Seit fünf Jahren hängt die Windleier am Hammelbacher Klangwanderweg

Für Uli Krell ist es noch, als wäre es gestern. Aber am 1. Mai hängt die Windleier, das erste Objekt auf dem von ihm konzipierten Klangwanderweg oberhalb von Hammelbach, bereits fünf Jahre. Das Edelstahl-Rohr mit 15 Zentimetern Durchmesser und einer Länge von 1,10 Metern hat Krell ganz allein gebaut. In ihm sind 18 Nylon-Fäden gespannt, die alle auf den gleichen Ton gestimmt sind. „Man hört nie den Grundton, sondern das, was der Wind daraus an Oberton-Schwingungen macht“, erläutert der 64-Jährige. „Je stärker der Wind, desto höher und verschiedener der Ton“, beschreibt er die Wirkungsweise.

Da dies eher „zarte Klänge“ sind, ist die Windleier auch an der letzten Station des Klangwanderwegs zu finden. Wenn man ihn so beschreitet, wie es seinem Initiator vorschwebt. Dann liegt das Instrument am Fußweg zwischen Hammelbach und Altlechtern in Höhe des Bildstocks. Und damit weit weg von der lauten Welt draußen, die mit den anderen Stationen im Vorfeld immer ruhiger wird, immer weiter entfernt ist. Nachdem die Windleier in der Vergangenheit immer wieder Ziel von Vandalen war, ist Krell zufolge seit vergangenem Spätsommer Ruhe eingekehrt, freut er sich.

Drei bis vier Mal im Jahr muss die Windleier nachgestimmt werden. Das erledigt Uli Krell wie auch bei den anderen Instrumenten selbst. Ob er musikalisch ist? Er lacht. „Darüber gehen die Meinungen auseinander.“ Als Schüler musste er wegen erwiesener Unmusikalität nicht am einschlägigen Unterricht teilnehmen. Heute singt er im Rimbacher Gospelchor, spielt verschiedene Saiteninstrumente und mischt als Lehrer des Überwald-Gymnasiums die diversen dortigen Konzerte ab. „Also war das wohl früher eine Fehldiagnose“, schmunzelt Krell.

Den Klangwanderweg hatte der 64-Jährige schon im Hinterkopf, als er an die Windleier ging. Erste konkrete Vorstellungen für die Realisierung gab es im Rahmen der Silek-Initiative 2011, bei der Ideen für die Fortentwicklung des Ortes gesucht wurden. Nebenan entstand daraus die Initiative „Wir sind Wahlen“. Allerdings bekam Uli Krell aus den Silek-Mitteln keine Förderung, konnte aber danach über die Jugendmusikschule als Schirmherr die Sparkassenstiftung für sein Projekt als Unterstützer begeistern.

An die 15 Stunden verbrachte er mit der Konstruktion der Windleier. Und war natürlich stolz wie Oskar, als sie fertig war. „Der Anfang ist immer die Hälfte des Ganzen“, beschreibt Uli Krell mit einem Spruch seines früheren Lateinlehrers das Besondere an der Fertigstellung. Das Vorbild hängt in Wiesbaden in Schloss Freudenberg, auch wenn es dort Windharfe heißt. Weitere Objekte folgten, bei denen handwerklich Günther Mücke aushalf, aber auch Mitglieder des Kulturbüros mitwirkten.

Dass sich der 64-Jährige so intensiv mit Klängen und dazugehörigen Instrumenten auseinandersetzt, hat er indirekt seiner Frau Bettina zu verdanken. Denn die schenkte ihm 2009 ein Wochenende in Luxemburg. In Hoscheid gibt es einen Klangwanderweg, von dem Krell „hin und weg“ war. Denn „ich wandere gerne und beschäftige mich gerne mit Klängen“ – somit war diese Strecke die bestmögliche Kombination. „Da wurde die Idee geboren, so etwas auch daheim realisieren zu wollen.“

„Nach und nach, je nach meiner Freizeit und Fertigstellung, kamen die anderen Instrumente dazu“, erzählt Uli Krell. Die Ideen „importierte“ er entweder aus Luxemburg oder machte sich selbst Gedanken. Dabei spielte auch sein Beruf als Mathe- und Physiklehrer am Überwald-Gymnasium eine Rolle. Etwa beim Holzartenxylophon: Die Abmessungen sind konstant, aber die verschiedenen Holzarten klingen alle unterschiedlich.

Oder beim Achtklang: „Da waren viele Forschungsarbeiten nötig, bis klar war, wie lange die Rohre sein müssen, dass die Töne stimmen“, steckt laut dem 64-Jährigen viel Freizeit in dem Projekt. „Ganz in meinem Kopf entstanden“ ist Krell zufolge die Lion-Windharfe. „Die habe ich genau an dem Tag montiert, als mein erster Enkel auf die Welt kam.“ Weshalb sie auch dessen Namen erhielt.

„Den Balkon habe ich zu meiner Werkstatt umfunktioniert“, erzählt er. „Meine Frau musste schon einiges mitmachen“ – allerdings kam die Idee zum Ausflug nach Luxemburg ja auch von ihr, lächelt Krell. „Zum Glück wohne ich nah am Wald“, macht er deutlich, dass die vielen Klänge rund ums Haus in der Nachbarschaft nicht ankamen.

Info: Ausgangspunkt des acht Kilometer langen Klangwanderwegs ist der Dorfplatz. Er hat eine eigene Markierung, das „blaue Ohr“. Man kann aber auch an der Weschnitzquelle einsteigen und dann der Markierung für den Qualitätsrundwanderweg H10 auf ihrem nördlichen Teil oder dem „blauen Ohr“ folgen. Über Eselstein, Altlechtern und Schanze führt die Strecke wieder in einem Bogen zurück nach Hammelbach.

 

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