Aleksander Krowka, Ksawery Krowka und Luis Bernhardt sangen „Die immer lacht“, „Die Hektar hat“ und „Quando, quando“. Dazu passte natürlich auch die Kleidung. Zum Schluss verteilten Ksawery und Hermine Blumen im Publikum.

In ihrem Kerwe-Sketch entführte die Gruppe „One2Step“ in eine Arztpraxis. Alissa Stein, Nico Stein, Samantha Mergel, Ann-Kathrin Kramer, Lena Kramer, Hermine Oberle und Luis Bernhardt demonstrierten anschaulich, wie die Ärztin mit allen möglichen Mitteln potenzielle Patienten vertrieb. Dazu gab es auch die beiden Songs „Jailhouse Rock“ und „Johnny B. Goode“ zu hören.

Richtig musikalisch wurde es dann noch einmal mit „Alissa und den Knallköpp“. Die Band um Alissa Stein, Tobias Krause, Tobias Stein, Thomas Ebert, Andreas Speck und Nico Stein spielte „Cotton Eyed Joe“ und „YMCA“. Bei letzterem Song tanzte Alissa mit zwei Puppen durchs Publikum. Mittagessen sowie Kaffee und Kuchen wurden am Sonntagnachmittag sehr gut angenommen. Bei schönem Wetter startete der montägliche Frühschoppen mit zwei Bürgermeistern: dem scheidenden Joachim Kunkel und dem designierten Dr. Sascha Weber. Der Luftballon-Wettbewerb am Nachmittag läutete den Ausklang ein

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