Gemeinsam die medizinische Versorgung sichern: Abtsteinach beteiligt sich am „Netzwerk Ortsnahe Versorgung Odenwald“

Die Hardberg-Gemeinde beteiligt sich an der interkommunalen Zusammenarbeit (IKZ) im Bereich der medizinischen Versorgung im vorderen Odenwald. Diese firmiert unter dem Namen NOVO, „Netzwerk Ortsnahe Versorgung Odenwald“. Die Gemeindevertretung stimmte einmütig für diesen Schritt, auch wenn man sich in Abtsteinach noch in einer vergleichsweise guten Position sieht. Doch: „Wenn man gemeinsam an die Sache herangeht, hat man bessere Erfolgsaussichten und kann größeren politischen Druck ausüben“, sagte Bürgermeister Rolf Reinhard.

Auf dem medizinischen Bereich sei gerade im ländlichen Bereich „einiges im Wandel“, meinte er. In Abtsteinach sei man „in der glücklichen Lage“, dass es wohl eine Nachfolgerin für die Praxis des Allgemeinmediziners Dr. Rudolf Jung gebe. Zum 1. April werde sich Dr. Büttner aus Schönmattenwag niederlassen. Geplant sei, dass diese dann auch die entstehende große Arztpraxis im Betreutes-Wohnen-Komplex übernehme.

Reinhard kennzeichnete die ärztliche Versorgung in ländlichen Regionen als „fortlaufende Problematik“. Es sei gut, wenn diese von verschiedenen Kommunen gemeinsam angegangen werde. Die entsprechende Geschäftsstelle für NOVO beim Kreis gebe es schon, die Zusammenarbeit sei kostenfrei. „Wenn sich daran etwas ändert, kommt es wieder auf den Tisch“, versprach der Bürgermeister.

„Gesundheit ist unser höchstes Gut“, sagte Martina Heller (FWV). Gerade auf dem Land hätten die Bürger in der Regel mit einer schlechten Versorgung und langen Anfahrtswegen zu kämpfen. Aufgrund des demografischen Wandels seien immer weniger Ärzte für immer mehr Bürger verantwortlich. Sie wies darauf hin, dass zahlreiche Mediziner in den kommenden Jahren aufhörten, weil sie die Altersgrenze erreichten. In diesem Zusammenhang bezeichnete Heller das Betreute Wohnen als wichtigen Schritt in die richtige Richtung.

Willi Schröder (SPD) wies auf die Wichtigkeit der ortsnahen Versorgung hin. Auch in seiner Funktion als VdK-Vorsitzender begrüße er, „dass für den Odenwald etwas unternommen wird“. Als „gut aufgestellt“ bezeichnete Brigitte Wetzel die Gemeinde. Das sei nicht zuletzt den Bemühungen des Bürgermeisters und der Verwaltung um den Erhalt der Allgemeinarzt-Praxis zu verdanken.

Laut einstimmigem Beschluss der Gemeindevertretung wird der Gemeindevorstand ermächtigt, die notwendigen weiteren Schritte mit den teilnehmenden Kommunen und dem Kreis vorzubereiten und abzuschließen. Die IKZ soll für mindestens fünf Jahre beschlossen werden. Zum Hintergrund erläuterte Reinhard, dass sich Ende August 2016 Fürth, Lindenfels, Rimbach, Grasellenbach und Wald-Michelbach mit dem Kreis Bergstraße zu einem ersten Austausch bezüglich der Gesundheitsversorgung im Vorderen Odenwald getroffen hätten.

Als Ergebnis wurde vereinbart, das Netzwerk Ortsnahe Versorgung Odenwald (NOVO) im Rahmen einer IKZ aufzubauen. Die Federführung liegt beim Kreis Bergstraße, die vorgenannten Kommunen und eventuell weitere sollten sich beteiligen. Die Zusammenarbeit soll neben einer Analyse des Ist-Zustandes in den einzelnen Gemeinden und der Region eine sektorenübergreifende Vernetzung möglichst aller Institutionen und Einrichtungen im Gesundheitsbereich erreichen, unter anderem Altenhilfe, Pflegedienste, Ärzte, Kliniken, Reha-Sport oder Sozialdienste.

Im nächsten Schritt wird dann die Kooperation in Form einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung fixiert. Hierzu steht der Kreis im engen Austausch mit dem Kompetenzzentrum für Interkommunale Zusammenarbeit (KIKZ) des Landes Hessen. Neben Abtsteinach wurden auch noch Lautertal, Mörlenbach und Birkenau angefragt, ob eine IKZ auf diesem Gebiet vorstellbar wäre. Mögliche Kosten sollen über IKZ-Mittel des Landes refinanziert werden.

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