Hier ist überhaupt nicht „Alles in Butter“: Theatergruppe Schönmattenwag führte an drei Tagen im Haus des Gastes die Komödie von Edward Taylor auf

Es geht rund auf der Bühne. Der Tumult nimmt mit Fortdauer des Stücks immer mehr zu, die Ereignisse überschlagen sich, die Stimmen ebenso. „Alles in Butter“ also, wie der Titel des Stücks von Edward Taylor suggeriert? Natürlich nicht, schließlich handelt es sich um eine Komödie, die die Theatergruppe Schönmattenwag an drei aufeinanderfolgenden Tagen im Haus des Gastes aufführte.

Unter der Regie von Renate Walter reihten sich Verwechslungen und Missverständnisse wie an einer Perlenkette aneinander. Es war eine Freude zu beobachten, wie Jürgen Walter als EU-Kommissionspräsident in spe und Sascha Oberle als Sekretär der britischen Botschaft dabei zunehmend die Contenance verloren, wie die Stimmen lauter wurden, die Schweißperlen größer, die Nervosität aus den Ohren pfiff.

Es wäre keine Komödie, wenn sich zu den sowieso schon einstellenden Erschwernissen dazu noch diverse andere Hindernisse ergeben würden. Die klemmende Balkontür oder der permanent vor sich hin gurgelnde und blubbernde Wasserboiler sind ebenso ein Running Gag wie das Spiel mit Gardine auf und Gardine zu, das die Beteiligten schier in den Wahnsinn treibt.

Zum Inhalt: Sir Clive Partridge kommt nach Paris, um sich – noch vor Brexit angesiedelt – zum Präsidenten der EU-Kommission wählen zu lassen. Botschafts-Sekretär Simon Prout hat ihm in der übervollen Stadt ein tolles Apartment gemietet, wie er glaubt. Doch die Pferdefüße lassen nicht lange auf sich warten. Denn nach und nach tauchen erst die Geliebte von Sir Clive auf, dann seine Ehefrau, dann die Frau des Wohnungsbesitzers, die von nichts weiß, und schließlich noch der scheidende EU-Präsident.

Und das alles in einem Apartment. In das öffnet sich der Vorhang zu Beginn. Im Landhausstil gehalten, gibt es einen imaginären Blick auf den Eiffelturm frei. Etliche Räume zweigen vom Wohnzimmer ab, die später zum Ziel einer wilden Jagd werden. Tür auf, einer geht raus, andere Tür auf, der nächste kommt rein. Und so weiter – in steter Reihenfolge.

Die überzeichneten Figuren machen Laune. Allen voran die beiden Hauptakteure. Sir Clive ist natürlich nicht der Mann mit tadellosem Lebenswandel und politischer Integrität. Im Gegenteil: Der Brite kann andere Völker nicht leiden. „Eine ganze Stadt voller Ausländer: entsetzlich“, meint er über Paris. Und lässt sich vom Sekretär gerne einen Whisky einschenken, obwohl er gerade zu den Abstinenzlern gesprochen hat.

Sascha Oberle ist als Botschafts-Mitarbeiter der Mann für alle Fälle, der für den wichtigen Politiker im wahrsten Sinn sein letztes Hemd und noch die Hose dazu gibt. Er kann super organisieren, ist aber nicht gerade der hellste und macht alles, was der Chef will. Seine Wortgefechte mit Sir Clive, zusammen mit seiner zunehmenden Panik, tragen das ganze Stück und geben ihm Pfeffer.

Und natürlich die drei Frauen, die um Clive Dampf in allen Gassen kreisen. Die eine hat er geheiratet, kann aber nichts mit ihr anfangen, die zweite, Astrid, ist seine tödlich eifersüchtige Geliebte, und die dritte, Louise Müller, weiß nichts davon, dass ihr steuerflüchtiger Mann das Apartment an die Botschaft vermietet hat. Sie tapst nichtsahnend in die Wohnung, merkt von dem ganzen Trubel erst einmal nichts (und muss aufgrund des ganzen Geschreis wahrscheinlich ziemlich taub sein), ehe dann die Situation am Ende des ersten Akts eskaliert.

Bis dahin nimmt das Unglück langsam, fest unbemerkt, aber stetig seinen Lauf. Mitte des ersten Akts plätschert das Stück fast ein wenig vor sich, um aber dann Fahrt aufzunehmen, als die Besitzerin eintrudelt und alles unbewusst aufmischt. Ihre Zerstörungswut an den vermeintlichen Kleidungsstücken des verhassten Gatten führt zu absurden Situationen und absurden Ersatz-Klamotten. Dazu noch der geballte Frauen-Dreier, bei dem die Fetzen fliegen und Simon Prout erst einmal zu Boden geht.

Sir Clives Geliebte Astrid, als rasend eifersüchtige Belgierin mit viel Temperament von Mara Mottl gespielt, dominiert die Frauen-Szene. Die leicht über allem schwebende Ehefrau Karin Mottl sieht überall nur die in den Dingen wohnende Energie. Und Tanja Wolks Louise Müller taumelt nach ihrem Jetlag durch die Szenerie, um sich nach einem ungebetenen Badbesuch der ungebetenen Gäste bewusst zu werden.

Der fallende Vorhang parallel zum Boden gehenden Simon Prout bildete den richtigen Vorgeschmack, was danach passieren sollte: Die Turbulenzen steigerten sich, der Geräuschpegel auch. Die Verwirrungen mussten aufgelöst werden, da der scheidende Präsident quasi schon vor der Tür stand. Wie das vor sich ging, war den über 1000 Gästen bei den drei Vorstellungen noch etliche Lacher wert.

 

Das Ensemble

Sir Clive Partridge: Jürgen Walter

Lady Partridge: Karin Mottl

Simon Prout: Sascha Oberle

Mrs. Kibble: Stephanie Walter

Astrid: Mara Mottl

Louise Müller: Tanja Wolk

Jacques Berri: Timo Walter

Regie: Renate Walter

Bewirtung, Bühnenbau, Mitorganisation: Gesangverein Harmonie Ober-Schönmattenwag, MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag

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