Die Philippinen, ein Land voller Gegensätze: Überwälder Länderabendgruppe stimmte im Vorfeld des Weltgebetstags auf den südostasiatischen Inselstaat ein

„Mabuhay“ schallte es zu Beginn durch den evangelischen Gemeindesaal. Die Begrüßung in der philippinischen Nationalsprache Tagalog läutete den Länderabend ein, zu dem die gleichnamige Überwälder Gruppe eingeladen hatte. Das südostasiatische Land mit seinen Sitten und Gebräuchen, mit seinen Menschen und seinen Religionen ist auch Thema des Weltgebetstags am 3. März, worauf an diesem Tag hingewiesen wurde. Und da Informationen auch durch den Magen gehen, gab es für die Besucher einige philippinische Spezialitäten zu verkosten.

Gabriele Forrester, die Leiterin des Länderabendteams, hatte mit ihren Mitstreitern ein buntes Programm, prall gefüllt mit Infos zu allen Facetten des dortigen Lebens, zusammengestellt. Über Land und Leute wurde informiert. Die Lebenswirklichkeit der Menschen, vor allem der Frauen und Kinder, stand im Vordergrund. Bilder, Interviews, kurze Vorträge, Spielszenen, meditative Tänze und Musik wechselten sich in bunter Folge ab.

Das Wort „Mabuhay“, mit dem der Abend eingeläutet wurde, wird in dem Inselstaat vielfältig verwendet. Es kann auch „Hab ein langes Leben“ bedeuten, „Zum Wohl“, „Hurra“ oder „Tschüss“. Einfach ein Gruß, „der immer passt“, so Forrester. Sie ging auf die „ziemliche Strecke“ ein, die man vom vergangenen Jahr mit Kuba als Thema jetzt einmal quer über den Pazifik zurücklegte.

Als „ein Land voller Schönheiten und Gegensätze“ charakterisierten die ehrenamtlichen Aktiven den Inselstaat. Mehr als 7000 Eilande umfasst er, nur um die 1000 davon sind bewohnt. Es gibt drei Hauptinselgruppen: Luzon im Norden und Westen, Visayas in der Mitte und Mindanao im Süden. Das überwiegend katholische Land zählt inzwischen über 100 Millionen Einwohner. Mehr als ein Zehntel davon, elf Millionen Philippinos, verdient sein Geld aber im Ausland als Gastarbeiter.

Ali aus dem Team der engagierten Kräfte, die aus Schönmattenwag und der Kerngemeinde, aus Siedelsbrunn, Löhrbach, Abtsteinach, Aschbach und Affolterbach stammen, stellte die Flagge vor. Die Farbe Rot stehe für Mut und Tapferkeit, Blau für Idealismus und Patriotismus, Weiß für Reinheit und Frieden. Die drei Sterne kennzeichneten die drei Inselgruppen. Die Sonne mit ihren acht Strahlen steht für die acht Provinzen, in denen die Freiheitsbewegung des 19. Jahrhunderts ihren Ursprung nahm.

Neben fünf Prozent Moslems stellen auch die Protestanten mit etwa sieben Prozent der Bevölkerung eine religiöse Minderheit gegenüber den 80 Prozent Katholiken dar. Glaube und Spiritualität prägen die philippinische Kultur. Forrester wies in diesem Zusammenhang auf eine El-Nino-Figur hin, ein selbst gebasteltes Christkind, das in Brokatstoff eingeschlagen ist. In dem Inselstaat „hat sich viel magisches Denken aus der Zeit vor der Christianisierung durch die Spanier erhalten“, sagte sie.

Die früheren Herren kommen auch noch im Wappen zum Ausdruck: Der spanische Löwe auf rotem Hintergrund, der amerikanische Bundesadler vor dem Blau. Wobei bereits arabische Händler ab dem 13. Jahrhundert dort Handelskolonien errichteten. Deren Widerstand gegen die spanische Herrschaft auf Mindanao spiegelt sich heute noch in der dortigen muslimischen Minderheit wider.

Neben dem Tagalog ist nach wie vor Englisch Amtssprache, was von der dichten Durchdringung des gesamten Lebens durch die Amerikaner während deren Herrschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeugt. Mit einem Kinderlied vom „Kleinen Haus auf Stelzen“ kam anschließend die Nationalsprache zu ihrem Recht. Verschiedene tropische Früchte, Linsensuppe mit Mangold, Kokoskuchen oder ein Nudelgericht zeigten die kulinarische Vielfalt des Landes, dessen Küche aber vor allem von Reis geprägt ist.

„Was ist denn fair?“ lautet das Motto des Weltgebetstags. Gerechtigkeit und Fairness waren deshalb auch Thema des Länderabends. Und mit diesen Begriffen ist es heutzutage noch nicht so weit her, wurde durch die Berichte deutlich. Da ist die muslimische Minderheit, die sich drangsaliert fühlt, hier ist die mangelnde Ökumene, dort sind es politische Ungerechtigkeiten, die die sozialen Spannungen wachsen lassen. „Vor allem die Frauen setzen sich stark für Frieden ein“, berichtete Forrester. Schwester Mary John Mananzan ist hier ein leuchtendes Beispiel. Ihr „Freundeskreis der Arbeiter“ ist laut der Ehrenamtlichen „typisch für eine Kultur, die nicht auf Konfrontation aus ist“.

Auf dem Papier, verdeutlichten die Aktiven, sei der Inselstaat „ein Musterland der Demokratie“, In der Realität sehe es aber anders aus. Die Elite habe eine „Plünderungsmentalität“ entwickelt. Korruption sei weit verbreitet. Die Marcos-Diktatur ist noch in unguter Erinnerung und auch der jetzige Präsident Rodrigo Duterte, der erste aus Mindanao, wird aufgrund seiner martialischen Äußerungen und Handlungen mit Argusaugen beobachtet. Auch geographisch steckt das Land voller Gegensätze: auf der einen Seite zerstörerische Naturgewalten wie Vulkane und Taifun, auf der anderen Seite große landschaftliche Schönheit.

Liste der Mitwirkenden:

Gabriele Forrester:  Moderation, Musik, Gesamtleitung

Susi Gerl: Moderation, Glockenspiel und Xylophon, Tänze

Susanne Bürner: Gitarre, Gesang u. Tanz; philippinische Ärztin; Darstellerin beim Schattenspiel

Christiane Rohr: Klavier; Gesang u. Tanz, Darstellerin der „Justitia“ bei der Titelbildmeditation

Jonathan Forrester : Trompete, Perkussion; philippinischer Matrose

Hedi Wenzel: meditative Texte, Gesang u. Tanz; philippinische Krankenschwester, Landarbeiterin

Maria Schroth: Gesang u. Tanz; Landarbeiterin u.Straßenverkäuferin, alleinerziehende Großmutter

Bärbel Friberg:, 90jährige ehem. Zuckerrohrarbeiterin, Großmutter eines erschossenen Straßenkinds

Christel Weiß:  Gesang und Tanz; Landarbeiterin auf dem Reisfeld

Ali Abu Nasser : Landinformation, Hilfe bei der Organisation

Giselher Groß : Schiffskapitän

Bei der Organisation im Hintergrund wurde Gabriele Forrester von Ali Abu Nasser, Jonathan Forrester und Hedwig Wenzel unterstützt; wegen krankheitsbedingter Ausfälle mussten Maria Schroth, Hedi Wenzel und Christel Weiß die Arbeit in der Küche ganz ohne das Team der ev. Kirchengemeinde übernehmen.

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