Neue Koordinatorin des Hospizdiensts Odenwald wurde in Wald-Michelbach ins Amt eingeführt

Mit dem Abschiedswort Jesu aus dem Johannes-Evangelium führte Dekan Arno Kreh Felicia Schöner als neue Koordinatorin des Hospizdienstes Odenwald offiziell in ihr Amt ein. Das geschah im Rahmen des gestrigen Gottesdienstes in der evangelischen Kirche, den der Chor unter der Leitung von Benjamin Fritz musikalisch umrahmte. Für die Liturgie war Pfarrerin Martina Beyer zuständig, die Predigt hielt der Dekan. Seitens des Kirchenvorstands begrüßte Vorsitzende Ute Gölz.

Der Hospizdienst mit Sitz in Wald-Michelbach ist in den Überwald-Gemeinden, im Weschnitztal und in Lindenfels aktiv. Die Einrichtung befindet sich in Trägerschaft des evangelischen Dekanats Bergstraße. Kreh würdigte die neue Leiterin als jemanden, „der umfassend ausgebildet ist“. Aus Hamburg stammend und in Eberbach wohnhaft, habe die 52-Jährige unter anderem eine Ausbildung als Sonderpädagogin und systemische Beraterin absolviert.

Schöner hatte bereits als Therapieleiterin im Pflegeteam Odenwald eng mit ihrer Vorgängerin Anneliese Pappe-Fischer zusammengearbeitet, die im vergangenen Jahr in den Ruhestand ging. Die neue Leiterin ist neben der Koordination für die Arbeit der etwa 25 Ehrenamtlichen zuständig. Diese werden für die Sterbebegleitung intensiv geschult. Allerdings, so der Dekan, gehe es auch immer darum, neue Interessierte für diese verantwortungsvolle Aufgabe zu gewinnen.

„In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“: Dieses Abschiedswort Jesu passe auch zur Hospizarbeit, so Kreh. Der Umgang mit dem Lebensende stelle für die Menschen eine ganz besondere Herausforderung dar, sagte er. Es sei wichtig, „dass es jemanden gibt, der zuhören kann, ein offenes Ohr hat“.

Die befriedigende Arbeit „wird Ihnen sicherlich viel Freude machen“, meinte er an Schöner gewandt. Denn, so der Dekan, „jede einzelne Mensch ist kostbar“. Er wünschte viele gute Begegnungen und Erfahrungen sowie dass mit dem Engagement auch Neues wachsen könne. Die Segnung der neuen Leiterin beschloss die Einführung.

Laut Schöner ist es oft hilfreich, wenn in eine Familie jemand von außen komme und es die Möglichkeit gebe, die Dinge anzusprechen, die den Betroffenen auf dem Herzen liegen. Das tue Sterbenden erkennbar gut, so die 52-Jährige. Diese Hinwendung gelte auch Menschen in der letzten Lebensphase, die sich verbal nicht mehr artikulieren könnten. Sterbebegleitung könne auch für die Begleiter mitunter belastend sein. Für Felicia Schöner bieten Wandern, Lesen und das Gespräch mit der Familie und Freunden einen Ausgleich.

Der Hospizdienst Odenwald ist ein ambulanter Dienst. Etwa die Hälfte der Sterbebegleitungen erfolgt in 14 Seniorenheimen und jeweils zwei Heimen für psychisch Erkrankte sowie Schädel-Hirn-Traumatisierte. Bei der anderen Hälfte begleitet der Hospizdienst Sterbende zu Hause. Er wird aktiv, wenn er gerufen und um Sterbebegleitung gebeten wird. Religion, Konfession, Herkunft oder Hautfarbe spielen dabei keine Rolle.

Die Geschichte vom ungläubigen Thomas aus dem 20. Kapitel des Johannes-Evangeliums zog sich wie ein roter Faden durch den Gottesdienst, zu dem Ute Gölz begrüßt hatte. Pfarrerin Beyer sprach zusammen mit der Gemeinde den Psalm 116, „Der Herr tut dir Gutes“, im Wechsel. Gölz‘ Hinleitung griff der Dekan auf, indem er den Jünger Jesu als „klasse Typen“ bezeichnete, den er ein wenig anders vorstellen wolle.

Denn dessen Haltung könne dazu führen, „dass aus dem Glauben ein erwachsener Glauben wird“, meinte er. In der Kindheit waren Eltern und Gott nah beieinander, so der Geistliche. „Da gab es keinen Zweifel.“ Doch bei den Herausforderungen, die einem im späteren Leben gestellt werden, „kann der Kinderglauben nicht stehen bleiben“. Dazu gehörten dann Nachfragen, Zweifel, Nachbohren. Ein einfaches Nachsprechen „ist zu wenig“, meinte Kreh.

Wichtig sei es, mehr als glatte Antworten zu geben und stattdessen über Aussagen des Glaubens ins Gespräch zu kommen. Deshalb bezeichnete der Dekan auch den Zweifel als den „kleinen Bruder des Glaubens“. Angesichts dessen, was heute alles auf der Welt passiere, sei es wichtig, „wie Thomas den Finger in die Wunde zu legen“, um selbst zu fühlen, was es mit den Dingen auf sich habe. Glaube brauche Gemeinschaft, betonte er. Jesus wolle ermutigen, den Blick auf den nächsten zu richten, sei er auch noch so weit entfernt. Er ermutigte die Christen in der Gemeinde zu handeln. „Wir sind immer wieder auf dem Weg und noch nicht am Ziel“, hob Kreh hervor.

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