Windkraftgegner wollen weitere Anlagen bei Flockenbusch und bei Brombach verhindern

Jetzt nicht nachlassen. Auch wenn am „Stillfüssel“ schon die Bagger rollen und die Vorbereitungen für die Windpark-Errichtung auf vollen Touren laufen, bleibt die Bürgerinitiative (BI) Gegenwind Ulfenbachtal unentwegt am Ball. Denn Wald-Michelbach droht nach wie vor von Windrädern umzingelt zu werden, die auf den Hügeln rundherum entstehen könnten. Diesen Ansätzen will sich die BI mit aller Macht entgegenstellen, wurde jetzt auf der Info-Veranstaltung im Sängerheim deutlich.

Um die 100 Interessierten quetschten sich in den Saal, um den Ausführungen von Herbert Martin und seinem Bruder, Ortsvorsteher Hans-Dieter Martin, zu lauschen. Im Anschluss gab es eine rege Diskussion. Die Gefahr lauert im Süden, machten beide deutlich. Denn oberhalb von Flockenbusch könnten drei, anschließend auf badischer Seite bei Brombach weitere sieben Windräder entstehen, sagte Herbert Martin. „Das darf uns auf dem Flockenbusch nicht passieren“, meinte er mit Blick auf Bilder von der Rodung auf dem „Stillfüssel“.

Der neue südhessische Regionalplan, der demnächst in die Offenlage geht, sehe im südlichen Kreis Bergstraße und angrenzenden Odenwaldkreis weitere Vorrangflächen für Windkraft vor, sagte er. So etwa den Bereich Ober-Schönmattenwag Richtung Aschbach. Martin kam bei seiner Zählung auf 38 mögliche Windenergieanlagen (WEA), aus der Runde wurden 400 im ganzen Odenwald genannt. Der zu Beginn anwesende designierte Bürgermeister Sascha Weber sagte seine Unterstützung beim Einsatz gegen weitere Windräder auf Wald-Michelbacher Gemarkung zu.

Anfang 2016 wurde Martins Worten zufolge von einem Betreiberkonsortium der Antrag für die Errichtung von drei WEA bei Flockenbusch auf hessischer Seite gestellt. Die Gemeinde habe den Antrag beim Regierungspräsidium gestellt, eine Entscheidung darüber ein Jahr aufzuschieben. Das RP sei diesem gefolgt, aber die Betreiber hätten dagegen Klage eingereicht, über die noch nicht entschieden sei. Er wies darauf hin, dass es sich beim Flockenbusch-Gelände um Privatbesitz des in Neckarsteinach wohnhaften Freiherrn von Warsberg handle.

Seit 2012 engagiere sich die BI vor Ort gegen die Windkraft, erläuterte er. Man habe Windmessungen durchgeführt und Gutachten in Auftrag gegeben. Wer die Aktiven unterstützen wolle, habe dazu mehrere Möglichkeiten. Zum einen etwa die grünen Anti-Windenergie-Banner aufhängen. Dann bei Demos oder Sternwanderungen mitmachen. Zum anderen Vogelbeobachtungen dokumentieren. Und außerdem sich weiter informieren und Ideen einbringen.

Herbert Martin nannte als wichtigen Termin die Offenlage des „Teilplans Erneuerbare Energien des Regionalplans Südhessen“. Diese erfolgt vom 3. April bis 19. Mai. Die Pläne müssten im Internet zu finden und auf der Gemeinde einzusehen sein. Daneben soll auch der Eberbacher Flächennutzungsplan, in dem das Brombacher Gebiet enthalten ist, im April/Mai offengelegt werden. „Wir müssen dann Einsprüche nach Darmstadt und Eberbach schicken“, forderte er auf. Am 7. Mai soll es eine Sternwanderung nach Brombach geben.

Für die Einwendungen wird es eine Vorlage geben, die Rechtsanwalt Stefan Glatzl erstellt, sagte Edith Egner. Die könne man dann unterschreiben, andererseits sei es aber wichtig, dass jeder auch seine eigene Einwendung abgebe. Denn das RP müsse jede einzelne prüfen. Je mehr, desto besser. Infos soll es sowohl über einen E-Mail-Verteiler als auch durch die Auslage an zentralen Stellen im Ort geben.

Hans-Dieter Martin machte auf den Konflikt zwischen den Regionalplan und der Vorgabe der hessischen Landesregierung aufmerksam, nach der zwei Prozent der Fläche für Windenergie vorzuhalten sei. Denn diese Marge sei eigentlich mit „Stillfüssel“ erreicht. Doch wenn private Eigentümer Flächen auswiesen, werde es schwierig. Die konzertierte Aktion der gesamten Gemeinde, wie sie der scheidende Bürgermeister Joachim Kunkel vorgeschlagen habe, sah er als unterstützenswert an. Allerdings müsse die BI trotzdem auch selbst am Ball bleiben, forderte er.

„Wir dürfen jetzt nicht nachlassen, sondern müssen weitermachen“, sagte er. Auf die Gemeindevertreter sei dahingehend einzuwirken, so der Ortsvorsteher, dass diese sich mit allen Kräften gegen einen weiteren Ausbau der Windenergie einsetzten „und notfalls auch den Klageweg beschreiten“. Er rief dazu auf, auch die Landtagsabgeordneten zu diesem Thema anzuschreiben.

Für die Klatsche, die der von der CDU unterstützte Kandidat bei der Bürgermeisterwahl in den beiden Schönmattenwags einfuhr, hatte Martin eine Erklärung: „Wir fühlen uns seit 2012 verschaukelt“, meinte er. Denn in Wald-Michelbach sei die Planung der Windkraftanlagen, die weiter südlich niemand haben wollte, vorangetrieben worden.

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