Blasmusik Schimmeldewog marschiert beim Jahreskonzert majestätisch durch alle Musikstile

„Von allem etwas, für alle etwas“: Besser als Moderator Donat Skroch könnte man das Programm der Blasmusik Schimmeldewog kaum umschreiben. Zu seinem Jahreskonzert hatte das Orchester ins Haus des Gastes eingeladen. Gleichzeitig bedeutete der Auftritt mehr oder weniger den „offiziellen“ Abschied von Dirigent Marcel Hamaekers, der das Ensemble nach sieben Jahren demnächst verlässt. Nach dem Sommer leitet Christian Schuppel die Blasmusik.

Mit einem Marsch startete die 25-köpfige Truppe in den Abend, mit einem Marsch als Zugabe beschloss sie ihn. Dazwischen lagen mehr als zwei Stunden musikalische Highlights auf hohem Niveau, die weit über das traditionelle Repertoire einer Blaskapelle hinausgingen. Aktuelle Popsongs, Schlager, Saxofon-Balladen, Rockstücke und Swing-Evergreens machten den Auftritt zu einer mehr als hörenswerten Reise durch ein Jahrhundert Musikgeschichte, die gerne noch ein paar Zuhörer mehr verdient gehabt hätte.

Mit dem Schicksal der Götter, „Fate of the Gods“, näherte sich das Orchester im ersten Set machtvoll der nordischen Mythologie an. Geheimnisvolle Klänge, fanfarenartige Trompeten und Hörner, aber auch zarte Klarinetten und Flöten kündeten vom großen Kampf Gut gegen Böse und der Erschaffung einer neuen Welt. Als Kontrast dazu die Ballade „Coming Home“ von Heinz Briegel. In warmen, harmonischen Farben sorgten Sopran- und Altsaxofon sowie Klarinette für ein „exzellentes Wohlgefühl“, wie es Skroch beschrieb. Und noch einmal gab es beim „Saxophone Date“ von dieser Instrumentengruppe etwas zu hören.

„Ross Roy“ von Jacob de Haan bildete quasi eine Art Konzertprogramm im Kleinen. Denn das Stück vereinte viele verschiedene Stilelemente, von den einzelnen Instrumentengruppen mit Bravour gemeistert. Einem monumentalen Beginn folgten das marschmäßige Thema, scherzhafte Elemente, ein expressiver Zwischenteil und sogar orientalische Töne, bevor dann der Schluss an eine klassische Ouvertüre erinnerte.

Mit einem Medley der größten Erfolge von Franz Grothe beschloss das Orchester vielbeklatscht die erste Hälfte des Programms. Er war einer der begnadetsten Komponisten des 20. Jahrhunderts im Bereich des Films und der „Leichten Muse“. „Sing mit mir“, „Postillion“, „Es ist nur die Liebe“ oder „Illusion“ lauteten die Titel der Blasmusik, bei der sie ihre große Musikalität ausspielen konnte.

Kaum öffnete sich der Vorhang, ging es mit dem „Celebration Countdown“ bereits wieder in die Vollen. Die Percussion-Abteilung mit Wolfram und Manuel Walter rückte bei diesem Blick auf den Jahreswechsel 1999/2000 neben dem Trompeten in den Vordergrund. Das „Ehrenwerte Haus“ von Udo Jürgens lebte von der Interaktion der Posaunen und Hörner mit Trompeten und Querflöten, die immer wieder Akzente setzten.

Mit Amy Winehouse und Roger Cicero kamen zwei zeitgenössische Popkünstler zu ihrem Recht, die viel zu früh von uns gegangen sind. „Rehab“ etwa bekam einen groovenden Schwung durch die pointierten Einsätze der Posaunen, während das Leitmotiv volltönend vom gesamten Ensemble gestaltet wurde. Bei Ciceros Swing-Musik zeigte sich das Orchester voll in seinem Element. Der klassische Big-Band-Sound bei „Zieh‘ dich Schuhe aus“ sorgte dafür, dass etliche Finger anfingen, den Takt mitzuklopfen.

„Purple Rain“ von Prince in einer getragenen Version sah Rüdiger Horst als Saxofon-Solisten, ehe es dann monumental und majestätisch wurde. Queens „We will rock you“, gespielt von 25 Instrumentalisten, kam wuchtig rüber, bei „Bohemian Rhapsody“ mit seinem orchestralen Mittelteil war die Blasmusik bestens aufgehoben und „We are the champions“ mit den dominierenden Trompeten hatte einen ziemlichen Gänsehaut-Faktor.

Mehr Kontrast als danach war kaum möglich: Die Polka „Von Freund zu Freund“ entführte von britannischem Rock zu alpenländischem Liedgut. In sämtlichen Instrumentengruppen glänzten die Musiker, zeigten die breite Palette ihres Könnens, sorgten mit einem fulminanten Schluss für viel Applaus. Das Ende des Konzertabends stand auch wirklich kurz bevor. Doch davor drehte die Blasmusik noch einmal kräftig am Rad.

„Put your head on my shoulder“, „Diana“ und „My way“ lauteten die Hits von Paul Anka, die sich als Ohrwürmer direkt den Weg in die Gehörgänge der Zuhörer bahnten. Vor allem der Evergreen von Frank Sinatra mit seinen leisen Saxofon- und Klarinettentönen, gefolgt vom fanfarenartigen Refrain, hatte eine Zugabe als logische Konsequenz zur Folge. Bei den „Sons of the braves“ war es dann endgültig geschehen: Begeistert wurde mitgeklatscht, während die Blechbläser noch einmal ihr volles Potenzial ausschöpften. Großer Jubel.

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