Eltern schauen ihren Kindern beim Tag der offenen Tür in der Drachenschule Odenwald über die Schulter

Schon beim Eintreten riecht es im Gang nach frisch gebackenen Waffeln. Die kommen dann einen Stock höher gleich zu Gesicht. Zusammen mit dem bunten Treiben, das an diesem Tag in der Drachenschule Odenwald herrscht. In jedem Raum ist Leben, zeigen die Kinder ihren Eltern, wie sie ihre Schultage verbringen, schauen die Erwachsenen dem munteren Treiben zu. Beim „Tag der offenen Tür“ durften aber auch Interessierte vorbeischauen, die sich mit dem Gedanken tragen, ihre Kinder auf Schule in freier Trägerschaft zu schicken.

„Wir haben eine lange Warteliste“, freute sich Eva Hüller vom Vorstand des Trägervereins über den bisherigen Erfolg in den zehn Jahren des Bestehens. Derzeit besuchen 53 Kinder von sechs bis 17 Jahren die Grund- und integrierte Gesamtschule in der ersten bis zehnten Klasse. Platz wäre für maximal 58. Somit „sind wir sehr gut ausgelastet“. Die Schüler werden von neun Lernbegleitern betreut.

Um in die Drachenschule aufgenommen zu werden, durchlaufen Eltern und Kinder einen dreistufigen Prozess. Nach dem Elterngespräch hospitieren diese ein bis zwei Tage an der Schule, verdeutlichte Hüller. Dann folgen die Kinder für eine ganze Woche. Der Einzugsbereich der Drachenschule reicht von Darmstadt im Norden bis in den Süden nach Neckarsteinach, im Westen bis nach Mannheim oder Ludwigshafen.

„Manche Eltern wollen keine Regelschule“, nannte Hüller als Grund für den Besuch. Bei anderen gab der Wechsel der Kinder in die dritte Klasse den Ausschlag, wenn der Lerndruck in der normalen Schule zu groß werde. „Bei uns können die Schüler entspannter lernen“, meinte sie. Zwar orientiere man sich am Lehrplan, „aber wir haben auch unseren eigenen“.

Während die Jüngeren unten lernen, haben die Älteren das obere Stockwerk für sich. „Es gibt einzeln eingerichtete Themenbereich für Mathe, Physik und Deutsch“, so Hüller. Im Grundschulbereich steht ein Kosmi-Bereich zur Verfügung mit Montessori-Materialien zu Sachkunde, Deutsch und Mathe. Ihren Worten zufolge kommen die Schüler morgens zwischen 8.30 und 9 Uhr zum Frühstück.

Zu Beginn und zum Ende der Woche gibt es dann eine Schülerversammlung, in der zuerst die Themen besprochen werden, die die Kinder lernen wollen. Und zum Schluss dann eine Bilanz gezogen wird. Danach „wird zwei Stunden in der Leisezeit konzentriert gearbeitet“, erläutert Hüller das Konzept. Der „Tea-Time“ um 11 Uhr folgen die Unterrichtsangebote bis um 13 Uhr. Diese sind dann eher auf Sport und Bewegung ausgerichtet, um das vorherige Sitzen zu kompensieren.

Während das anschließende Mittagessen (Hüller: „Es wird alles frisch zubereitet“) für die Jüngeren das Schulende bedeutet, hält die Drachenschule für die Älteren weitere Angebote bereit. Die richten sich vor allem an diejenigen, die sich auf eine Prüfung vorbereiten möchten. Wobei es keinen Zwang gibt, eine solche abzulegen. Das geschieht alles auf freiwilliger Basis. Auch Eltern können Angebote machen, etwa ihre Berufe vorstellen.

Der Tag der offenen Tür wurde „wie ein normaler Schultag gestaltet“, erklärte Eva Hüller. Mittels Magneten an der zentralen Tafel ist ersichtlich, in welchen Raum sich die Kinder gerade befinden. Jeder Schüler hat einen betreuenden Lernbegleiter, zu dem es auch in festen Ansprechzeiten kommen kann. Für die Eltern war es interessant zu sehen, womit sich ihre Sprösslinge den ganzen Tag beschäftigen.

„Wir machen auch viele Exkursionen“, wies Hüller auf das breite Angebot hin. Ein aktuelles Thema, das auch die Jugendlichen beschäftigt, „wird zeitnah umgesetzt“, sagte sie. Das kann gesellschaftlicher, sozialer oder politischer Natur sein. Die Lernbegleiter stellen sich auf die Vorlieben und Interessen der Kinder ein. Das kann auch heißen, „dass Mathe ein paar Monate völlig außen vor bleibt“, schmunzelte die Vorstandsfrau. „Aber irgendwann macht es klick und die Kinder legen los“, setze man auf die eigene Erkenntnis.

Ihrer Erfahrung nach läuft es einfacher, „wenn kein Druck zu Prüfungen da ist“. Die Kinder gingen dann mit dem Lernen lockerer um, wenn sie es aus eigenem Willen tun. Auch wenn es am Anfang etwas holpern sollte, „kommt irgendwann der Umschwung“. Beste Beispiele sind Schüler, die nach und nach die diversen Schulabschlüsse auf anderen Lehranstalten ablegen – oder einer, der ohne Abschluss direkt eine Lehrstelle bekam.

„Wir legen großen Wert auf den sozialen Umgang“, betont Hüller darüber hinaus. „Alle sind auf Augenhöhe und per Du.“ Wenn es doch mal Streit unter den Schülern geben sollte, wurde eine Art „Schulgericht“ installiert. Unter der Moderation von älteren Jugendlichen machen die Schüler dann alles untereinander aus. Allein die Existenz „löst schon vieles von allein“, freute sich Hüller. (Foto: Schule)

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