Die „Irish Voices“ entführten mit ihren fetzigen Folk-Songs auf dem grünen Hügel Abtsteinach auf die Grüne Insel Irland

Der Ort war eigentlich mehr als passend. Irland ist die Insel der vielen grünen Hügel, und auf einem ebensolchen, allerdings im Odenwald, bestritten die „Irish Voices“ ihr erstes Konzert in diesem Jahr. Dazu hatten sich die Bandmitglieder über das Winterhalbjahr 18 neue Songs draufgeschafft, die sie nun zusammen mit alten Klassikern und wieder mit ins Repertoire Stücken im Nebenraum des „Goldenen Bocks“ zum Besten gaben.

Vor dem geistigen Auge der Zuschauer entstand ein Bild der Insel mit ihren weiten, sattgrünen, manchmal auch kargen Landschaften, am Himmel entlang treibenden Wolkenfetzen, den vier Jahreszeiten an einem Tag, immerwährendem Regen, der sich nur in der Temperatur unterscheidet und so von Sommer oder Winter kündet. In diese Eindrücke mischte sich langsam die Musik, die fordernde Tin Whistle, die melodische Geige, die akustische Gitarre oder die Bodhran, die Rahmentrommel.

Johanna Boch, Simone Köhler, Siggi Winkler und Friederike Hornauer nahmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit und die irische sowie schottische Geschichte. Mal melancholisch und tieftraurig, mal lebenslustig, vor Freude sprühend, waren die vielen Songs. Sie verdeutlichten damit auch die Kunst der Iren, jeder Katastrophe musikalisch noch etwas abzugewinnen, sie auf diese Weise zu verarbeiten, wie Siggi Winkler erläuterte.

Melancholische Balladen, fast schon a-cappella vorgetragen, mischten sich mit fetzigen Hornpipe-Songs aus den Pubs, bei denen die Zuhörer auch ohne Aufforderung anfingen zu klatschen. Aktuelle Pop-Songs gab es genauso zu hören wie alte, traditionelle Lieder, die mehrere Jahrhunderte auf dem Buckel haben. Und natürlich durften auch ein paar selbstgetextete Odenwald-Lieder wie die „Ourewold-Filzlaus“ oder der „Ourewäller ausm Ourewold“ im Set nicht fehlen.

Pub und Kirche prägten die irische Geschichte, viele der Auseinandersetzungen in der Vergangenheit hatten kirchliche, religiöse Hintergründe. Die Iren suchten einen Ausgleich für ihr hartes Leben, für ihre zahlreichen Konflikte, für die bittere Not nach Missernten, Kartoffelfäule, Pest, Not oder Auswanderung als letztes Mittel um zu überleben. Die tragischsten Balladen wurden dabei so rübergebracht, „dass es einem eiskalt über den Rücken läuft“. Ein Beispiel: der Song „Old triangle“.

Wer die „Irish Voices“ kennt, weiß, dass sie auch immer bekannte Songs auf ihre Weise im Gepäck haben. Vergangenes Jahr war das der Titanic-Titelsongs von Céline Dion, dieses Mal der „Country Boy“ von John Denver. „Morning of my life“ von Barry Gibb ist ein anderes Beispiel dafür. Die Füße der Gäste wippten bei dem flotten Stück gleich mit. „Eine besondere Herausforderung für uns“, so Winkler.

Die Tin Whistle von Simone Köhler und die Geige von Friederike Hornauer bestimmten das Lied „Washerwoman“. Die gleiche Melodie, erst getrennt, dann zusammen gespielt, sich steigernd, schneller werdend, stand für einen typischen, traditionellen irischen Folk-Song. Der Ursprung stammt aus dem Jahr 1651, gespielt wird der Song auch von den „Dubliners“. „Wir spielen ihn mindestens genauso schnell“, grinste Winkler.

Mitreißend, zum Klatschen animierend, war das lustige und temperamentvolle Medley „It ain’t gonna rain“. Country-Anklänge und der immer wiederkehrend Refrain machten das Stück zum Ohrwurm. Auch „A tell me ma“ war ein solcher Klassiker, der in den irischen Pubs hoch unter runter läuft. Zwischenzeitlich wurde angezogen, ist der Songs plötzlich ein ganzes Stück schneller. „Such a little time“ hieß die Eigenkomposition, die einen kritischen Blick auf den Zustand der Welt wirft und zu mehr Menschlichkeit auffordert.

Zum Ende hin drehten die vier Musiker an der Temposchraube: die „Hills of Connemara“, der Pub-Song „When the Old Dun Cow cought fire“ oder „God save Ireland“, die inoffizielle Nationalhymne von 1867, machten so viel Lust auf mehr, dass das Publikum ebendieses forderte. Abgerundet wurden solche „Gassenhauer“ von einer ruhigen Ballade wie „Caledonia“ über die verlorene Heimat Schottland.

Als Zugabe noch zwei Stücke, die in keinem Set einer Irish-Folk-Band fehlen dürfen: „Drunken Sailor“, die Geschichte davon, was dem armen Betrunkenen alles an den Hals gewünscht wurde, und „Whisky in the Jar“, das durch „Thin Lizzy“ weltbekannt wurde. Bei beiden Stücken ist sofort Stimmung im Saal, die Füße wippen mit, die Hände klatschen fast automatisch, die Leute gehen voll mit.

Dublin, die Hauptstadt Irlands, „reflektiert das Land nicht wirklich“, so Winkler. Die besondere Atmosphäre, die irischen Landschaften und die Menschen, wie sie noch sehr einfach leben und wie sie ticken, „das erlebt man nur in der Provinz, in abgelegenen Countys wie Donegal oder Connemara“. Ebendort macht der Reisende die Erfahrung, dass hinter jeder Ecke ein Schaf „lauern“ kann. „Irland ist ein Land der Gegensätze und das kommt in der traditionellen Musik dort zum Ausdruck“, sagte er.

Info: Nächstes Konzert der „Irish Voices“ ist am Samstag, 22. April, um 20 Uhr im Landgasthof Zur Mühle in Mörlenbach-Weiher. Reservierungen werden unter Telefon 06209-1634 entgegengenommen. Weitere Infos unter the-irish-voices.chapso.de

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