Binseneier-Herstellung: Demonstration alten Brauchtums im Überwälder Heimatmuseum

Man braucht ein ruhiges Händchen, einen guten Blick und viel Sinn für Detailarbeit bei der Herstellung von Binseneiern. Das alte Brauchtum, früher nicht nur im Odenwald zu Hause, macht die ausgeblasenen Eier zu wahren Kunstwerken, die ohne Probleme mit den sonst zu Ostern erhältlichen, bemalten, konkurrieren können. Anneliese Daub vom Überwälder Heimat- und Museumsverein zeigte über die Feiertage, wie die Fertigung auf den Höfen und in den Häusern damals vor sich ging.

Es ist aber nicht die Herstellung an sich, die einiges an Fingerfertigkeit verlangt, erläuterte Daub den interessierten Besuchern. Denn im Vorfeld gilt es auch einiges zu erledigen. Die Hühnereier müssen sauber ausgeblasen werden, sagte sie. Wenn noch ein Stempel darauf sein sollte, müsse man den mit Essig oder Essigessenz abwischen. Kein Binsenei ohne das Mark der Binsen. Um diese zu finden, musste Anneliese Daub erst einmal auf die Suche gehen. Dabei kann auch mal etwas in die Binsen gehen.

Denn die Pflanze sollte eine gewisse Länge aufweisen, damit sie verwendbar ist. Normalerweise wird sie in Gras-Ellenbach fündig, aber da war dieses Mal nichts aufzutreiben. „Bei der Wegscheide habe ich dann noch welche gefunden“, sagte die zweite Vorsitzende. Allerdings etwas dünner und nicht so ausgereift, aber verwendbar. „Wenn das Wetter nicht so gut ist, kann die Binse auch braune Stellen haben“, meinte sie.

Dazu kommt ihrer Beobachtung nach, dass es bei kühlerer Witterung etwas länger dauert, bis das Pflanzenmark am Ei haften bleibt. Bei der Gestaltung sind der Fantasie laut Daub „keine Grenzen gesetzt“. Borte, Wolle, Streifen: Alles ist möglich. Nach der ersten Schicht Stoff kommt wieder Binsenmark drüber und dann wieder Wolle. Was noch frei bleibt, wird aufgefüllt. Damit alles gut haftet, vertraut Anneliese Daub nicht nur auf die Natur, sondern setzt auch Flüssigkleber ein.

Die Binseneier-Herstellung kennt sie schon seit frühester Kindheit – wenn auch nur vom Zuschauen. „Meine Mutter war bei den Landfrauen und hat das immer gemacht“, so Anneliese Daub. Vor zwei Jahren gab es dann einen Kurs der hessischen Vereinigung für Volks- und Trachtenpflege. Den besuchte sie und erlernte das alte Brauchtum. Wie übrigens auch in einem anderen Kurs das Korbflechten. Und da sie über die Osterfeiertage sowieso Museumsdienst hatte, verband sie das mit der Vorführung des Erlernten in Sachen Binseneier.

In gewissen Orten gab es die gleichen Motive, weiß Anneliese Daub aus der Lektüre des einschlägigen Buchs von Peter Sattler aus dem Jahr 1985. Zum Kleben wurde früher mangels Alternative Wasser und Milch genommen. Ansonsten geschah die Gestaltung „frei Schnauze“. Wozu auch die verschiedenen Binsenarten im Odenwald beitrugen. Die Gäste im Überwaldmuseum durften aber nicht nur zuschauen. „Ich habe viele Eier ausgeblasen“, schmunzelte Daub. Und leitete die Besucher an, doch selbst einmal ihr Glück zu versuchen.

Die Tradition der Binseneier-Herstellung ist vor allem aus dem benachbarten Odenwaldkreis, aus den verschiedenen Ortsteilen von Mossautal, überliefert. Aber auch in Aschbach gibt es Zeugnisse davon. Schon eine gewichtige Aufgabe für sich ist laut der Beschreibung in Sattlers Buch das Finden der geeigneten Binsenart. Denn die dicken Halme können porös sein oder holziges Mark haben, das bei Feuchtigkeit leicht bricht.

Es gibt die Möglichkeit, die Eier komplett mit dem Binsenmark zu umgeben, erläuterte Daub. Dadurch ergibt sich ein gerilltes Aussehen. Bei einer anderen Herstellungsform, die auch Peter Sattler beschreibt, werden die Binsenmarkfäden nur auf die jeweiligen Enden aufgebracht. Die Mitte bleibt frei und bietet dann durch den weißen Untergrund vielfältige Möglichkeiten der Verzierung. Entweder Spiralen, Andreas-Kreuze oder Ringe, so der Fachmann. Diese Kombination ist gerade für den Odenwald sehr typisch.

Ursprünglich sind daneben weiterhin Eier mit aufgeklebten ausgeschnittenen Stoffläppchen in Herz- oder Kreisform. Es finden sich auch solche in dachziegelartiger Form, die immer von Binsenmark umschlossen sind. Auch gibt es die Variante, nur kleine Stoffstückchen zu verwenden, um das Weiß der Eier zur Geltung zu bringen.

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