Schnuppertage an der Grundschule Schimmeldewog nehmen die Angst vor dem „Ernst des Lebens“

15 neue ABC-Schützen wird die Grundschule Schimmeldewog im kommenden Schuljahr aufnehmen. Damit die sich gleich im neuen Umfeld zuhause fühlen und weniger Eingewöhnungsschwierigkeiten haben, gibt es für die baldigen Erstklässler im ausgehenden Schuljahr drei Schnuppertage im Abstand von zwei bis vier Wochen. Diese haben sich bestens bewährt und machen den Start in den „Ernst des Lebens“ leichter. Denn genau davor soll ihnen die Angst genommen werden – was nach Rückmeldung aus der Elternschaft auch sehr gut gelingt.

Fast 80 Schüler besuchen derzeit die kleine Schule im Wald-Michelbacher Ortsteil. Sie kommen aber nicht nur aus dem direkten Einzugsgebiet, sondern es sind immer mehr sogenannte „Gestattungskinder“ dabei. Aus Mörlenbach, Rothenberg, Finkenbach, Hirschhorn oder Affolterbach. Diese Attraktivität gleicht den Geburtenrückgang aus. Denn eigentlich kommen nur sieben der 15 aus dem eigentlichen Schimmeldewäer Schulsprengel.

Damit sich die Noch-Kindergartenkinder mit dem „Alltag“ in der Schule vertraut machen können, werden sie im Eingangsbereich gleich von ihren Schnupperpaten empfangen. Das sind derzeitige Grundschüler aus den Flex-Klassen. Wenn es dann doch mal nicht passen sollte, kann auch ein Pate flexibel getauscht werden. Die Grundschüler zeigen den Neulingen als Erstes die Garderobe.

Dann gibt es einen Begrüßungsrap, bevor die späteren ABC-Schützen in den sogenannten „Freiarbeitsräumen“ direkt in den täglichen, regulären Schulbetrieb mit einbezogen werden, erläutern die zuständige Lehrerin Nina Reuber und Schulleiterin Sabine Herold. Das sei das Besondere am Modell in Schönmattenwag.

Buchstabentabelle, Zahlen bis 100, Rechnen und Zählen stehen neben verschiedenen Spielen und Suchbildern auf dem Programm. Gleichzeitig wird den „Neuen“ das Prinzip der „Freiarbeit“ vermittelt. Darüber hinaus erhalten die kommenden Erstklässler ein Schnuppertagsheft mit ihrem Foto drin.

Um ein Gefühl der Vertrautheit zu schaffen, werden die Kinder drei- und nicht nur einmal eingeladen. „Sie sollen damit Schule, Lehrer und andere Kinder intensiv kennenlernen, die Angst vor dem Ernst des Lebens verlieren“, sagt die Pädagogin. „Sie sind ein Teil des regulären Schulvormittags“ und bekommen einen authentischen Eindruck, wie der Erstklässler-Alltag ablaufen wird.

Der Wandel im Verhalten der zuerst noch sehr schüchternen Kleinen ist erstaunlich und gibt dem Konzept recht: „Beim ersten Mal kommen sie noch an der Hand der Mutter hier rein und haben oft Angst“, hat Nina Reuber beobachtet. „Beim zweiten Besuch kennen sie schon alles und gehen bereits allein und selbstsicherer in die Räume.“ Und am dritten Schnuppertag schließlich „bemerkt man sie schon gar nicht mehr“.

Zwei Drittelnder Schnuppernden sind beim zweiten Termin „bereits bestens integriert“. Wenn schüchterne Kinder doch etwas länger und mehr Zuspruch brauchen sollten, werden sie von den Lehrern an die Hand genommen. Das System „gibt es schon ganz lange an unserer Schule“, betont Sabine Herold. „Es funktioniert total gut.“

Nach dem Ende des Schnuppervormittags sind die Kinder eingeladen, gemeinsam mit den anderen zu frühstücken und in der Pause zu spielen. Dann werden sie von den Eltern abgeholt oder laufen in Begleitung zurück zum örtlichen Kindergarten. Die dortigen Erzieherinnen wiederum hatten sie morgens zur Schule gebracht. Herold hebt die Zusammenarbeit mit dem Kindergarten nicht nur auf diesem Feld hervor.

Alle „neuen“ Eltern schnuppern in der Regel an einem Termin mit und lassen sich von den Schulsprechern Svenja Ballmann und Paul Walter die Schule zeigen. „Das hat sich sehr bewährt, weil die Eltern so viele Fragen direkt klären und sich selbst ein Bild machen können“, sagt Herold. Die neuen Erstklässler werden im kommenden Schuljahr in schon bestehende Flex-Klassen integriert und können so von den etwas älteren Kindern lernen, sagt Reuber. Darin werden zwei Jahrgänge gemeinsam unterrichtet. Es gebe für die Kinder die Möglichkeit, bei zusätzlichem Lernbedarf drei Schuljahre in den beiden Flex-Jahrgangsstufen unterrichtet zu werden.

Dass neben den angehenden Schülern aus Schönmattenwag noch einmal die gleiche Zahl von auswärts kommt, ist Herold zufolge dem besonderen pädagogischen System zu verdanken. „Die Hälfte des Vormittags wird fachbezogen jahrgangsgemischt mit allen vier Klassen gearbeitet“, erläutert Reuber. Dazu kommt aber noch die jüngste Aufmerksamkeit, die sich die Lehranstalt mit ihrer Finalteilnahme am Deutschen Schulpreis sicherte. Seitdem kamen bereits im laufenden Schuljahr acht Kinder neu hinzu.

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