Grundschule Schimmeldewog bekommt von der Schulpreis-Jury durch die Bank Einser-Noten

Geht man nach den überschwänglichen Worten der Jury, dann dürfte die Grundschule Schimmeldewog wohl im Finale des Deutschen Schulpreises stehen. Auch wenn sich die vier Experten mit einer endgültigen Aussage noch zurückhielten, denn vier von 20 Schulen der Vorauswahl werden noch besucht. Rainer Schweppe sprach jedoch schon von einer „ganz besonderen Schule“, die ihn „tief beeindruckt hat“. Es werde in dem kleinen Odenwald-Ort „ein fantastischer Unterricht gemacht“. Das Lehrerkollegium hörte es auf der Pressekonferenz mit Freude, Schulleiterin Sabine Herold blieben bei diesem Lob aus berufenem Munde fast die Worte weg.

Denn Schweppe ist nicht irgendwer: Der Münchner Stadtschulrat und Stadtrat ist gleichzeitig Leiter des Referats für Bildung und Sport der bayrischen Landeshauptstadt. Mit ihm, der gleichzeitig der Hauptjury angehört, waren auch die Vorjury-Mitglieder Dr. Wolfgang Beutel, Lutz Bessel und die ehemalige Schulamtsdirektorin aus Nordrhein-Westfalen, Karin Brügelmann, in den Überwald gekommen. Der Tenor war bis auf Nuancen mehr oder weniger der gleiche: große Anerkennung, verbunden sogar mit Erstaunen über die hier geleistete hervorragende Arbeit bis hin zum faszinierten Einblick ins hiesige Schulleben.

„Sehr zeitgemäß“ werde an der Grundschule gearbeitet, attestierte Schweppe. Eine normale Tafel finde sich nicht im Unterricht, stattdessen gingen die Schüler selbständig zu Werke. Was sich für den Münchner als „faszinierend“ darstellt, wie die Kinder in Eigenregie alles organisierten. „Wahnsinnig toll“ lautete ein weiterer Gesamteindruck des Experten. Als „außergewöhnlich“ bezeichnete es Schweppe, dass es keine Schulglocke gibt.

Obwohl es viele Freiheiten gebe, lernten die Schüler „unglaublich konzentriert“. Zwar unter Anleitung, aber eben doch „ganz anders“. Sie würden mit den Unterricht „hervorragend für die weiterführenden Schulen vorbereitet“, sagte der Münchner Schulrat. Die Eltern könnten ihre Zöglinge der Grundschule quasi blind anvertrauen. Selbständigkeit ist seinen Worten zufolge „eine ganz wichtige Basis“ für die weitere Schullaufbahn. Er wünschte sich, dass die „weiterführenden Schulen den Schwung mitnehmen, der von unten kommt“.

Wolfgang Beutel, Geschäftsführer des Wettbewerbs „Förderprogramm Demokratisch Handeln“ aus Jena, ist seit Beginn der Schulpreis-Auslobung vor zehn Jahren mit in der Vorjury. Er hob hervor, dass die Schüler hier Verantwortung „für das eigene Leben und Lernen“ vermitteln bekämen. Den Kindern würden Dinge mit auf dem Weg gegeben, „die sie für später brauchen“. Der Schulpreis trägt laut Beutel dazu bei, „dass es gute Schulen gibt“. Auch für die Jurymitglieder seien die Besuche bereichernd, indem man „Zugang zu ungewöhnlichen Schulformen bekommt“.

Lutz Bessel, der ehemalige Bereichsleiter der Heidehof-Stiftung, erlebte an der Grundschule Schimmeldewog „eine Lernfreude, die ich in dieser Art und Weise noch nicht gekannt habe“. Das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern bezeichnete er als „sehr tragfähig“. Es herrsche eine Atmosphäre, „die Spaß macht“. Bezeichnend sei auch die Aussage der Schülervertreter, die an ihrer Lehranstalt am liebsten „das ganze Leben verbringen möchten“.

Karin Brügelmann zeigte sich von „der Begeisterung der Eltern beeindruckt“. Diese stehen „voll hinter der Schule“, was aufgrund des anderen Lernkonzepts nicht selbstverständlich sei. Jedoch werde dieses durch die Lehrer wiederum „gut rübergebracht“. Sie hob daneben das „nicht traditionelle, sondern selbstständige Arbeiten“ hervor. Die Präsentationen, die Projekte wie das Musical oder die Zusammenarbeit mit dem Überwald-Gymnasium waren ihr ebenfalls lobende Worte wert.

Als „unglaubliche wertvolle Erfahrung“ bezeichnete Schulleiterin Herold den Besuch der Jurymitglieder. Dadurch bekomme man „einen Blick von außen“ und Rückmeldungen zur Schule. Dies sei „unheimlich wichtig für die Weiterentwicklung“. Denn genau das sei ja auch Teil des Schulpreises, die Schulen in ihrer Entwicklung zu unterstützen. „Allein die Bewerbung hat schon viele Prozesse in Gang gesetzt“, ergänzte Matthias Dautel. Damit verbundene Workshops, Seminare und Weiterbildungsangebote seien ein Gewinn für die Pädagogen.

Rainer Schweppe machte dem Kollegium das Kompliment, dass sich „die Schule so tief in die Karten schauen lässt“. Was laut Simone Hentschel-Gärtner vom Lehrerteam „nicht das Problem ist“, schmunzelte sie. Sondern eher die Frage: „Sind wir gut genug?“ Nach der letztjährigen Teilnahme habe es aus der Elternschaft wieder den Antrieb gegeben, es in diesem Jahr aufs Neue zu versuchen. Mit Erfolg.

Deutscher Schulpreis

Der Deutsche Schulpreis, ausgelobt von der Robert-Bosch-Stiftung, wurde für 2017 das elfte Mal ausgeschrieben, informierte Nora Heising seitens der Stiftung. Es handle sich bei ihm um den renommiertesten Preis in diesem Bereich. 81 Schulen aller Schularten und Größe aus ganz Deutschland bewarben sich. Die besten 20, zu denen auch die Grundschule Schimmeldewog als einzige in ganz Hessen zählt, werden noch bis Mitte März von einer wechselnden Jury besucht. Diese besteht aus 40 Mitgliedern. Auch zwei Auslandsschulen in Boston und Rio sind mit dabei. Grundlage für die Teilnahme ist eine sehr ausführliche schriftliche Bewerbung. Anhand von sechs Qualitätsbereichen wird beim Besuch die Bewertung vorgenommen.

Laut Heising fällt dann Mitte März die Entscheidung, welche 15 Schulen Ende Mai nach Berlin zur Preisübergabe durch Bundeskanzlerin Angela Merkel eingeladen werden. Erst dort werden die Preisträger bekannt gegeben. Die Verleihung wird live im Fernsehen übertragen. Der erste Preis ist mit 100.000 Euro datiert, die folgenden fünf mit je 25.000 Euro. „Wir haben uns mit Eltern, Lehrern und Schülern unterhalten, viele spannende Dinge gesehen und den Unterricht angeschaut“, verdeutlichte Heising das zweitägige Programm.

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