Das neue Feuerwehrhaus in Wald-Michelbach: Ein „Leuchtturm“ im ganzen Kreis Bergstraße

4,1 Millionen Euro Gesamtbaukosten, knapp vier Jahre Bauzeit, 5500 Quadratmeter Fläche: Das neue Feuerwehr-Gebäude in Wald-Michelbach ist ein „Leuchtturm“, etwas Historisches, einmalig im Kreis Bergstraße, wurde bei der Einweihung des Hauses nicht mit Superlativen gegeizt. Im Vordergrund standen aber die Menschen hinter dieser Leistung, die Brandschützer mit ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit, die sich auch in unzählbaren Stunden in den Bau mit eingebrachten.

Zahlreiche Feuerwehr-Vertreter der umliegenden Wehren, aber auch vom Kreis, hatten sich neben Gemeinde-, Kreis-, Landes- und Bundespolitikern in der Fahrzeughalle, dem Herzstück des Komplexes, eingefunden. Unter den Klängen der Feuerwehrkapelle unter Leitung von Klaus Weihrauch parkten die Fahrzeuge, vom alten Domizil kommend, im neuen Gebäude ein, machten die Rollläden hoch, ließen sich quasi „in die Karten schauen“. So wie danach die Besichtigung des kompletten neuen Hauses für die Gäste möglich war.

Gemeindevertreter-Vorsitzender Nothung Köhler erinnerte in seiner Begrüßung an das Jahr 1986, als er zusammen mit dem damaligen Gemeindebrandinspektor Erwin Hartmann erste Überlegungen über ein zeitgemäßes Haus anstellte. Denn die Fahrzeuge wurden immer größer und die Aufgaben vielfältiger. Nach „ungezählten Gesprächen und endlosen Sitzungen“ blicke man heute auf ein Ergebnis, „das sich sehen lassen kann“. Steter Tropfen höhlt den Stein, so Köhler, entsprechende Beharrlichkeit vorausgesetzt.

Unter Ehrenbürgermeister Dietrich seien bereits erste Maßnahmen eingeleitet worden. „Er ließ sich in der Notwendigkeit überzeugen“, schmunzelte Köhler. Für den Nachfolger im Rathaussessel, Joachim Kunkel, sei die Realisierung des Projekts in einer finanzschwachen Gemeinde „eine große Herausforderung gewesen“. Doch „jetzt ist das Werk vollbracht“, so Köhler. Das Gebäude entspreche den neuesten technischen Herausforderungen. Es werde lange Jahre „ein Wahrzeichen und Leuchtturm von Wald-Michelbach sein“.

Für die Realisierung sei die Gemeinde sogar von der Maßgabe abgewichen, keine Netto-Neuverschuldung zuzulassen. Außerdem gab es Zuschüsse des Landes. Aber alle finanziellen Mittel seien nichts ohne den unverzichtbaren ehrenamtlichen Einsatz der Feuerwehrleute. Dazu habe es viele gute, unsichtbare Geister im Hintergrund gegeben, die an der Realisierung mitwirkten.

Die Feuerwehrleute „hauchen mit ihrem Handeln und Tun dem Gebäude Leben ein“, so Köhler. „Macht weiter so“, rief er ihnen zu. Die Gesellschaft brauche Menschen, die bereit seien, dem Nächsten uneingeschränkt zu helfen. Mit ihrer Sachkenntnis und ihrem Wissen hätten die Brandschützer der Gemeinde viele 1000 Euro erspart. Sie seien quasi „die Task Force auf der Baustelle“ gewesen.

„Die Feuerwehr verfügt nun endlich über zeitgemäße räumliche Voraussetzungen“, sagte Bürgermeister Kunkel. „Mit Fug und Recht können wir darauf richtig stolz sein.“ Alle Beteiligten blickten auf ein „herausragendes Bauprojekt“, das auch in Sachen Finanzierung etwas Besonderes war. Mit ihm werde zum Ausdruck gebracht, welch große Bedeutung das Thema Brandschutz in der Gemeinde habe. Das Gebäude sei das Ergebnis einer „zielführenden und sparsamen Haushaltspolitik gewesen“, so der Bürgermeister.

Insgesamt habe man nun im Ort für Vereine und Bürger eine „hervorragende Infrastruktur geschaffen“. Allerdings sei es auch bis zur Einweihung ein langer Weg gewesen, der sich nicht immer einfach gestaltete. 2010 habe sich eine Lösung abgezeichnet, als die Gemeinde nach der Coronot-Insolvenz deren Gelände übernahm und dann in die Planungen einstieg. An manchen Stellen, so Kunkel, musste man sich mit den anderen Baubeteiligten „zusammenraufen“ und an den vielen Gewerken „intensiv mit den Partnern arbeiten“, damit ein solch gutes Ergebnis zustande kam.

Für die Baumaßnahme gab es einen Landeszuschuss von knapp 850.000 Euro. Kunkel zeichnete den weiteren Verlauf nach: Im April 2013 fand der Spatenstich statt, ein Jahr später das Richtfest und im November 2016 der Einzug der DRK-Rettungswache. Die Haushaltsmittel habe man nur über diesen Zeitraum von vier Jahren bereitstellen können, damit es finanziell passte. Insgesamt, so der Rathauschef, „wurden einige Widrigkeiten aus dem Weg geräumt“. Alles, was heute zu sehen sei, „ist nicht nur beschlossen, sondern auch rechtlich einwandfrei“, schmunzelte er.

Kunkel wies darauf hin, dass die technischen Einrichtungen zukunftsweisend ausgeführt seien. Das neue Gebäude werde das Zusammenwachsen der Ortsteilwehren fördern, meinte er. Die 4,1 Millionen Euro Kosten lägen im Rahmen der hochgerechneten Prognosen. Etwa drei Millionen habe der reine Baukörper gekostet, der Rest das Umfeld, Außenanlage, Zufahrt zur Landesstraße und Michelbach-Kanalsanierung. Wenn man heranziehe, dass die Gemeinde damals das Coronet-Gelände für 375.000 Euro gekauft habe, „hat sich diese Investition jetzt doppelt bezahlt gemacht“.

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