„Christen für Afrika“ finanzieren Nähwerkstatt: Unterstützung aus dem Überwald für zwangsverheirate Frauen in Burkina Faso

Die Hilfe zur Selbsthilfe in Imasgo trägt Früchte. Wie Martine Rüdinger vom Verein „Christen für Afrika“ berichtet, wurde bei ihrem letzten Aufenthalt in dem westafrikanischem Staat die Nähwerkstatt eingerichtet. Es galt dabei, die „Hardware“ in Form von Nähmaschinen zu besorgen und einen Schneider als Ausbilder zu gewinnen. Junge, zwangsverheiratete Frauen, die in Burkina Faso der ungewollten Ehe entflohen sind, können sich dort ihren Lebensunterhalt verdienen.

„Sieben haben sofort ihre Ausbildung begonnen“, freut sich die Hammelbacherin Rüdinger. Zwei der zwischen 15 und 20 Jahre alten Mädchen eignen sich Kenntnisse als Weberin an, eine lernt den Beruf als Friseurin. Vereinsvorsitzender Franz Stevens war vor kurzem dort und berichtete: „Alles läuft gut.“ Die jungen Frauen, von ihren Familien verstoßen, stehen ohne alles da und seien froh, bei den katholischen Schwestern in Imasgo untergekommen zu sein.

Sie besuchen dort einen Alphabetisierungskurs, der drei Mal in der Woche stattfindet. Um alle Kosten zu decken, werden immer noch Paten für die Mädchen gesucht. Zehn wurden bereits gefunden, berichtete Rüdinger. Beim Januar-Besuch von Stevens wurden die Patenschaftsverträge für die Ausbildung abgeschlossen. „Eine Patenschaft kostet etwa 180 Euro im Jahr“, so Rüdinger. Durch den Austausch von Bildern und Informationen zwischen Patenfamilie und „Patenkind“ gebe es einen „ganz direkten Kontakt“ zu den begleiteten jungen Frauen.

In den drei Wochen vor Ort war für Rüdinger Etliches zu tun. Immer im Blick ist die vom Verein finanzierte Schulkantine, für die der Verein jedes Jahr etwa 6000 Euro zuschießt. Wie Rüdinger erläutert, wüssten die Partner vor Ort, „dass sie sich auf Dauer selbst unterhalten müssen“. Es gebe auch bereits gute Ideen für die laufende Finanzierung.

Spenden werden bei der Teilnahme an verschiedenen Veranstaltungen in Hammelbach und Grasellenbach gesammelt. „Wir nehmen das Geld immer selbst in bar dorthin mit“, verdeutlicht Rüdinger, dass es keine Umwege gibt. Und sorgen dafür, dass sich eigenes Engagement entwickelt. „Die Leute sind stolz auf das, was sie geschafft haben“, berichtet sie.

In der Grundschule werden inzwischen 300 Kinder in der 2011 eingerichteten Kantine versorgt. Dort erhalten die Schüler, die teilweise einen mehrere Kilometer langen Schulweg zu Fuß oder mit dem Rad hinter sich haben, mittags ihr Essen. „Vorher wurde draußen gegessen“, macht Rüdinger deutlich, dass es in der Region an allem fehlt.

Damit nicht nur Reis auf den Teller kommt, wurde ihren Worten zufolge in der Grundschule damit begonnen, einen Garten anzulegen. Dort sollen Bohnen angepflanzt werden. Auch ist angedacht, um das Schulgelände herum eine Mauer zu ziehen, sodass nicht jeder reinkommen kann. Damit die Kinder, die bisher nur das engste Umfeld kennen, „einmal aus dem Dorf herauskommen“, steht auch ein Ausflug auf der Wunschliste ganz oben.

Die Realschule des Ortes möchte nun auch eine Kantine einrichten. Der dortige Direktor hat laut Martine Rüdinger gute Ideen, „damit Geld reinkommt“. So sei unter anderem an eine Hühnerfarm gedacht, um mit dem Erlös einen Teil der Kosten bestreiten zu können. Rüdinger verdeutlicht, dass „die Menschen aber nicht nur die Hand aufhalten“ und darauf warteten, dass andere etwas tun. Vielmehr handle es sich beim Elternbeirat „um ein dynamisches Team“, das aus eigenen Kräften etwas bewirken wolle und dafür auch gute Ideen mitbringe.

Was der Verein „Christen für Afrika“ in Burkina Faso leistet, ist die klassische Hilfe zur Selbsthilfe. Die Hammelbacherin Martine Rüdinger arbeitet vier drei Jahren in der Birkenauer Vereinigung mit. „Wenn man regelmäßig dort ist, merken die Menschen, dass sie nicht allein sind und bekommen dadurch Motivation, selbst was auf die Beine zu stellen“, erläutert sie.

Rüdinger, selbst im Kongo groß geworden, gibt freimütig zu: „Ich dachte am Anfang, das schaffe ich nicht.“ Denn im Verhältnis zum für afrikanische Verhältnisse weit entwickelten Kongo sei Burkina Faso ein sehr armes Land. Die trockene Savannengegend biete nur ganz wenige Anbau- und Arbeitsmöglichkeiten, sagt sie. „Die Menschen dort sind sehr nett und trotz ihrer Armut zufrieden mit dem Leben“, weiß sie aber aus ihren Besuchen.

70 Prozent der Bevölkerung seien unter 25 Jahre alt. Die jungen Leute hätten eine ganz schwierige Zukunftsperspektive. Am ehesten fänden noch die eine Stelle, die eine gute Schulausbildung erhielten und danach vielleicht als Lehrer, in Ämtern oder als Krankenschwestern arbeiten könnten, berichtet sie. Und um diese Schulausbildung zu ermöglichen, setzen sich die Christen für Afrika ein.

Info: Vorsitzender Franz Stevens von den „Christen für Afrika“ ist unter Telefon 06201-31697 zu erreichen. Hintergründe auch auf http://www.christen-fuer-afrika.de

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