Bürgermeisterkandidaten-Vorstellung in Wald-Michelbach: Die „essbare Gemeinde“ muss erst einmal wachsen

„Naturnahe Gemeinde, Arbeiten, Wohnen, Energie“ war ein weiterer Themenpunkt der Bürgermeisterkandidaten-Vorstellung auf Einladung des demokratischen Bürgerforums. Wie geschaffen somit für Frank Derikatz‘ Vision einer essbaren Gemeinde, die er mit viel Verve und Überzeugung vortrug. Und damit auch ein Perpetuum mobile des Abends schuf, denn immer wieder kam das Thema aufs Tapet, wurde sowohl von ihm bei anderen Fragekomplexen eingebracht als auch von der Zuhörerschaft in seiner Sinnhaftigkeit hinterfragt.

Derikatz erwähnte Andernach als Vorreiter- der essbaren Gemeinde, die inzwischen deutschlandweit mehr als 100 Nachahmer gefunden habe. Als Projekt „weit gediehen“, sogar schon mit Preisen ausgezeichnet worden seien die Initiatoren. Im Grundsatz geht es darum, dass öffentliche Grünflächen zur Bepflanzung zur Verfügung gestellt werden. Bürger können hier setzen, was sie möchten, die gewachsenen Ergebnisse stehen allen zur Verfügung.

„Jeder kann das Obst und Gemüse ernten, das an allen Ecken und Enden wächst“, erläuterte Derikatz. Allerdings brauche es auch klare Strukturen. Die Umgebung, das Ortsbild werde harmonischer gestaltet, bekomme ein freundlicheres Aussehen. Schulen, Kindergärten, Bürger, aber auch den Bauhof sah der Kandidat hier mit im Boot, hob aber ebenso die generationenübergreifende Kommunikation auf diese Weise hervor. „Das ist keine Spinnerei“, wurde Derikatz mit Hinweis auf erfolgreiche Realisierungen nicht müde zu betonen.

„Die intakte Natur um uns herum ist ein wesentlicher Aspekt unserer Lebensqualität“, postulierte Dr. Sascha Weber. Er sprach sich für eine Fortsetzung der schon bisher betriebenen nachhaltigen Forstwirtschaft aus. Man könne über ein Ausgleichskataster nachdenken, um Flächenverbrauch aufzufangen. Einen ähnlichen Ansatz gab es auch von Christiane Hennrich. Sie hob weiter auf verschiedene Baumfällaktionen ab, deren Sinn sich ihr nicht erschloss.

Eine Baumschutzsatzung, wie sie von den Grünen schon einmal angeregt wurde, empfand sie als „gute Sache“. Hennrich sprach sich dafür aus, das Ortsbild attraktiver zu gestalten „und nicht so kahl zu lassen“. Zwar gehe es immer ums liebe Geld, aber „Stück für Stück“ lasse sich einiges verwirklichen. Steuobstwiesen prägten die Region und würden vor allem von Ehrenamtlichen gepflegt, sagte sie.

Ein Thema, das mit Blick auf die Aktivitäten der Firma Falter in Heddesbach auch Martina Tavaglione ansprach. Diese unterstütze die Wiederanpflanzung alter Apfel- und Birnbaumsorten, was zu einem schönen Ortsbild beitrage. Sie sah zahlreiche Möglichkeiten auf kommunaler Ebene, um hier tätig zu werden. Sie gebe es an der Grundschule Schimmeldewog bereits ein Bienenprojekt, das ÜWG bilde in allen Klassen Energieberater aus. „Das sind Dinge, die von unten nach oben wachsen“, betonte die Kandidatin die Nachhaltigkeit.

Wie kann man mehr Menschen in den Überwald locken, gingen die vier Kandidaten noch auf eine Frage aus dem Publikum ein. Hennrich sprach sich für eine Rückbesinnung auf die Ursprünge aus, für einen attraktiven Tagestourismus, für eine attraktive Wander- und Fahrradwege sowie Angebote für Pferdehalter. Ein „unglaubliches touristisches Potenzial“ attestierte Weber der Region. „Wir müssen endlich anfangen, den Oden- und Überwald viel besser zu vermarkten“, forderte er. Eine wichtige Voraussetzung sei allerdings auch eine bessere Anbindung an die Metropolregion.

„Ruhigen, sanften und friedlichen Tourismus“ nannte Derikatz als Maxime. Denn die Menschen schätzten den Überwald gerade wegen seiner ländlichen Ruhe abseits des Großstadt-Trubels. An schönen speziellen Plätzen könnten Holzhäuser als Wanderziele errichten werden, meinte er mit Blick auf andere Regionen. „Wir sollten auf langsamen Tourismus setzen“, sagte auch Tavaglione. Zum Gesamtkomplex gehöre daneben, dass die Gäste genug Einkehr- und Übernachtungsmöglichkeiten vorfänden.

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