Abschied von einer Naturkonstante im ÜWG-Kosmos: Der stellvertretende Schulleiter Rainer Werner wurde in Wald-Michelbach in den Ruhestand verabschiedet

Mit dem Satz „Viele von uns können sich ein ÜWG ohne dich, lieber Rainer, gar nicht vorstellen“, sprach Schulleiter Reinhard Fahrenholz den Gästen der Verabschiedung aus der Seele. Denn mit seinem Stellvertreter Rainer Werner ging ein Urgestein des Überwald-Gymnasiums in Rente. Er wurde von den Kollegen in einer mit viel Liebe gestalteten Feier gewürdigt, in der die Wertschätzung für den „Mann für alle Fälle“ deutlich wurde.

„Ich bin mir gar nicht so sicher, ob du dir wirklich ein Leben ohne das ÜWG vorstellen kannst“, machte Fahrenholz deutlich, dass der rüstige Rentner von Pflichtbewusstsein durchdrungen war. Dieser habe es sich nicht nehmen lassen, in den ersten beiden Tagen seines Ruhestands noch die Mathematik-Kurse zu unterrichten. Denn ein „schulisches Erdbeben“ habe das ÜWG erschüttert: „Wir hatten einen Rekord beim Abwesenheitsstand.“ Was dazu führte, dass am Morgen vor der Feier Rainer Werner noch bei der Erstellung des Vertretungsplans ertappt wurde.

„Viele sagten, du bist das ÜWG“, meinte Fahrenholz an Werner gewandt. Was auch bedeute: „Ohne dich kann das ÜWG gar nicht existieren“, schmunzelte er. In den mehr als 25 Jahren am Gymnasium, davon über 18 Jahren als stellvertretender Schulleiter, habe er fast nie gefehlt. „Du warst der verlässliche Pfeiler, auf dem der Alltag ruhte.“ Werner sei ein perfekter Organisator, „dir entgeht kein Problem und kein Detail“. Für das Kollegium hatte der Neu-Ruheständler „immer ein offenes Ohr“.

„Du wirst uns mit deinen vielen Detailkenntnissen fehlen, wir werden Aufgaben neu und anders verteilen müssen, wir werden länger über Formularen, Listen und Plänen brüten, es werden Dinge im Alltag schief gehen, die du vorhergesehen und geregelt hättest“, meinte Fahrenholz. Auch die Übergabe der Amtsgeschäfte habe Rainer Werner rechtzeitig und perfekt vorbereitet – „allerdings ist leider noch niemand da, dem du das übergeben kannst“. Daran arbeite man noch. Die Auswahl soll zwischen zwei externen Bewerbern fallen.

Bürgermeister Joachim Kunkel würdigte die stets gute Zusammenarbeit mit der Gemeinde. Er betonte, wie wichtig das Überwald-Gymnasium für den Schulstandort und damit auch die Attraktivität Wald-Michelbachs als ländliche Kommune sei. Elmar Berghaus betonte für den Personalrat, Werner sei „im ÜWG-Kosmos eine Art Naturkonstante gewesen“. Er habe immer darauf hingewirkt, verlässliche Arbeitsbedingungen zu erreichen. „Ohne Bärbel wäre das alles nicht gegangen“, spielte Berghaus auf das Verständnis von Werners Ehefrau für das enorme Arbeitspensum ihres Mannes an.

Thomas Wilcke, Leiter der benachbarten Eugen-Bachmann-Schule, sprach vom Ruheständler als jemandem mit einer „kerzengeraden Art und Weise“, wie er an die Dinge herangegangen sei. Die lösungsorientieren Ansätze hätten zu „guten und raschen Entscheidungen“ geführt. Die vielen organisatorischen Überschneidungen der beiden Schulen brachten „mannigfaltige Anforderungen“ mit sich, so Wilcke.

„Worte können nicht beschreiben, was Sie für uns geleistet haben“, brachte es Schulsprecher Daniel Ehlers stellvertretend für seine vier Mitschüler auf den Punkt. Deshalb wolle er es in Form von Zahlen tun: „Sie haben immer 110 Prozent geleistet“, so Ehlers. „Für uns geht eine Ära zu Ende.“ Acht Jahre an der Schule seien nichts im Vergleich zu Werners über 25.

„Ihr Name bürgt für eines: Zuverlässigkeit“, hob Martina Tavaglione als Vorsitzende des Schulelternbeirats hervor. Rainer Werner hatte ihren Worten zufolge immer einen Rat für Hilfe suchende, „ohne auf die Uhr zu schauen“. Wenn es darum gegangen sei, Neues umzusetzen, „waren Sie vorn mit dabei“, meinte sie.

Der so Gelobte zeigte sich „sehr überwältigt und außerordentlich berührt“. Die Worte der Laudatoren zeigten, „dass ich in der Vergangenheit einiges richtig gemacht habe“ und sich die Anzahl der Fehler in Grenzen hielt. Die beiden Schulleiter, Reinhard Fahrenholz und sein Vorgänger, hätten ihm aber auch viele Freiheiten gelassen und seien „verlässliche Ansprechpartner“ gewesen.

Rainer Werner listete die Vielzahl an Herausforderungen in den vergangenen Jahren auf, etwa „G8 und wieder zurück“, Einrichtung von Bläser- und Gesangsklassen oder die Einführung der Budgetierung. „Es gibt keinen Stillstand“, betonte er. Für die Zukunft wünschte er den Kollegen geringere bürokratische Anforderungen, „damit man Zeit hat für wirklich wichtige Dinge: nämlich Unterricht“.

 

Für die Verabschiedung hatten sich Kollegen und Ensembles ein abwechslungsreiches Programm überlegt. Den Beginn machten die „Brass Stars“ unter Leitung von Werner Marquard. Die Folk-AG um Thomas Braun und Elmar Berghaus war krankheitsbedingt etwas dezimiert und spielte zwei Stücke. Die Fachschaften Mathematik und Physik hatten einen vielbeklatschen Mathe-Song mit Rapper Ulli (Krell) einstudiert. Ein weiterer Beitrag beleuchtete als Sketch die Lösung einer Rechenaufgabe im familiären Umfeld.

Ein großer Kollegiumschor fand sich dann zu zwei Liedern auf der Bühne ein. „Always look on the bright side of Life“, passenderweise mit Ulli Krell und wehendem Haupthaar in der Rolle des Eric Idle, bildete den Auftakt. „Come on Rainer“, war nicht nur dieser Textteil auf den Ruheständler umgeschrieben. Mit „Oh Rainer, oh Rainer“ kam im zweiten Lied rüber, was er für die Lehrerschaft bedeutete: „Das ÜWG wird ohne dich nicht mehr das gleiche sein.“

Im Anschluss standen die Gäste noch lange bei einem Umtrunk und Häppchen in der Aula des Gymnasiums zusammen und ließen die vergangenen Jahre Revue passieren. Rainer Werner hatte sich bereits in seinen Dankesworten über die Anwesenheit von vielen ehemaligen Kollegen gefreut. Auch von der Familie waren Kinder und Enkel gekommen.

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