Begeisterung über das abwechslungsreiche Programm: Kocherbacher Trachtenkapelle hatte sich zum „Überwälder Musikantentreffen“ Gast-Ensembles eingeladen

Am schönsten ist es doch, sein Jubiläum zu feiern und andere dazu ein Ständchen spielen zu lassen. Nachdem die Kocherbacher Trachtenkapelle vor drei Wochen selbst beim Festkommers zu ihrem 50-jährigen Bestehen in Erscheinung trat und ihr großes musikalisches Können unter Beweis stellte, hatte sie sich zum „Überwälder Musikantentreffen“ fünf Gast-Ensembles eingeladen. Die unterhielten die Besucher in der voll besetzten Peter-Heckmann-Halle bis in den späten Abend trefflich.

Blasmusik Unter-Schönmattenwag, Big Band des Überwald-Gymnasiums, Feuerwehrkapelle Wald-Michelbach, Katholische Kirchenmusik Ober-Abtsteinach und Akkordeonclub Ober-Mumbach traten nacheinander auf und präsentierten ihre sehr abwechslungsreichen Programme. Krönender Abschluss war das gemeinsame Musizieren aller Kapellen. Der „Böhmische Traum“ und „Dem Land Tirol die Treue“, von 100 Musikern dargeboten, war das unangefochtene Highlight, bei dem der ganze Saal aufstand und mitklatschte.

Trachtenkapellen-Vorsitzender Toni Emig freute sich in seiner Begrüßung über die große Resonanz auf die Einladung sowohl von den Gästen aus auch von den Kapellen her. „Der Abend ist zu unserer vollsten Zufriedenheit verlaufen“, sagte er nach dem Abschluss. „Die Stimmung war durchweg gut.“ Auf viel Begeisterung sei gestoßen, dass die verschiedenen Ensembles eine bunte Bandbreite von Märschen und Polkas über Big-Band- bis hin zu Pop-Stücken boten.

Normalerweise auf der Bühne, waren dieses Mal die Mitglieder der Trachtenkapelle im Saal im Einsatz. In zwei Schichten stemmte man den Betrieb am Abend, der – auch wenn die Musik gegen 23.15 Uhr aufhörte – bis weit nach Mitternacht dauerte. Bei den sämtlichen Vorbereitungen, Essensausgabe, Getränken und schließlich Abbau am Tag drauf war der komplette Verein mit seinen 25 Aktiven gefordert.

Auch wenn zehn Musiker und der Dirigent fehlten, wie Vorsitzender Hans Vogel zu Beginn schmunzelte, sorgte die Blasmusik Unter-Schönmattenwag für einen mehr als klangvollen Auftakt. Einen Bassisten könne man ebenfalls noch gebrauchen, rief Vogel in den vollen Saal und versprach lachend Freigetränke auf der Bühne. „Wir gratulieren“, das unvergessene „Musik ist Trumpf“, Abbas „Dancing Queen“, aber auch „Ich war noch niemals in New York“ oder die viel beklatschte „Weiße Flotte“ bildeten einen mit zahlreichem Beifall aufgenommenen Start in den Abend.

Seit zwei Jahren gibt es den Kontakt der Trachtenkapelle mit der Big Band des Überwald-Gymnasiums, als man gemeinsam das Konzert „Big Band and Friends“ durchführte, sagte der musikalische Leiter Sebastian Schertel. Es sei „eine große Ehre dabei sein zu dürfen“, meinte er. Die jungen Musiker holten sich mit ihrem abwechslungsreichen Repertoire Applaus ohne Ende ab, der bei den letzten beiden Stücken, „Rock around the clock“ und dem Thema aus der „Muppets Show“, fast schon frenetisch wurde. Aber auch Billy Joels „My Life“ oder „Over the rainbow“ kamen bestens an.

Für die Feuerwehrkapelle war es keine Frage, beim Musikantentreffen mitzuwirken. Denn die Verzahnung mit der Trachtenkapelle ist groß. Von den 30 FFW-Musikern sind einige in beiden Ensembles aktiv. Die Stücke waren eher klassisch auf Blasmusik ausgerichtet, so die Polka „Slavonicka“, der Marsch „Opening“ oder „Wir Musikanten“. Mit „Queenspark“ kam durch Jacob de Haan aber auch ein moderner Komponist zu seinem Recht.

Über einen 50. Geburtstag, bei dem der Akkordeon-Club Ober-Mumbach auftrat und bei dem auch einige aus Kocherbach mitfeierten, kam laut Emig der Kontakt zu diesem zustande. „Mal was anderes als typische Blasmusik“, so der Vorsitzende, und hatte Recht: Mit einem Repertoire aus allen Musiksparten begeisterten die Ober-Mumbacher. Ob es nun das Thema aus „Die Schöne und das Biest“ war, „One moment in time“ von Whitney Houston, das „Halleluja“ von Leonard Cohen oder ein Wolfgang-Petry-Medley: Auf dem Akkordeon lässt sich alles spielen.

Die meisten Musiker auf der Bühne stellte die KKM Ober-Abtsteinach. Unter der Leitung von Alexander Kropp war auch hier Vielfalt Trumpf. Das fetzige „Music“ von John Miles konkurrierte mit der Polka „Mein Heimatland“, dem „Kaiserschützenmarsch“ oder dem „Watermelon man“ von Herbie Hancock. Ein insgesamt so abwechslungsreicher Abend, dass laut Toni Emig durchaus der Wunsch einer Wiederholung in absehbarer Zeit geäußert wurde.

Wie schon beim Festkommers durfte Trachtenkapellen-Vorsitzender Toni Emig viele Ehrengäste begrüßen. Der amtierende Landrat Christian Engelhardt war mit der Ersten Kreisbeigeordneten Diana Stolz anwesend, außerdem sein Vorgänger Matthias Wilkes. Zu dem hat die Trachtenkapelle schon seit knapp zehn Jahren, seit dem 40. Jubiläum, einen losen Kontakt und er kommt immer gerne in den Überwald. Neben dem scheidenden Bürgermeister Joachim Kunkel war auch sein Nachfolger Dr. Sascha Weber mit Frau Kathrin Gast.

Der aus Kocherbach stammende Weber sagte in seinem ersten Grußwort als (noch designierter) Bürgermeister, dass er beim 25. Jubiläum der Trachtenkapelle 1992 selbst als Musiker dabei war. Er lobte das soziale und kulturelle Leben in der Gemeinde mit ihren mehr als 100 Vereinen. Eine große Rolle spiele dabei das ehrenamtliche Engagement. Die Trachtenkapelle habe in Kindheit und Jugend das Leben in Kocherbach geprägt, so Weber. Er lobte das Engagement des Vereins in der musikalischen Ausbildung der Jugend seit seiner Gründung. Der junge Vorstand bemühe sich nach Kräften um die nächste Musikergeneration, sagte er.

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