Meinungsvielfalt beim Antikorruptionsbeauftragten: Kandidaten-Vorstellung zur Bürgermeisterwahl in Wald-Michelbach

„Braucht Wald-Michelbach einen Antikorruptionsbeauftragten?“, lautete etwas provokant die Frage von Moderator Jörg Maletz bei der Kandidaten-Vorstellung zur Bürgermeisterwahl in Wald-Michelbach am 12. März. Zu der Veranstaltung des Bürgerforums Überwald waren Martina Tavaglione, Frank Derikatz, Dr. Sascha Weber und Christiane Hennrich gekommen. Maletz leitete das Thema mit einem „Märchen“ aus der nächsten Umgebung ein, wie dort bei einer Auftragsvergabe „gemauschelt“ worden sein soll.

Die Bandbreite bei den Antworten der vier Bewerber für den höchsten Rathaus-Posten war groß. „Ich bin definitiv dafür“, sagte Hennrich. Wenn man Verwaltungsarbeit transparent gestalten wolle, würde ein solcher Mitarbeiter „für die Zukunft Ruhe reinbringen“, meinte sie. Dieser Angestellte könne auch eine beratende Funktion im Vorfeld übernehmen.

Für Sascha Weber ist es unerlässlich, dass es ganz klare Vergabekriterien für öffentliche Aufträge gibt. Ihm geht es aber auch, dass diese möglichst in der Region bleiben und Unternehmen zum Zuge kommen, die sich an einschlägige Vorschriften halten bzw. gerechte Löhne zahlten. Der Bewerber sah es als „zentrale Aufgabe“ eines Bürgermeisters an, über die ordnungsgemäße Vergabe zu wachen. „Erst einmal nicht notwendig“, meinte Weber zu einem Antikorruptionsbeauftragten, aber bei Notwendigkeit durchaus überlegenswert.

„Ich bin nicht käuflich“, sagte Frank Derikatz, deshalb benötige er als Bürgermeister auch keinen Antikorruptionsbeauftragten. „Wir wollen Geld sparen“, so der Kandidat, weshalb er eine solche Stelle als unnötig erachtete. Martina Tavaglione sah einen aus der Verwaltung herausgedeuteten Mitarbeiter mit einer „undankbaren Aufgabe“ bedacht. Wer schon jahrelang mit den Kollegen zusammenarbeite und jetzt im Zweifelsfall gegen sie handeln müsse, tue dies bestimmt nicht gerne. Sie wies darauf hin, dass der Kreis in solchen Dingen Ansprechpartner sei.

Beim Thema „Eine Region im Umbruch, Kultur, sozialer Raum und Wohnraum im Zeitalter des Sozialen Wandels“ konzentrierte sich das Gespräch vor allem auf die Möglichkeit der Beteiligung älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben. Hennrich regte an, den Bewohnern der Altenheime die Teilnahme an Aktionen im Ort zu erleichtern, so etwa der Aktiven Senioren. Auch sollten sie einfacher den ÖPNV nutzen können. „Es fehlen soziale Räume zum Treffen“, meinte die Kandidatin.

Die Gemeinde könne versuchen, steuernd tätig zu werden, sagte Sascha Weber. Er sprach sich dafür aus, das Ehrenamt bei den älteren Mitbürgern zu fördern, damit diese mehr am gesellschaftlichen Leben teilnähmen. In diesem Zusammenhang hielt er auch eine noch stärkere Unterstützung der Vereine als Träger des kulturellen Angebots für angebracht. Ein Jugend- und Seniorenbeirat, um die Betroffenen direkt zu hören, „findet meine Unterstützung“. Weber könnte sich bei Bedarf auch ein Mehrgenerationenhaus vorstellen. Das müsste dann, so Hennrich, barrierefrei gestaltet sein.

In eine ähnliche Richtung ging eine Idee von Frank Derikatz, der betreutes Wohnen für Ältere in der Nähe des Jugendtreffs ins Gespräch brachte. Auch einen regelmäßigen Wochenmarkt, etwa mittwochs, sah er als gute Möglichkeit, Alt und Jung an einem Platz zusammen und ins Gespräch zu bringen. „Das hat was Kommunikatives“, sagte er, denn den Kontakt zwischen den verschiedenen Altersgruppen vermisst der Bewerber in Wald-Michelbach.

„Ein Seniorenbeirat wäre was Tolles“, sprach sich Martina Tavaglione für ein solches Gremium aus. Dort könne man abfragen, was die älteren Mitbürger im Ort als sinnvoll ansähen. Ein Mehrgenerationenhaus sei mit „ganz viel Ehrenamt verbunden“, erläuterte sie anhand von Beispielen. Es gelte entsprechende Gruppen zu finden, die sich einbrächten. Das „unheimlich hohe Gut“ Ehrenamt sollte ihrer Meinung nach noch stärker von der Gemeinde unterstützt werden.

Mit Blick auf die Jugendlichen forderte Hennrich, diesen auch etwas zuzutrauen und sie selbst machen zu lassen. Er könne sich gut eine wie auch immer geartete Rathausstelle im Bereich Jugendarbeit vorstellen, betonte Weber. Die auch anständig bezahlt sein müsse. „Wenn wir wollen, dass was los ist, müssen wir was los machen“, hob Derikatz die Notwendigkeit der Initiative seitens der Gemeinde hervor. Die Tür zum Jugendzentrum sei viel zu oft verschlossen, meinte er.

Advertisements