Fehlende Integrationskurse sind ein großes Thema: Wald-Michelbacher Begegnungscafé stieß auf viel Interesse bei den Einheimischen

Viele neue Gesichter gab es dieses Mal beim Begegnungscafé. Ausnahmsweise aber nicht von Flüchtlingen, sondern von Einheimischen, die im evangelischen Gemeindehaus vorbeischauten. Dorthin war das Treffen kurzfristig verlegt worden, nachdem sich die Witterung von ihrer ungemütlichen Seite gezeigt hatte. Denn eigentlich wollte man im Frühjahr wieder ins Einhaus umziehen. Mit Begleitung auf der Gitarre durch Melanie Mang wurde im großen Chor gesungen und getanzt.

Die Flüchtlinge, die bei den vergangenen Begegnungscafés noch das Gros der Teilnehmer gestellt hatten, machten sich beim April-Treffen ein wenig rar. Das hatte laut Jutta Monnheimer, die mit Gertrud Lammer federführend die Treffen organisiert, damit zu tun, dass es derzeit viel Fluktuation gibt. „Einige Familien, die bisher regelmäßig kamen, sind aus Wald-Michelbach weggezogen“, meinte sie. Beim nächsten Mal, am 20. Mai, findet der Treff auf jeden Fall wieder im Einhaus statt, kündigte sie an.

Nach wie vor sind die Deutsch- und Integrationskurse ein großes Thema. Allerdings eher der Mangel daran. Laut Lammer bleiben dabei „die Frauen oft auf der Strecke“, weil es keine Kurse mit Kinderbetreuung gibt. Mal außen vor gelassen, dass sowieso zu wenig Integrationskurse in den ländlichen Regionen angeboten werden. Auch gebe es zu wenige Betreuungsplätze für Kinder ab zwei Jahren in den örtlichen Kindergärten. „Wenn dann jemand von den Eheleuten zu einem Kurs geht, ist es der Mann“, so Lammer. Die Familien versuchten sich zwar untereinander zu helfen, aber das sei nicht ausreichend.

Bei den afghanischen Flüchtlingen besteht ihren Worten zufolge weiterhin eine große Unsicherheit über deren Status. „Es gibt welche, die bereits eine Ablehnung bekommen haben“, weiß sie. Dagegen wurde jeweils aber mit Hilfe der Paten oder anderer Helfer Widerspruch eingelegt. Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Iran und Irak bilden die Mehrheit derjenigen, die immer zum Begegnungscafé kommen.

Wie Monnheimer beobachtete, läuft der Austausch auf Deutsch inzwischen sehr gut. Neu hinzugekommene Einheimische konnten sich mit den Flüchtlingen unterhalten, sagte sie. „Es kam ein schöner Dialog zustande.“ Allerdings machte sie ganz große Unterschiede je nach Herkunft und Vorbildung aus. Aus den Gesprächen hörte sie auch Interesse heraus, wie die Integration der Kinder in die deutschen Schulklassen geschieht.

Anerkannte Flüchtlinge haben derzeit mit ganz profanen Alltagsdingen zu tun: Sie finden keine Wohnung abseits der zuerst bezogenen Unterkünfte, für die der Kreis aufkommt. Das hat Monnheimer zufolge damit zu tun, dass der Wohnungsmarkt auch im Überwald nicht so reichlich bestückt ist, aber ebenso, dass etliche Objekte nicht vermietet werden, obwohl sie leer stehen. Daneben beschäftigen Themen wie die Umschreibung des heimischen Führerscheins die Menschen.

Neben dem Begegnungscafé gibt es als weiteres Standbein der lokalen, ehrenamtlichen Unterstützung für die aus ihren Heimatländern geflohenen den Spiel- und Basteltreff. Der findet aktuell jeden ersten Freitag im Montag im katholischen Gemeindehaus statt. Der 5. Mai bildet da eine Ausnahme. Dann geht es mit Treffpunkt Pfarrheim um 15 Uhr per Pedes zur Sommerrodelbahn, die verbilligte Karten für die Kinder und Jugendlichen zur Verfügung stellte.

Info: Das Begegnungscafé findet über den Sommer wieder im Einhaus statt, das nächste Mail am 20. Mai. Helfer dabei sind gerne gesehen. Diese können sich bei Gertrud Lammer unter Telefon 06207/923515 melden. Wer gerne eine Patenschaft für eine Flüchtlingsfamilie übernehmen möchte, kann sich unter Telefon 06207/9499220 oder E-Mail Waldmichelbachhilft@web.de bei Gabi Michel-Mieslinger melden.

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