Wald-Michelbacher Faustballer bringen wieder den Kohlenmeiler auf dem Schimmelberg zum Kokeln

Es schwelt, glüht und kokelt wieder neun Tage lang auf dem Schimmelberg: Die alte Tradition der Holzkohlegewinnung durch einen Kohlenmeiler, die vielerorts noch oder wieder aufrechterhalten wird, ist auch bei der Faustballabteilung der SG Wald-Michelbach seit über 30 Jahren ein liebgewordener Brauch. Er wird alle zwei Jahre gepflegt und ist damit eine der ältesten Veranstaltungen dieser Art in der näheren Region.

Zum altbewährten Termin über Fronleichnam, in diesem Jahr vom 10. bis 18. Juni, laden die Faustballer wieder alle treuen Besucher – und natürlich auch neue interessierte Gäste – ein, sich ein Bild vom rauchenden Holzhügel zu machen. Am Samstag, 10. Juni, wird Wald-Michelbachs Bürgermeister Joachim Kunkel um 15 Uhr den kleinen Hügel erklimmen, um glühende Kohle einzufüllen und damit den diesjährigen Meiler zu entzünden. Am Mittwoch, 14. Juni, sorgt ab 19 Uhr die Trachtenkapelle Kocherbach für gute Stimmung.

Auf dem Schimmelberg oberhalb von Stallenkandel soll auch diesmal wieder hochwertige Kohle gewonnen werden, die sich durch einen hohen Brennwert und Langlebigkeit auszeichnet. Deren gute Qualität kann man daran erkennen, dass sie leicht bricht, bläulich glänzt und kaum abfärbt. Um dies zu erreichen, ist ein hoher Arbeitseinsatz erforderlich, da der Meiler natürlich rund um die Uhr bewacht werden muss, damit am Ende nicht nur ein Häufchen Asche übrig bleibt. Denn das um den Quandel aufgeschichtete und mit Gras und Erde luftdicht abgedeckte Buchenholz darf nur langsam von innen nach außen verkohlen und nicht brennen.

Weitere Helfer sorgen dafür, dass es sich bei „Köhlersteak“ und „Meilerbier“ in schöner Umgebung bestens aushalten lässt. An den Wochentagen kann dies ab 18 Uhr geschehen, an den Samstagen ab 15 Uhr, sonn- und feiertags ab 10 Uhr. Aber auch zu anderen Zeiten muss bei den Hobby-Köhlern niemand Hunger und Durst leiden. An Fronleichnam wird zusätzlich zu Steak und Wurst auch deftiger Rollbraten mit hausgemachtem Kartoffelsalat aufgetischt.

Das uralte Köhlerhandwerk erfordert eine ständige Meilerwache, damit der Ausbau am Abend des 17. Juni beginnen kann. Kaufwillige können die Kohle am Sonntag, 18. Juni, sackweise erstehen. „Wer einmal mit Meilerkohle gegrillt hat, wird keine andere mehr haben wollen“, wissen die Fachleute. Der Meilerplatz ist sowohl von Wald-Michelbach als auch von der Kreidacher Höhe ausgeschildert und in 20 bis 30 Gehminuten erreichbar. So kann beispielsweise ein Ausflug zur Sommerrodelbahn über den Kunstwanderweg hervorragend mit dem Besuch bei den gut geräucherten Faustballern und ihrem Holzkohlenmeiler kombiniert werden.

Mittels Kohlenmeilern wird seit dem Altertum Holzkohle hergestellt. Holzkohle ist wesentlich leichter als Fällholz und somit einfacher zu transportieren. Die Köhlerei war in der frühen Neuzeit ein bedeutender Wirtschaftszweig. Damals war Holzkohle der einzige Brennstoff, mit dem man die nötige Hitze für die Eisenverhüttung erzeugen konnte. 1713 wurde ein Verfahren erfunden, um aus Steinkohle hochofentauglichen Koks herzustellen. Danach ging der Verbrauch der teuren Holzkohle trotz steigender Eisenproduktion immer mehr zurück.

Ab dem 17. Jahrhundert wurden dann auch zunehmend Pechöfen verwendet und im 19. Jahrhundert dann auch Retorten. Dies hatte zur Folge, dass immer weniger Kohlenmeiler gebraucht wurden. Das allmähliche Aus für die Holzköhlerei begann im 19. Jahrhundert, als die Steinkohle dann die Holzkohle praktisch ersetzte und später auch Gas und Elektrizität an Bedeutung gewannen. Die Köhlerei wird nur noch aus Traditionsgründen und für einige Spezialanwendungen von Holzkohle betrieben.

Auf dem Platz wird der Meiler aus Holz angelegt, in annähernd halbkugel- oder kegelförmigen Haufen, mit großen Scheiten, regelmäßig (und zwar stehend oder liegend) um den Quandel (Kern) herum. Darauf kommt ein luftdichtes Dach aus Erde und Gras. Zum Abschluss wird der Meiler mit Ausnahme des Quandels luftdicht verschlossen. Es wird dann eine Abstützung aus Rundhölzern und Brettern um den Fuß herum erstellt. Dann wird über den Quandel der Meiler entzündet und dieser verschlossen.

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