Draußen kühler Regen, drinnen heiße Stimmung: Zum Jubiläums-Abschluss hatte die Kocherbacher Trachtenkapelle zu viel musikalischer Unterhaltung eingeladen

Improvisationskunst ist alles. Nicht nur in der Musik ist das Talent dafür gefragt, auch bei der Veranstaltungs-Organisation muss man schnell auf Unvorhergesehenes reagieren können. Denn das Grillfest der Trachtenkapelle Kocherbach als Abschluss der Feierlichkeiten zum 50. Jubiläum war eigentlich etwas anders geplant als es der Dauerregen am 1. Mai dann über die Bühne gehen ließ. Apropos Bühne: Die blieb in Form des Stage-Mobils der Sparkasse ungenutzt, weil zu viel Wasser von oben kam, und stand den Tag über einsam auf der Wiese vor dem Bürgerhaus.

Das eigentlich für die Besucher gedachte Feuerwehrzelt wurde deshalb am Morgen schnell umfunktioniert und bildete im hinteren Drittel die Auftrittsfläche für die verschiedenen Kapellen. Die zeigten mit dem Aufbau und Musizieren auf engstem Raum, dass auch sie Meister im Improvisieren sind. Die drangvolle Enge schuf eine mehr als heimelige Atmosphäre und gemütliche Stimmung den ganzen Nachmittag über, freute sich der Trachtenkapellen-Vorsitzende Toni Emig.

Die Musiker hatten darüber hinaus im Bürgerhaus noch an jeder freien Stelle Sitzgelegenheiten eingerichtet. Eine gute Wahl, wie sich zeigte: Denn gerade um die Mittagszeit und dann bei Kaffee und Kuchen war kaum noch ein freier Platz zu ergattern. „Wir hatten einen sehr guten Besuch – trotz des Regens“, meinte Emig. „Ich möchte nicht wissen, was bei Sonnenschein los gewesen wäre“, schmunzelte er. Das Grillfest mit dem Auftritt von drei Gastkapellen neben den Gastgebern „war für uns ein voller Erfolg und krönender Abschluss der Jubiläumsfeierlichkeiten“.

Den ganzen Tag über lauschten die Besucher den Klängen des Musikvereins Gorxheimertal, der Jagdhornbläser vom Schützenverein Siedelsbrunn und den Weihklinger Buben aus Ober-Mumbach. Den Auftakt machte aber die Trachtenkapelle unter der Leitung von Joachim Wagner. Potpourris von den Kastelruther Spatzen oder Helene Fischer, die Polkas „Das halbe Jahrhundert“ und „Wir Musikanten“, „Stell dich ein in Oberkrein“ oder „Für unsere Freunde“ waren weitere Stücke.

Einen „bunten Strauß schöner Melodien“ zum 50. Jubiläum versprach der Vorsitzende des Musikvereins Gorxheimertal, Markus Böhm, den Gastgebern. Unter der Interims-Leitung von Alexander Kropp entführten die Musiker unter anderem mit „Azzurro“ und „Sarà perché ti amo“ nach Italien, ging es nach den Westen mit den Pet Shop Boys („Go West“) oder nach Osten, nach „Moskau“, einem Stück von Ralph Siegel. Aber auch zünftige Weisen kamen mit „Aus Böhmen kommt die Musik“ und „Auf der Vogelwiese“ zu ihrem Recht.

Die Siedelsbrunner Jagdhornbläser unter der Leitung von Armin Schmitt sorgten mit ihren etwas aus dem Rahmen fallenden Instrumenten für eine schöne Abwechslung. „Hundefanfare“, „Alpenjägermarsch“ oder der „Jäger aus Kurpfalz“ lauteten die Titel der neun Musikanten. Den Abschluss bildete der Musikverein „Weihklinger Buben“. Mit Klaus Weihrauch wird dieser von einem guten Bekannten dirigiert, denn er leitet auch die Feuerwehrkapelle Wald-Michelbach.

Viel Traditionelles, Märsche und Polkas, bot das Ensemble aus Ober-Mumbach. Ob der „Böhmische Traum“, „Dem Land Tirol die Treue“ oder ein Oberkreiner-Stück: Das Publikum ging kräftig mit und tanzte zum Schluss sogar teilweise auf den Tischen. Wie sowieso den Tag über eine Bombenstimmung herrschte. So viele wie zwischendurch nach Hause gingen, kamen auch wieder nach und füllten die Sitzbänke. Emig beobachtete einige Maiwanderer, die sich trotz des Regen mit dem Bollerwagen von Aschbach aus auf den Weg gemacht hatten und kräftig mitfeierten.

Die drei Jubiläums-Veranstaltungen waren laut dem Vorsitzenden „eine runde Sache“. Mit dem Ablauf und dem Jubiläum in Gänze „sind wir hoch zufrieden“, sagte er. Alle drei Termine wurden, obwohl mit einem sehr unterschiedlichen Charakter, von den Besuchern sehr gut angenommen. Das alles wäre nicht möglich gewesen ohne den Einsatz vieler helfender Hände. Natürlich vorrangig aus den Vereinsreihen. „Alle Vereinsaktiven waren eingebunden“, lobte Emig. Dazu gab es die große Unterstützung der befreundeten Kapellen, die ihren Auftritt nach Anfrage umgehend zusagten.

Viel Resonanz gab es Emig zufolge auch bei der Sponsorensuche durch regionale Firmen. Das bedeute eine schöne Wertschätzung der eigenen Arbeit, meinte er. Wie auch die Tätigkeit der langjährigen Aktiven durch die Verleihung von Landesehrenbriefen beim Festkommers gewürdigt worden sei. Und nicht zuletzt stellte Emig die Schirmherrschaft von Bürgermeister Joachim Kunkel fürs Jubiläum heraus.

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