So vielfältig kann Blasmusik sein: Big Band des Überwald-Gymnasiums und die Feuerwehrkapelle Wald-Michelbach bekamen begeisterten Applaus

Zum Schluss, nach mehr als drei Stunden Konzert inklusive zwei Umbaupausen, gab es Standing Ovations. Und das absolut verdient. Denn was die Big Band des Überwald-Gymnasiums und die Feuerwehrkapelle zuerst einzeln, dann in fünf Stücken gemeinsam auf der Bühne der Rudi-Wünzer-Halle geboten hatten, war allererste Sahne. Böhmisch-mährische Blasmusik, Swing, Pop und Blues: Die beiden Ensembles unternahmen eine hörenswerte Reise durch Musikgenres und -zeiten.

Vor allem die gemeinsam gespielten Songs und Medleys waren es, die ein ums andere Mal für begeisterten Applaus bei den Besuchern sorgten. Da machte sich die monatelange Probearbeit bemerkbar, bei der beide Klangkörper mit Musikstücken zu tun hatten, die sie eigentlich gar nicht im Repertoire haben. Die Polka „Wir Musikanten“ bedeutete Neuland für die Big Band unter der Leitung von Sebastian Schertel, das sie bravourös meisterte.

Überhaupt die Big Band: Wie sich diese innerhalb des vergangenen Jahres „mauserte“, zum qualitativ hochstehenden Swing-Orchester mit ihrem Repertoire an Musical-, Soul- und Bluesstücken nebst Filmmusiken wurde, ist bemerkenswert. Die jungen Musiker agierten selbstsicher vor großer Kulisse, wagten sich auch an die schwierigen Läufe heran oder glänzten mit Soli. Getreu dem Anspruch von Schertel, nicht nur eine AG, sondern ein vollwertiges Orchester zu führen. Dem wurde er, das wurde den Gästen in der sehr gut besetzten Halle klar, bestens gerecht.

Vor allem die beiden Medleys waren es, die für einen Begeisterungssturm sorgten – nachdem die Ensembles beim Konzert unter dem Titel „Big Band meets Friends“ schon mit ihren einzelnen Sets zahlreichen Applaus eingeheimst hatten. „Bugs Bunny and friends“ hieß denn auch passenderweise die Zusammenstellung von Erkennungsmelodien aus Zeichentrick- und Klamaukserien. Die Titelstücke aus „Tom und Jerry“, „Dick und Doof“ oder „Paulchen Panther“ waren herauszuhören.

Sie wurden vom 60-köpfigen Orchesterzusammenschluss mit einer Dynamik gespielt, dass keiner dabei ruhig sitzen bleiben konnte. Mitklatschen war angesagt. Zum großen Konzertsaal, in dem Jake und Elwood Blues im Film auftraten, wurde die Wünzer-Halle beim Medley der bekanntesten Blues- und Soulsongs aus dem Kultfilm. Ein fulminanter Höhepunkt, dem Reinhard Meys „Gute Nacht Freunde“ in einer Form folgte, wie man es sonst auch nicht zu hören bekommt.

Nach der Begrüßung durch die beiden Schüler Jana Grohmann und Vincent Capuani übernahmen Saskia Kunkel und Peter Capuani die Moderation des Abends. Sie streuten immer wieder Wissenswertes und Hintergrundinfos zu den einzelnen Stücken ein. „Don´t cry for me Argentina” als Evergreen aus dem Evita-Musical ging gleich direkt ins Ohr. Der schwungvolle, volltönende, swingende Beginn der Big Band setzte sich mit dem „Carnival del Soul“ fort, bei dem das Schlagzeug-Solo von Robin Beckenbach lauten Zwischenapplaus erhielt.

„California Dreamin’” oder „Stand By Me” sind wahre Klassiker, die ebenso auf den Punkt gespielt wurden wie das groovende „It Don´t Mean A Thing”. Ein richtiger Knaller dann „Freeze Frame” von der J. Geils Band, sehr pointiert dargeboten durch den Einsatz der verschiedenen Instrumentengruppen und die Tempiwechsel. Rockklänge mal ganz anders bot die Big Band mit Led Zeppelins „Stairway to Heaven”.

