„Eltern sollten wachsam sein, nicht kontrollwütig“: Tipps für den richtigen Umgang von Kindern mit dem Internet an der Grundschule Schimmeldewog

„Faszination Internet“ hatte Jochen Wilke seinen Vortrag überschrieben. Dahinter verbargen sich Tipps für Eltern, wie sie den Umgang ihrer Sprösslinge mit dem Smartphone steuern können, welche Gefahren lauern, wie den Kindern der richtige Umgang vermittelt wird, ohne sie gleich zu bevormunden. Wilke vom Verein für Medien- und Kulturpädagogik aus der Nähe von Hanau brachte in der Grundschule Schimmeldewog Lehrern und Eltern das Thema bodenständig und leicht verständlich rüber, ohne dabei ins Fachchinesisch abzurutschen.

Der Referent hatte verschiedene Leitfragen an den Anfang gestellt, die durch viele Fragen von Vätern und Müttern ergänzt wurden. „Was fasziniert Kinder am Internet“, „Wo liegen die Risiken“ und „Wie können wir uns schützen“, „Wie werden Kinder medienkompetent“ und „Wobei brauchen Kinder elterliche Unterstützung“, lauteten seine Hauptthemen. Die Eltern fragten nach speziellen Internet-Seiten für Kinder, einen Filter bei Youtube (den gibt es, aber er lässt sich problemlos ausstellen) oder die empfohlene Zeit des Internet-Surfens.

„Eltern müssen ihre Kinder begleiten“ hieß eine der zentralen Forderungen von Wilke. Man dürfe das Smartphone nicht verdammen, sondern einen verantwortungsvollen Umgang damit sicherstellen. Er nannte ein solches Gerät „das Schweizer Taschenmesser der Kommunikation“, das viele Stolperfallen in sich berge. Ein „richtiges Alter“ für den Smartphone-Einstieg gibt es laut Wilke nicht. Das sei abhängig von der Reife des Kindes. Eltern sollten „wachsam sein, nicht kontrollwütig“.

WhatsApp sei eigentlich inzwischen laut der eigenen AGB erst ab 13 Jahren erlaubt, aber man müsse auch den sozialen Druck innerhalb des Freundeskreises und in der Schule mit berücksichtigen. Wichtiger sei in diesem Fall die Vermittlung eines vernünftigen Umgangs damit. Die Erwachsenen sollten ihre Sorgen formulieren und mit dem Kind gemeinsam eine Lösung finden. Wie überhaupt sich die Heranwachsenden „ihr Verhalten bei den Erwachsenen abschauen“. Kinder fühlten sich durch die Handynutzung ihrer Eltern oftmals vernachlässigt.

Wilkes Worten zufolge kann absolute Kontrolle „nicht überall geleistet werden“. Wenn ein Kind mal etwas Verbotenes anschaue, solle man das nicht gleich in Bausch und Bogen verdammen, sondern es lieber ermutigen, damit offen umzugehen. Und dann als Eltern sich damit auseinanderzusetzen, dem Kind deutlich machen, was nicht in Ordnung ist und warum. Wichtig sei auch „den Kindern beizubringen, Nein zu sagen“.

Wilke bezeichnete es als sehr wichtig, den Kids die Alternativen zum Smartphone aufzuzeigen. Tenor: „Spaß gibt es auch woanders, nicht nur vor dem Bildschirm.“ Seinen Worten zufolge „muss ein Ausgleich da sein, die Kinder sollen rausgehen, Sport machen“. In diesem Zusammenhang sprach er sich für die Einführung einer Bildschirmzeit aus, die Computer, Smartphone und Fernsehen insgesamt vereine.

Die Nutzung des Internets ist je nach Altersgruppe verschieden. Sechs- bis Elfjährige spielen, hören Musik, nutzen es zur Kommunikation oder Bildung. Bei den Zwölf- bis 19-Jährigen stehe die Kommunikation an erste Stelle, gefolgt von Musik, Spielen und Bildung. Der Referent sah auch positive Wirkungen: Menschen mit sozialen Ängsten schafften es eher, über die nonverbale Kommunikation eine Bindung aufzubauen.

Schon beim Ausfüllen der Anwesenheitsliste verdeutlichte Wilke den Anwesenden, wie schwer die Differenzierung bereits als Erwachsener ist, was man bereit ist an Daten preiszugeben: nicht nur Adresse, sondern auch Telefonnummer und E-Mail-Adresse? „Wie schwer ist es dann erst für Kinder?“, stellte er in den Raum. Er zog auch einen Vergleich zur früheren analogen Zeit. Damals gab es überhaupt nur drei Fernsehsender, heute allein vier frei empfangbare für Kinder. „Der Medienumfang ist viel, viel größer“, meinte er.

Fotos seien damals viel aufwändiger gewesen, „heute kann sie mit dem Smartphone jeder schießen“. Wilke wies auf das Recht am eigenen Bild hin. Wenn Fotos in soziale Netzwerke hochgeladen würden, die man dort nicht habe wolle, gelte es zuerst den Nutzer mit der Bitte um Löschung anzuschreiben und sie dann zu melden. Hierbei müsse man Kinder dafür zu sensibilisieren, dass das Netz nicht vergisst.

Tipps des Experten zur Internet-Nutzung bei Kindern

  • Bei Youtube den sicheren Modus aktivieren
  • App „Kids place“ installieren, die die Auswahl der verfügbaren Apps bei Suchanfragen filtert
  • Nicht die Google-Bilder-Suche verwenden, denn bei dieser ist eine Filterung nicht wirklich möglich. „Safe Search“ aktivieren, was aber ebenfalls etwas unzureichend ist.
  • Als technische Schutzmaßnahme die Salfeld Kindersicherung, ein deutsches Programm, verwenden (kostenpflichtig)
  • Auf seitenstark.de werden die Internet-Seiten aufgelistet, die eine Auszeichnung bekommen haben
  • Klick-tipps.net: Kinder surfen, wo es gut ist
  • Als Startseite nicht Google verwenden, sondern „Meine Startseite“
  • Aufpassen bei Spiel-Kostenfallen
  • Abschluss eines „Mediennutzungsvertrags“ mit den Kindern. Selbst wenn dieser nicht zustande kommt, eignet sich das Thema gut als Gesprächsanlass für das Thema Internet
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