Einwohner werden zum Bebauungsplan gehört: Vorgezogene Bürgerbeteiligung zum „Betreuten Wohnen“ in Abtsteinach

Mit dem Projekt des „Betreuten Wohnens“ auf dem Gelände der ehemaligen „Rose“ geht es zügig voran. Einen groben Plan gibt es schon, der jetzt im Zuge einer vorgezogenen Bürgerbeteiligung öffentlich gemacht werden soll, um sich weitere Anregungen von den Einwohnern zu holen. Bei der Vorstellung in der Gemeindevertretung hatten bereits die Mandatsträger einige Wünsche geäußert, die Eingang finden sollen.

Aufgrund der Lage im Ortskern von Ober-Abtsteinach soll auf dem Gelände altengerechtes Wohnen gefördert werden, führte Gemeindevertreter-Vorsitzender Frank Wetzel ins Thema ein. Um eine geordnete städtebauliche Entwicklung zu gewährleisten und gleichzeitig dem Bedarf bauplanungsrechtlich Rechnung zu tragen, muss ein Bebauungsplan her. Dessen Ziel soll es sein, das altengerechte Wohnen zuzulassen sowie unerwünschte oder das Wohnen gegebenenfalls sogar störende Nutzungen auszuschließen.

Wie Planer Ulrich Stüdemann vom gleichnamigen Büro sagte, sei bereits ein erstes Abstimmungsgespräch mit der Bauaufsicht des Kreises als zuständiger Behörde erfolgt. Eine „Grobumsetzung“ habe man ebenfalls bereits angedacht. Diese sieht im oberen Bereich zur Löhrbacher Straße hin die Bebauung vor, nach unten die Grünfläche mit Bolz- und Festplatz. Alles zusammen sei als Mischgebiet festgesetzt, wie es sich auch im Flächennutzungsplan darstelle.

Mit dem vorliegenden Bebauungsplan soll die planungsrechtliche Grundlage für die Errichtung von Wohnnutzungen für altengerechtes Wohnen geschaffen werden, sagte Stüdemann. Auf Grund der Lage im Ortskern sollen auch nicht störende gewerbliche Nutzungen (so Bankfiliale, Arztpraxis) möglich sein. Festsetzungen zum Maß der baulichen Nutzung (Grundflächenzahl, Geschossflächenzahl, Höhe der baulichen Anlagen), der überbaubaren Grundstücksflächen sowie der erforderlichen Flächen für Stellplätze und Tiefgarage sollen laut Stüdemann die städtebauliche Einbindung in den Ortskern sicherstellen.

Darüber hinaus sollen die südlich angrenzenden Grünflächen (Spiel-, Bolz- und Festplatz) in den Geltungsbereich aufgenommen und planungsrechtlich gesichert werden. Das Plangebiet hat eine Gesamtgröße von etwa 1,11 Hektar. Der Geltungsbereich befindet sich südlich der Löhrbacher Straße (L 3408), westlich der Neckarstraße (L 535), nördlich der Bürgermeister-Karl-Heindtel-Straße sowie östlich der Schulstraße und der Luisenstraße.

Wie der Planer erklärte, wolle man zu diesem Zeitpunkt die Öffentlichkeit beteiligen, um die dann aktualisierten Planunterlagen noch einmal mit der Bauaufsicht abzustimmen. „Damit wir am Schluss keine Überraschung erleben“, meinte Stüdemann. Das Brandschutzkonzept sei aktuell noch in Abstimmung. Eventuell gelte es noch eine Feuerwehrzufahrt von unten her mit aufzunehmen. Dass diese in den Unterlagen schon mit drin war, schmeckte Brigitte Wetzel (CDU) nicht. „Ich will das so nicht beschließen“, sagte sie. Wie es von Seiten der Fraktion noch ein paar andere Nachfragen gab.

Der Fachmann erläuterte, dass „das aus dem Entwurf auch wieder raus kann“. Willy Schröder (SPD) meinte, es handle sich um einen Vorentwurf, der sowieso nochmal in die Gremien komme. Dann könne man über diesen Punkt nochmal entscheiden. Außerdem verwies er darauf, dass ebenfalls die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung mit einflössen. Das war aber Wetzel und auch ihrem Parteikollegen Peter Jöst zu unsicher. Sie wollten keine schlafenden Hunde wecken und eventuell das Kreisbauamt auf den Trichter bringen, zwei Zufahrten als bare Münze zu nehmen.

Denn für die CDU-Fraktionschefin und auch ihre Kollegen war klar, dass der Rettungsweg von der Löhrbacher Straße aus erfolgen soll. „Diesen Passus gilt es außen vor zu lassen“, so der Tenor deshalb zur weiteren Zufahrt. Gemeindevertreter-Vorsitzender Frank Wetzel versuchte die Kuh vom Eis zu bringen, in dem er einen Kompromiss vorschlug. Demnach bekundeten die Mandatsträger ihre grundsätzliche Zustimmung, verwiesen aber auf das Protokoll mit den dort genannten strittigen und zusätzlichen Punkten.

Ursula Jonasdowfsky (SPD) schlug vor, den Bebauungsplan bis hin zur Neckarstraße zu erweitern und den dortigen Weg mit aufzunehmen. Damit könne man sich eine Ein- und Ausfahrt von diesem Bereich her sichern. Peter Jöst wies auf ein weiteres Grundstück hin, das mit aufgenommen werden sollte. Diese Punkte wurden als Hinweis dem Vorentwurf des Bebauungsplans „Altengerechtes Wohnen“ angefügt, den die Mandatsträger inklusive vorgezogener Bürgerbeteiligung im Anschluss einstimmig verabschiedeten.

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