Ein echtes Paradestück dann das Thema aus dem Rocky-Film: „Gonna Fly Now“ schwebte fanfarenartig-majestätisch durch die Halle, als wäre sie die Boxarena, in der Sylvester Stallone das erste Mal in den Ring stieg. Kein Wunder, dass danach eine Zugabe in Form des Muppet-Show-Themas folgte, bei der Schertel noch einmal, wie ein Irrwisch dirigierend, mit Erfolg Höchstleistungen von den jungen Musikern forderte.

Kontrastprogramm danach von der Feuerwehrkapelle unter Leitung von Klaus Weihrauch. Gediegen-traditionell, aber auch angereichert mit Popsongs, präsentierte sich das Repertoire der 30-köpfigen Kapelle. Das musikalische Flaggschiff der Wald-Michelbacher Wehr begeisterte mit seiner Vielseitigkeit. Der Einstieg war ganz böhmisch-mährisch mit zwei Polkas, „So schön ist Blasmusik“ von Erich Brecht und „Von Freund zu Freund“ von Martin Scharnagl.

Dann ging es aber schon Richtung Musical. „Nessaja“ von Peter Maffay sowie „Ich gehör‘ nur mir“ von Michael Kunze und Sylvester Levay wiesen die Richtung hin zu den folgenden Popstücken. „Matrimony” von Gilbert O´Sullivan und „I’ll do it for you” von Bryan Adams zeigten eindrucksvoll das breit aufgestellte Repertoire der Kapelle. Immer wieder gab es lang anhaltenden Beifall für die Darbietungen. Wie auch nach dem „Concerto d’amore“, einer moderne Ouvertüre von Jacob de Haan, mit der die Feuerwehrkapelle ihren Set vielbeklatscht beschloss.

Die musikalische Zusammenarbeit der ÜWG Big Band in einem gemeinsamen Konzert startete mit der Feuerwehrkapelle. Bei der fünften Auflage ging es somit „Back to the roots“. Für Klaus Weihrauch, den Dirigenten der Feuerwehrkapelle, eine schöne Möglichkeit, das volle Repertoire des Ensembles zeigten zu können. „Eigentlich sind wir ja ein klassisches Blasorchester“, erläuterte er. Aber eben auch nach allen Seiten offen.

Seine Liedauswahl war ganz dem Motto Freundschaft geschuldet. In allen Songs ging es irgendwo um dieses Thema, um Liebe, um Ehe. „So schön ist Blasmusik“ etwa war das Motto das Grand Prix der Blasmusik. „Wir Musikanten“ handelt davon, wie man durch Musik und Gesang auch vereint im Leben ist. Zu Bryan Adams’ Schmusesongs muss man sowieso nichts mehr sagen.

In der Feuerwehrkapelle, die Weihrauch seit 2011 leitet, sind über 30 Musiker von 13 bis 70 Jahren aktiv. „Ein bunter Altersquerschnitt“, schmunzelte der Dirigent. Entsprechend vielfältig sind auch die Musikvorlieben. Geprobt wurde zusammen mit der Big Band seit etlichen Wochen. Es gab Probensamstage und am Freitag vor dem Konzert noch eine gemeinsame Generalprobe im Feuerwehrhaus.

Sebastian Schertel, der die Big Band des ÜWG seit 2010 leitet, wollte mit den dargebotenen Stücken eine möglichst große Bandbreite aufzeigen. „Von Swing bis Beat, von balladenhaft bis rockig-fetzig“ fand sich deshalb Etliches in dem einstündigen Programm. Er gliederte die einzelnen Abschnitte nach Stil und Charakter, etwa südamerikanisch, Swing, Rock und Pop. Für die Bewirtung am Konzertabend sorgten die Feuerwehr Wald-Michelbach und der Förderverein des ÜWG.

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