Beim TV Fürth gab’s „Immer wieder sonntags“ die volle Packung 70er Jahre

Tür auf und ab in die 70er Jahre: Der TV Fürth lud in seine Halle zur großen Zeitreise ein. Plateauschuhe, Haarbänder, Schlaghosen, überdimensionale Sonnenbrillen und kreischend bunte Hawaii-Hemden entführten in die Flower-Power-Zeit, als sich der Muff von 1000 Jahren zu heben begann, die Jugend gegen die spießige Elterngeneration aufmuckte. „Immer wieder sonntags“ hieß die Schlagerrevue, mit der der Turnverein am Samstagabend sein Publikum aufs Beste unterhielt.

Der Name ist dabei natürlich Programm: „Immer wieder sonntags“ traf sich damals die Familie zuhause vor dem Fernseher, als es nur drei Programme gab – und die auch nur in einer begrenzten Zeit – und man zwangsläufig zusammen die gleichen Sendungen schaute. Immer wieder sonntags lief auch die Hitparade mit den besten und größten Hits der damaligen Zeit, die alle noch irgendwie im Gedächtnis haften geblieben sind.

Der Wiedererkennungseffekt im Publikum ist hoch, wie sich an den begeisterten Reaktionen auf die einzelnen Songs feststellen lässt. Sie entführen die meisten zurück in ihre Jugendzeit, als es noch Kaubonbons gab, Brausestangen oder klebrige Gutsel, wie sie als Reminiszenz an vergangene Zeiten auf den Stehtischen drapiert worden waren. Neben den bunten Cocktails von der Bar.

Wenn dann noch fürs abendliche Outfit der hinterste Winkel des Kleider(gift)schranks geplündert wurde, wo die Jugendsünden eingelagert sind, von Fasching die blonde Afro-Perücke und die Lederhaarreifen Verwendung finden, ist die Illusion perfekt. Die Schauspieler auf der Bühne stehen diesen Kleidersünden in nichts nach – wobei sie solche Klamotten allerdings vor allem vom Hörensagen kennen dürften. Denn sie zählen eindeutig zu den Jüngsten im Saal.

Auf engsten Raum wird vorn groß gezaubert. Der Blick öffnet sich in ein kitschiges Wohnzimmer mit Fernsehecke und Esstisch. Das wird in rasendem Wechsel zur regennassen Straße, zur ersten Wohnung der Verliebten oder zum sündigen Schlafzimmer der Eltern. Natürlich immer passend untermalt mit den jeweiligen Songs aus den 70er Jahren.

Minikleid, Glitzerhemd, Alice Schwarzer, Ölkrise, autofreier Sonntag, Anti-Atom-Bewegung oder RAF: Die Musik von damals ist so leicht wie die Zeiten manchmal schwer. Heute noch bekannte Künstler verdienen sich ihre ersten Sporen und landen erste Hits. Die sechste Produktion von „Musical for events“ aus Heppenheim huldigte genau diesen.

Aber nicht nur die Musik führte zurück in scheinbar unbeschwerte Jahre. Die Dialoge bauen zum Großteil auf Werbesprüchen auf, die ebenfalls immer ein Running Gag sind. Und zeigen, wie geschickt indoktriniert die damaligen Fernsehzuschauer wurden, dass sie 40 Jahre danach die Slogans praktisch noch mitsprechen können. Daraus wird die komplette Geschichte gestrickt, in diese passen sich die Songs perfekt ein.

Tony Holiday, Udo Jürgens, Katja Ebstein, Michael Holm, Juliane Werding, Karel Gott und viele andere sind damals im Radio zu hören. Sportschau und ZDF-Hitparade sind das Pflichtprogramm. All das verpackt in gute Laune ohne Ende, Slapstick, Klamauk, Tanzeinlagen und logischerweise Schlager, Schlager, Schlager. Die fünf Darsteller begeisterten mit ihrer Spiellaune ihr Publikum von Anfang an. Großer Schlussapplaus und viele Zugaberufe inklusive.

Die Story ist so simpel wie der Text der meisten Songs. Als am autofreien Sonntag Anita Kaiser (Sabrina Stein) ihren 18. Geburtstag feiert, schneit plötzlich Nachhilfelehrer Rocky (Manuel Weinmann) rein. Es kommt, was kommen muss: Beide verlieben sich, ziehen zusammen, müssen aber erst noch zusammenfinden. Als nicht verheiratetes Paar ist zusammen wohnen nicht so einfach. Vater Theo (Thomas Koob) und Mutter Gerda (Eva Völl) machen währenddessen eine große Sause, Sohn Stefan (Maik Eckhardt) hängt irgendwo dazwischen.

Das Ganze wäre nichts ohne die passenden Stücke: „Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben“, meinen Anita und Rocky. Bevor sie aus dem „Ehrenwerten Haus“ ausziehen müssen, nach der Trennung feststellen, „Tränen lügen nicht“, aber auf eines vertrauen: „Wunder gibt es immer wieder“. Das alles zwischen Cordhose, Minirock, Kittelschorz, Strickjacke und Karohemd.

Wenn aus dem Off die Bonanza-Melodie ertönt, das Bett im Kornfeld steht oder an Oma Babicka gedacht wird, dann lebt die Szenerie. Die Liebenden stehen barfuß im Regen, erleben Kreuzberger Nächte mit Tritop, Verporten oder Asbach-Uralt und vertrauen darauf, dass Papa alles richten wird. Die erste Liebe des Sohns ist ein Brüller („Und es war Frau Sommer“), der nächtliche Samba-Tanz der Eltern nach dem Auszug der Tochter ruft ebenfalls Begeisterungsstürme hervor.

So schnell wie die Songs wechselt auch das Bühnenbild. Nicht nur im Aussehen, sondern auch in den Farben. Immer schön grell ist die Devise: Pink, Gelb und Orange dominieren. Ob solo, als Duett oder alle fünf Stimmen zusammen: Zusammen mit der Choreografie macht der Set einfach Laune. Die Kostümwechsel stellen die Schauspieler vor weitere Herausforderungen, die sie zur Freude der Besucher rasend schnell meistern. Der zweite Akt mit bekannten Gäste aus der Schlagerszene wird da zum großen Hallo.

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