Buntes Frühlingserwachen in Wort und Schrift im Hammelbacher Pfarrhaus

Das „Frühlingserwachen“ im Hammelbacher Pfarrheim war exakt terminiert: Am Samstagnachmittag lachte die Sonne vom Himmel, dass es eine wahre Pracht war. Aber schon wieder so heftig, dass es einige wohl eher nach draußen zog. Martine Rüdinger, die zusammen mit Annette Bach, Renate Dahlke und Sara Röth die Veranstaltung für die katholische öffentliche Bücherei und das Kulturbüro organisiert hatte, zeigte sich aber trotzdem zufrieden mit dem Besuch. Viele Kinder kamen mit Eltern und Großeltern vorbei, um einen unterhaltsamen Nachmittag zu verleben.

Die achtjährige Karla und die zehnjährige Emma, Enkelinnen von Gisela und Aloys Dörr, waren ganz vertieft ins Urkundenschreiben. Das ließ sich unter der Leitung von Patricia Scheuermann vom Museumszentrum Lorsch mit Gänsefeder und Tintenfass üben. „Die beiden lesen und malen stundenlang“, lachte Aloys Dörr. Übers Wochenende waren sie zu Besuch bei den Großeltern, da die Tochter mit ihrem Chor in Valencia weilte. Und natürlich mit ihren Vorlieben beim Workshop „O wie schwer ist das Schreiben“ genau richtig.

Denn es galt, in eine Urkunde des Klosters Lorsch seinen eigenen Namen einzutragen, nachdem er vorher in alter Schrift kräftig geübt worden war. Das Datum musste zusätzlich in römischen Ziffern geschrieben werden. Verschiedene Farben standen nebendran in Muscheln bereit, um so der Urkunde einen persönlichen Touch zu verleihen. Für erfahrenere Schreiber dienten unter anderem die oft recht lustigen oder skurrilen Rezepte aus dem Lorscher Arzneibuch als Vorlage zum Abschreiben. Der eigenen Fantasie waren natürlich auch keine Grenzen gesetzt.

Kalligraph Lothar Wittwer aus Heppenheim hatte für die fünfköpfige Familie von Mohamed Abitar einiges in mittelalterlicher Handschrift anzufertigen. Der syrische Flüchtling wohnt schräg gegenüber des Pfarrhauses und ist bei den örtlichen Veranstaltungen immer anzutreffen. „Ein tolles Beispiel für gelebte Integration“, sagte Martine Rüdinger. Naya, Nerana und Heba heißen die drei Mädchen, deren Namen Wittwer in geschwungenen Buchstaben zu Papier brachte, Jumana ist der Name von Mohameds Frau. Die revanchierte sich, in dem sie Verschiedenes in arabischer Schrift zu Papier brachte.

Seit mehr als 30 Jahren begleitet Wittwer das Interesse an der „schönen Schrift“. Er fand als Mitglied in der Schreibwerkstatt Klingspor in Offenbach international bekannte Kalligraphen als Lehrmeister für seine Ausbildung. Ein entscheidender Schritt zur „historischen Kalligraphie und mittelalterlichen Buchkunst“ war die Mitgliedschaft in der Internationalen Kalligraphie-Gilde Südwest unter der Leitung von Helmut Hirmer.

Vieles drehte sich an diesem Nachmittag auch um Bücher. Anja Hahn las den Kindern aus spannenden Abenteuern und Geschichten vor, sodass die Kleinen ihr wie gebannt an den Lippen hingen. Die katholische öffentliche Bücherei hat darüber hinaus wieder zahlreiche Neuanschaffungen für Klein und Groß getätigt, erläuterte Rüdinger. „Armstrong – die Geschichte einer kleinen Maus, die eine Rakete bauen will“, ist etwa eines davon. Oder „Ein Teich voll mit Tinte“. Für die Erwachsenen steht leichte Sommerliteratur zur Verfügung. Rüdinger nannte hier als Beispiel „Die Glücksliste“ von Eva Woods.

Bonita Piccardo-Selg am Akkordeon sorgte für die angenehmen Hintergrund-Klänge beim Pfarrfest. Martina Oberle vom Blumenkeller hatte die passenden Gestecke für den Palmsonntag und Ostern mit im Gepäck. Viele Kuchenspenden aus der Bevölkerung sorgten zusammen mit der bekannten Minestrone von Marcello Cappello für eine reich gedeckte Tafel. Gerade zu Beginn kamen viele Besucher vorbei, darunter auch wieder einige syrische Flüchtlinge. Bürgermeister Markus Röth schaute mit seiner Familie ebenfalls am Nachmittag vorbei. Schnell waren die beiden Kinder bei der Vorleserin verschwunden und lauschten den Geschichten.

Info: Die nächste Veranstaltung von KÖB und Kulturbüro findet am Freitag, 21. April, im „Ochsen“ statt. Hans-Joachim Gelberg liest heitere und ernste Geschichten aus seinen Anthologien. Jutta Gühler spielte Stücke von Bach, Koechlin, Medek und Kuhlau auf der Querflöte. Einlass ist ab 19 Uhr mit Bewirtung, los geht es um 20 Uhr.

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