„Abgefahrene“ Verwendung für die Stiftungsgelder: Staatsminister Axel Wintermeyer besuchte die von „Miteinander in Hessen“ geförderte Radlerinfostation in Wahlen

Großer Bahnhof für den Staatsminister an der neuen Radlerinfostation auf dem alten Bahnhofsgelände. Doch bis der hessische Staatskanzlei-Chef Axel Wintermeyer im Grasellenbacher Ortsteil eintraf, mussten sich die Gäste noch etwas gedulden. Denn zuerst hatte sich der Landesbeamte in Rothenberg beim Gespräch über die Oberzent-Fusion mit den dortigen Bürgermeistern „verquatscht“ und dann auch noch für den Weg die Bergetappe über die Raubach gewählt.

Doch die Mitglieder der Initiative „Wir sind Wahlen“ harrten geduldig im Trockenen aus, bis der hohe Gast, gleichzeitig auch Vorsitzender der mitunterstützenden Landesstiftung „Miteinander in Hessen“, bei ihnen eingetroffenen war. Mit Karin Hartmann (SPD), selbst in der Initiative aktiv, und Peter Stephan (CDU) waren auch zwei Landtagsabgeordnete dabei. Für den Kreis war die Erste Beigeordnete Diana Stolz vor Ort, um sich die über Verwendung der weiterhin zur Verfügung gestellten Leader+-Mittel zu informieren.

Bürgermeister Markus Röth begrüßte den Mann aus der Staatskanzlei am ehemaligen Sackbahnhof von Wahlen, der 1983 nach Stilllegung des Überwald-Streckenabschnitts von der Gemeinde aufgekauft wurde. „Wir sind dabei, was Sinnvolles zu machen“, so Röth. Es sei der Segen der ehrenamtlichen Betätigung, dass die Zuschussgelder in dieser Weise gewinnbringend eingesetzt werden könnten. „Das hat ‚Wir für Wahlen‘ gut hingekriegt“, lobte der Rathauschef. Auf diese Weise lasse sich beispielhaft der Strukturwandel im ländlichen Raum gestalten.

Aufs freiwillige Engagement der Bürger ging auch Wintermeyer ein. Die Landesstiftung, nicht umsonst unter dem Namen „Miteinander in Hessen“ firmierend, versuche das ehrenamtliche Engagement zu pflegen. Um zu sehen, was aus diesem entstehe, sei er nach Wahlen gekommen. „Im ländlichen Raum wird die Gemeinschaft hochgehalten“, lobte der Staatskanzlei-Chef. Er dankte für den ehrenamtlichen und auch finanziellen, „nicht selbstverständlichen“ Einsatz.

Das Ehrenamt, betonte der Wiesbadener Behördenleiter, dürfe allerdings „kein Lückenbüßer sein“, sondern nur Lückenfüller. Und zwar dort, wo Bund, Land und Kommunen nicht in der notwendigen Tiefe unterstützen könnten. 67.000 Euro förderfähige Mittel bildeten die Grundlage für den Stiftungszuschuss, 50 Prozent davon flossen nach Wahlen. Wintermeyer freute sich über diese Summe, die mithelfe, als dem alten Areal „etwas Anständiges zu machen“.

Bernd Daub stellte den Gästen den im vergangenen Jahr innerhalb von sechs Monaten zum Großteil in Eigenarbeit errichten Bau vor. Gewählt wurde beim 14 mal 6,25 Meter großen Komplex eine integrativ-inklusive Betrachtungsweise. Neben acht Ladestationen für E-Bikes gibt es am Parkplatz auch eine für Elektroautos. Ebenfalls entstand ein Behinderten-WC. Die Toilette soll bei örtlichen Festen wie der Kerwe bei dringenden Bedürfnissen für Abhilfe sorgen. Ziel von „Wir sind Wahlen“ ist es nicht nur mit dieser Maßnahme, „den Ortsteil für Mitbürger und Gäste noch attraktiver zu gestalten“. Es sei schon zu beobachten gewesen, dass Besucher aus umliegenden Orten das Angebot im Spätjahr nutzten, sagte Daub.

Die Finanzierung stand vor allem durch Zuschüsse: Über das Leader+-Programm wurde die Maßnahme mit 75.000 Euro gefördert, 33.500 Euro gab es von „Miteinander in Hessen“. Bereits vor drei Jahren hatte die Initiative von der Hopp-Stiftung die Zusage über 10.000 Euro bekommen. Dazu kamen noch teils großzügige Spenden von Vereinen und Privatpersonen. Damit sei es für „Wir sind Wahlen“ möglich gewesen, das Projekt Radlerstation „durch ehrenamtliches Engagement mit geringer Kostenbeteiligung der Gemeinde zu realisieren“, so Daub.

Zum Komplettpaket zählen daneben noch der Ulfenbachpfad und die Beschilderung. „Wir sind Wahlen“ kümmerte sich darüber hinaus um die Wiederinstandsetzung des am anderen Bachufer gelegenen Kinderspielplatzes, der über eine kleine Brücke zu erreichen ist. Trotz Matsch und Schneeresten beschritt die etwa 30-köpfige Gruppe dann diesen Weg, um mit dem Minister-Besuch alles in Augenschein zu nehmen.

Sebastian Schröder von der Zukunftsoffensive Überwald erläuterte beim Abschluss-Stopp im Warmen das Entstehen des Bürgerengagements. Im Rahmen des IKEK-Programms hätten sich in Grasellenbach mehrere Gruppen gebildet, von denen „Wir sind Wahlen“ überdauerte. Die Initiative kann aus einen Pool von weit über 70 Helfern für die verschiedenen Projekte schöpfen. Die Reinigung von Erholungsanlage Tretbecken und Freizeitanlage Tennisplatz steht jedes Jahr auf der Agenda. „Wir sind Wahlen“ vereine Jung und Alt, „die sich sonst nicht treffen würden“. Bei aller Arbeit spiele auch der Kommunikationsaspekt eine Rolle, wenn durch das gemütliche Beisammensein nach dem Tagewerk gesellschaftliche Kontakte geknüpft würden.

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