Von den Flüchtlingen wird das Wald-Michelbacher Begegnungscafé „toll angenommen“

Der Andrang der Flüchtlinge ist ungebrochen, an deutschen Besuchern dürften es gerne ein paar mehr sein: Das Begegnungscafé, derzeit noch im Winterdomizil evangelisches Gemeindehaus, ist zu einer begehrten Kontakt- und Infobörse der in Wald-Michelbach untergebrachten Asylsuchenden geworden. „Es ist sehr schön, dass so viele aus unterschiedlichen Ländern da sind“, freute sich Flüchtlings-Koordinatorin Gabi Michel-Mieslinger. Gertrud Lammer, die das Café ins Leben rief und auch jedes Mal organisiert, registrierte jetzt „so viele Kinder wie noch nie“.

Eine afghanische Familie mit einem kleinen Mädchen, die noch nicht lange im Überwald zuhause ist, fand dort gleich Anschluss an Landsleute. „Denen hat es total gefallen und sie waren begeistert“, beobachtete Michel-Mieslinger. Allerdings hat diese Familie wie auch andere noch keine deutschen Paten, weshalb Gertrud Lammer die Bitte an die Wald-Michelbacher richtet, sich für die ehrenamtliche Aufgabe bei ihr zu melden.

Die afghanischen Familien lebten derzeit in großer Unsicherheit, weiß die Flüchtlingskoordinatorin. Grund seien mögliche Ablehnungen des Asylantrags, weil Teile des Landes von den Behörden als sicher eingestuft würden – auch wenn jetzt einzelne Bundesländer die Abschiebungen stoppten. Dazu kämen weiterhin lange Bearbeitungszeiten der Asylanträge. Teilweise seien die Menschen schon ein halbes Jahr und länger im Ort, ohne einen Bescheid bekommen zu haben.

Wie der dann ausfällt, steht laut Michel-Mieslinger in den Sternen: „Wir hatten auch schon Ablehnungen“, berichtete sie. Allerdings auch Nachrichten über ein gewährtes Aufenthaltsrecht für drei Jahre, wie es derzeit maximal ausgesprochen werde. „Die Menschen sind sehr sehr ängstlich“, betonte sie, „sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen“.

Dazu kommt ihren Worten zufolge die Schwierigkeit auf dem Arbeits- und Wohnungsmarkt. Wenn Arbeitgeber und Vermieter damit rechnen müssten, dass die Flüchtlinge in den kommenden Monaten abgeschoben würden, „wer stellt dann jemanden ein oder vermietet ihm eine Unterkunft“? Auch dürften die Immigranten ohne Aufenthaltserlaubnis keinen Integrationskurs besuchen, „deshalb ist das sprachliche Handicap groß“. Seitens der Ehrenamtlichen versuche man dies über die vor Ort angebotenen Sprachkurse abzufedern.

Die aber zeigen Wirkung. Abseits des „Formularkrams“ führen die besseren Sprachkenntnisse der schon länger hier lebenden dazu, dass interessierte Nachfragen zum örtlichen Leben gestellt werden. „Manche wollten wissen, warum Plakate mit den Gesichtern von Menschen an den Straßen hängen“, schmunzelte Lammer mit Blick auf die Bürgermeisterwahl. Die beiden Ehrenamtlichen erklärten dann das Prinzip der kommunalen Demokratie in Deutschland. Anderen wiederum war das Prinzip des Schneeräumens nicht klar, warum an manchen Stellen viel, an anderen kaum geräumt werde. Die dritten tauschten sich mit deutschen Helferinnen über Kochrezepte aus.

Die Kinder sind laut Gertrud Lammer oftmals das verbindende Element. Sie spielten in der Bastelecke zusammen, ohne sich verbal zu verstehen, helfen sich aber bei den einzelnen Handgriffen. Die Mütter auf der anderen Seite „tauschen sich in einer Mischung von Deutsch, Arabisch und Paschdu, gepaart mit Mimik und Zeichensprache“ über die Entwicklung ihrer Zöglinge aus. „Das klappt super“, so Michel-Mieslinger, und sei der „Riesenvorteil“ des Begegnungscafés.

Damit die Flüchtlinge „auch mal deutsches Gebäck kennenlernen und nicht nur das aus ihren Heimatländern“, wünschen sich beide eine größere Teilnahme der Einheimischen. „Wir schmoren im eigenen Saft“, drückte es Lammer plastisch aus. Denn von den Asylsuchenden werde die Veranstaltung „toll angenommen“. Sie hat oft beobachtet, dass die Menschen mit ihren Problemen hinkommen, die dann in der Regel vor Ort gelöst werden könnten. Die Organisatoren des Begegnungscafés freuten sich sehr über eine Spende von 300 Euro, die AWO-Vorsitzende Christine Engesser dieser Tage übergab.     (Archivbild)

Info: Das Begegnungscafé findet immer jeden ersten Samstag im Monat statt, im März noch einmal im evangelischen Gemeindehaus, danach über den Sommer wieder im Einhaus. Helfer dabei sind gerne gesehen, diese können sich bei Gertrud Lammer unter Telefon 06207/923515 melden. Wer gerne eine Patenschaft für eine Flüchtlingsfamilie übernehmen möchte, kann sich unter Telefon 06207/9499220 oder E-Mail Waldmichelbachhilft@web.de bei Gabi Michel-Mieslinger melden.

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