Rollentausch wie im Märchen: Irina Maier spielte im Hoftheater auf der Tromm das Stück „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“

„Ein fulminantes kleines großes Stück“: Da hatte Jürgen Flügge wohl recht mit seiner Kurz-Beschreibung, die er vor der Aufführung von „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ dem Publikum im Hoftheater gab. Der Theaterchef führte Regie, hatte auch die Texte zu dem Stück nach dem Märchen der Brüder Grimm geschrieben. Verkörpert wurde es in allen Facetten von Irina Maier, die als „One-Women-Show“ dabei eine unglaubliche Wandlungsfähigkeit an den Tag legte.

Wenn man von einer gespaltenen Persönlichkeit reden kann, dann der von Maier in der Märchenadaption. Die mehr als 20 Rollen der Geschichte wurden allein von ihr verkörpert. Von einem Augenblick auf den nächsten schlüpfte von einer Person in die nächste, war der herrische, arrogante König, dann das verschüchterte Findelkind Felix, die Räuber-Großmutter, die hochnäsige, überkandidelte Königin, der quengelnde Teufel und, und, und….

Das Klopfen des Stocks, der ebenso wie seine Besitzerin vielen verschiedenen Zwecken diente, kündigte den Beginn an. Mit weiten, wallenden, farbenfrohen Gewändern kommt Maier auf die Bühne, springt gleich mitten ins Stück, berichtet von dem alten Mann, dessen Antriebslosigkeit sie so gar nicht verstehen kann. Vom Fährmann, der seinen geraden Weg geht, weil er sonst immer hin und her musste.

Der Fährmann ist es auch, der als immer wiederkehrender Bezug den Bogen schlägt zu den verschiedenen Passagen des Märchens. In der einen Minute ist Irina Maier noch dieser, wie er vom Jungen mit der Glückshaut berichtet, der mit 14 Jahren die Tochter des Königs heiraten wird. In der anderen Minute wirft sie den Schal nach hinten, richtet das Hemd, wechselt den Gesichtsausdruck und wird zum König, der sich unerkannt im Dorf herumtreibt und die neuesten Gerüchte aufschnappt.

Die flüsternden Nachbarn, die die Geschichten weitertratschen, die keifenden Frauen und wieder der König: Maier springt so nahtlos von einer Rolle in die andere, dass das Zuschauerauge und -ohr kaum folgen kann. Der Herrscher ist ihr dabei besonders gut gelungen, ihn gibt sie mit viel Pfeffer, macht ihn mit ihrem Auftreten zum Unsympathen des ganzen Stücks, dreckige Lache und Gemeinheiten inklusive.

Der Weg des dann 14-jährigen Felix Müller durch den Wald, das Eintreffen an der Räuber-Hütte, die rührende Räuber-Oma am Kochtopf oder die quietschende Tür: Nicht nur den Personen, auch der Handlung haucht die Schauspielerin mit allerlei Geräuschen und Bewegungen Leben ein. Ihre Paraderollen sind die extravaganten, extrovertierten, charakterreichen Figuren, die in ihrem lauten Tun dann manchmal auch heimlich ein Stück Mitgefühl an den Tag legen.

Der sich verhaspelnde Felix, die armen Müllersleute oder die eher ruhigeren Parts gehen bei der ausdrucksvollen Spielweise von Irina Maier fast schon unter, verblassen gegenüber den überbordenden Parts, mit denen sie den ganzen Saal beherrscht, bei denen ihre Stimme ohne Verstärkung bis in den hintersten Winkel dringt, die schon fast allein auch durch ihre Mimik leben.

Zum Paradestück wird der Höllenbesuch, den der Junge auf Drängen des Königs absolvieren muss, um dem Teufel die drei goldenen Haare zu klauen. Eigentlich ja ein unlösbares Unterfangen, aber wir erinnern uns, es ist ein Märchen. Und deshalb kann Felix des Teufels Großmutter erweichen, dem Enkel diese Haare zu entwenden – und dazu auch noch gleich die Antworten auf drei knifflige Fragen.

Der keifende Teufel, der sich als müder Höllen-Kerl mit Streichelbedarf präsentiert, ist eigentlich auch ein Großmutter-Söhnchen, das sich wie ein quengeliges, schreiendes Kleinkind immer wieder von der singenden Oma beschwichtigen lässt und letztendlich alles Nötige preisgibt. Was bedeutet, dass dem Happy-end logischerweise nichts im Weg steht. Wie das aussieht, können sich Interessierte bei der Wiederholung am 9. April anschauen.

Es ist eine Geschichte vom Streben nach Glück und der unstillbaren Gier der Menschen nach Macht und Gold, die da im Hoftheater auf die Bühne gebracht wurde. Irina Maier schlüpfte mit großer Intensität in jede Figur und gewann so dem alten Stoff ganz neue Seiten ab. Der Zauber und die Faszination des Märchens blieben aber gerade dadurch erhalten. „Wir haben zusammen lange daran gearbeitet, damit das Stück nicht einfach nur erzählt wird“, erläuterte Flügge.

Info: „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ wird noch einmal am Sonntag, 9. April, um 15 Uhr im Hoftheater auf der Tromm aufgeführt.

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