Grundschule Schimmeldewog ist unter den letzten 15 und fährt zum Schulpreis-Finale nach Berlin

„Hurra, wir fahren nach Berlin“, hallte es aus unzähligen Kehlen durch die Flure und Zimmer der Grundschule Schimmeldewog. Denn die Nachricht, dass die kleine Schule zu den 15 besten in Deutschland gehört und deshalb am 29. Mai zum Finale des Deutschen Schulpreises eingeladen ist, machte rasend schnell die Runde. Lehrer, Eltern und Kinder sind unheimlich stolz über diesen Erfolg, mit dem die Schimmeldewäer als einzige hessische Schule in der Hauptstadt präsent sind.

Schon die Teilnahme am Wettbewerb war für die kleine Grundschule mit jetzt 77 Kindern etwas Besonderes. Nach dem Jury-Besuch im Februar und dem dort ausgesprochenen Lob hatte man bereits gehofft, unter die letzten 15 zu kommen – was sich jetzt bestätigte. Zehn Fahrten von Schimmeldewog aus nach Berlin werden von der Bosch-Stiftung übernommen. Wer genau mitfahren kann/darf, ist noch nicht ganz raus, aber das Interesse ist natürlich bei allen sehr groß. Denn das waren natürlich die ersten Fragen von den Kindern: „Wer darf mitfahren?“ Auf jeden Fall will das ganze Kollegium, im Zweifel auch auf eigene Kosten, dem Ereignis beiwohnen.

„Es ist ein komisches, aber auch tolles Gefühl, auf einer Schule zu sein, die zu den 15 besten in Deutschland gehört“, meinte Schulsprecher Paul Walter. Die Nachricht „war einfach cool“, so der Zehnjährige. „Ganz toll“ war die Mitteilung für Svenja Ballmann, ebenfalls Schulsprecherin. Dass eine kleine Schule in dem Wettbewerb so weit kommt, bezeichnete sie etwas Herausragendes. Die Besonderheit ist für Svenja das Freilernsystem, mit dem sich die Schimmeldewäer Schule von anderen unterscheidet.

„Wir haben uns über die Nachricht sehr gefreut“, sagte Lehrer Matthias Dautel. Denn sie bedeute „eine Bestätigung unserer Arbeit in den vergangenen zehn Jahren“. Und das von einer sehr fachkompetenten Jury, die sich schon bei ihrem Besuch mehr als lobend über die Arbeit des Kollegiums geäußert hatte. Mit den Kindern und Eltern zusammen „haben wir die Schule im letzten Jahrzehnt kontinuierlich weiter entwickelt und verändert“, so Dautel.

Was seine Kollegin Simone Hentschel-Gärtner bestätigte: „Wir sind sehr stolz, dass unsere pädagogisch-didaktische Arbeit in einem solch hochkompetenten Rahmen gewürdigt wird“, meinte sie. Sie finde es daneben toll, dass Grund- und weiterführende Schulen immer mehr zusammenrückten und -arbeiteten. Schon jetzt hospitierten zahlreiche Interessierte an der Grundschule, um das besondere System der Freiarbeitszeit kennenzulernen. Man sei gut vernetzt im entsprechenden Schulverbund.

Mit der Finalteilnahme am Schulpreis eröffnen sich nun auch dem Kollegium neue Fortbildungsmöglichkeiten, die bisher aus finanziellen Gründen nicht möglich waren, betonte Nina Reuber. Man bekomme die Chance, mit Schulen in engeren Kontakt zu kommen, die ähnlich arbeiteten. Und spezielle Weiterbildungen zu besuchen, die für innovativ, mit anderen Konzepten arbeitenden Schulen wie die Schimmeldewäer kostenfrei angeboten würden.

Die drei Pädagogen hoben hervor, dass ein solcher Erfolg nicht ohne die bestens funktionierende Zusammenarbeit aller möglich sei. „Alle Zahnräder greifen ineinander“, so Dautel. Die Eltern „verstehen sich als ein Teil der Schule, identifizieren sich damit“, sagte Hentschel-Gärtner. „Wir sind ein Schulteam“, meinte Reuber, das auch deshalb so gut harmoniere, „weil jeder Vollgas gibt“.

Nicht zuletzt trägt die Teilnahme am Schulpreis und der Finaleinzug zur Attraktivität der Grundschule Schimmeldewog bei: „Seit Schuljahresbeginn zählen wir bisher fünf neue Kinder“, sagte Hentschel-Gärtner. Weitere Anfragen von außerhalb gibt es bereits. Der Preis sei auch deshalb sehr wichtig, weil er Schulen in den Fokus rücke, „die anders arbeiten“, betonte Dautel. Denn nach wie vor gebe es aus Unkenntnis noch den einen oder anderen Vorbehalt, „ob es funktioniert und die Kinder genug lernen“.

Nach dem Jury-Besuch waren die Hoffnungen groß gewesen, unter die letzten 15 zu kommen. Die hatte vor allem Rainer Schweppe genährt, der neben der Vor- auch der Hauptjury angehört. Er sprach von einer „ganz besonderen Schule“, die ihn „tief beeindruckt hat“. Es werde in dem kleinen Odenwald-Ort „ein fantastischer Unterricht gemacht“. Schweppe ist Münchner Stadtschulrat und Stadtrat, gleichzeitig auch Leiter des Referats für Bildung und Sport der bayrischen Landeshauptstadt. Der erste Eindruck stimmte. Denn jetzt heißt es: „Hurra, wir fahren nach Berlin.“

Ob der Grundschule Schimmeldewog ein hoch dotierter Preis winkt, weiß heute noch keiner. Denn das wird erst am Tag selbst bekannt gegeben. Der Preisverleihung am 29. Mai ist am 28. Mai bereits ein Empfang vorgeschaltet. Der Sieger darf sich über 100.000 Euro freuen, fünf weitere Anerkennungen sind mit 25.000 Euro dotiert. Der deutsche Schulpreis wird seit elf Jahren von der Robert-Bosch-Stiftung vergeben und ist die renommierteste Auszeichnung in diesem Bereich. Laudatorin ist Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Festakt wird live im Fernsehen übertragen.

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