Die ganze Gefühlswelt in einem Song: Die australische Sängerin und Songwriterin Kirbanu trat in Wald-Michelbach auf

Es war für sie wie eine Rückkehr in ihre erste deutsche Heimat, und entsprechend gelöst spielte Kirbanu auch auf. Die australische Sängerin und Songwriterin traf bei ihrem Auftritt im kommunalen Kino auf ein dankbares Publikum, das sie teilweise schon von ihren ersten Konzerten in der Region vor etlichen Jahren kannte. Begleitet wurde sie vom Gitarristen Markus Born. Einmal sechs akustische Saiten, einmal sechs verstärkte: Das reichte völlig aus, um ein besonderes Flair in den Räumen zu schaffen.

Mit ihrer sympathischen Ausstrahlung und dem etwas holprigen Deutsch („Das habe ich in Wald-Michelbach auf der Straße gelernt“) zieht Kirbanu die Zuschauer gleich auf ihre Seite. Diese Rückmeldung trägt auch dazu bei, „dass ich ganz entspannt bin“ und sie sich wie zuhause fühlt. Schon beim ersten Song wird klar, dass hier eine besondere Künstlerin auf der Bühne steht. Ihre volltönende Stimme schlägt die Zuhörer, von denen es gerne ein paar mehr hätten sein dürfen, sofort in den Bann.

Liebe, Lebensfreude, Freundschaft, Trauer, Verlust und das Leben an sich: Kirbanus Lieder spiegeln die gesamte Palette der menschlichen Gefühlswelt wieder. Immer dominiert von ihrer bis in den letzten Winkel des Kinos tragenden Stimme, die in ihrem Umfang und Ausdruckskraft an eine Melissa Etheridge erinnert. „Live your life“ heißt es da, „My old friend“ oder „Time goes on“.

Vorgetragen werden die Songs mit einer Inbrunst, mit einer solchen Power, die man der zierlichen Person, die fast hinter ihrer Gitarre verschwindet, kaum zugetraut hätte. Kirbanu lässt das Auf und Ab des Lebens in mehreren Oktaven rüberkommen, verströmt gleichzeitig mit ihrem glockenklaren Organ Hoffnung, lächelt die Probleme des Lebens einfach weg.

„You’ve the best voice I ever heard“ macht als Zwischenruf deutlich, was alle im Zuschauerraum denken: „Du hast die beste Stimme, die ich je gehört habe.“ Ausdrucksvoll, emotional, energiegeladen, aber auch andächtig, wehmütig, nachtrauernd zelebriert die jetzt in Heidelberg wohnende Australierin förmlich ihre Stücke. Die werden immer von ein paar einleitenden Worten begleitet.

Kirbanu ist keine Songwriterin, die ihre Botschaft jemandem eintrichtern will, sondern kommt damit im ersten Moment leise durch die Hintertür. Sie hat etwas zu sagen und tut es aber trotz allem mit ihren Inhalten lautstark. E-Gitarrist Markus Born hält sich dabei wohltuend im Hintergrund. Er sorgt für die warmen und treibenden Töne, die die einzelnen Songs untermalen, ohne den Liedern zu sehr seinen Stempel aufzudrücken.

Ob es nun die tiefe Angst in „Shadows“ ist, das schon etwas ältere Stück „Mr. Fancy Pants“ über einen aufdringlichen Verehrer, das neue „Because you see me“, von ihr jetzt gerade auch auf YouTube hochgeladen, oder das nach einer langen Reise durch Indien entstandene „Closed Eyes“: Es gibt immer wieder Neues zu entdecken in der Gedankenwelt von Kirbanu, die sich zwei Stunden lang vor den Gästen ausbreitet.

Die Begeisterung nach dem Konzert war auf beiden Seiten groß, registrierte Wolfgang Sax. Der hatte das Konzert in Wald-Michelbach für die Künstlerin organisiert. „Den Zuschauern hat es sehr gut gefallen und Kirbanu war von der Location begeistert“, sagte er. Der Wunsch nach weiteren Konzerten in dieser Form, aber auch nach einer Wiederholung, kam auf. Vor allem die „tolle Stimme“ der Musikerin blieb den Gästen im Gedächtnis haften.

Was Sax besonders freute: Dass es eine Veranstaltung für Jung und Alt war, was sich auch unschwer im Publikum ausmachen ließ. Unter das hatten sich ebenfalls Auswärtige gemischt, die vom Ambiente im kommunalen Kino sehr angetan waren. Mit Kirbanu war Sax schon länger in Kontakt. Im Mannheimer Capitol war er dabei, als die Songwriterin ihre erste CD vorstellte. Und als dann die Frage nach einem geeigneten Auftrittsort in Wald-Michelbach aufkam, fielen ihm gleich die Räume im alten Bahnhof ein.

Durch die Liebe landete die Sängerin im Überwald, brach dafür 2010 innerhalb einer Woche alle Zelte in Australien ab. Eine Heirat auf der Tromm folgte. Deshalb war der Auftritt in Wald-Michelbach für sie nicht nur ein Konzert, sondern auch ein Wiedersehen mit vielen Bekannten aus der damaligen Zeit. Nach einer erfolgreichen Europa- und Australien-Tour präsentierte die australische Songwriterin nun ihr neues Pop-Album „Drifting“. Im Titelsong besang sie ausdrucksvoll die Sorge, sich selbst zu verlieren.

Advertisements