„Mein Leben ist erfüllt mit Musik“: Sieben Chöre feiern am Samstag den 70. Geburtstag des Chorleiters Hans Helfrich aus Scharbach

Die Musik wurde ihm schon in die Wiege gelegt. „Mein Vater sang 60 Jahre im Chor“, lacht Hans Helfrich. Seine Begeisterung für Töne und Noten hat der Musiklehrer und Chorleiter aus Passion auch einem Teil seiner Kinder und Enkel weitergegeben. Sohn Daniel ist bundesweit gefragter Musik-Kabarettist, Enkelin Selina Blessing spielt in der ÜWG-Big Band mit und begleitet den Großvater bei Chorauftritten am Klavier. Helfrichs 70. Geburtstag vom Montag wird an diesem Samstag in großen Rahmen gefeiert. Dann kommen alle sieben von ihm geleiteten Chöre mitsamt Verwandten und Freunden in Falken-Gesäß zur Feier zusammen.

Denn die dortige Eintracht des Beerfelder Stadtteils zählt zu den „Urgesteinen“ seiner Chorleiter-Tätigkeit. Bereits 1969, noch als Lehramtsstudent, übernahm er den Männerchor, zu dem im Laufe der Jahre Frauen- und gemischter Chor hinzukamen. Insgesamt um die 45 Sänger, die am Samstag auch ihre Stimme erklingen lassen. Ebenfalls 1969, also „schon vor 48 Jahren“, wie Helfrich im Rückblick andächtig feststellt, stieg er beim Liederkranz Gammelsbach ein. Den leitete er bis zum Jahr 2000.

„Jüngeren“ Datums sind seine noch aktuellen Engagements in Ober-Ostern und Hartenrod. Wobei das Wort „jünger“ sich seine Anführungszeichen redlich verdient hat. Denn auch in diesen beiden Orten wirkt er seit 1990 am Dirigentenpult. Der Hartenroder gemischte Gesangverein Immergrün zählt 28 Köpfe, in Ober-Ostern bei Reichelsheim kommen bei Männer-, Frauen- und gemischtem Chor 42 Aktive zusammen.

Doch Hans Helfrich begleitete in seinen (bisherigen) 48 Jahren seines Chorleiterwirkens noch einige andere Klangkörper aus der Region. So lange den Männerchor Ober-Abtsteinach, den es heute nicht mehr gibt. Zehn Jahre den MGV 1951 Wald-Michelbach. Außerdem von 1984 bis 2008 die Scharbacher Waldeslust mitsamt Kinderchor.

Der gebürtige Heppenheimer verbrachte seine Jugendzeit in Wald-Michelbach, war als Jugendlicher beim dortigen Sängerbund und der Feuerwehr-Kapelle sehr aktiv. Klarinette, Saxofon und Klavier sind seine erlernten Instrumente. Nach dem Abitur am Überwald-Gymnasium, dessen 50. Jubiläum er vergangenes Jahr feierte, studierte Helfrich an der Heidelberger PH Lehramt für Grund- und Hauptschulen mit dem Schwerpunkt Musik.

Auch in dieser Tätigkeit ließ ihn der Überwald nie los. 1971 startete er seine berufliche Laufbahn an der Volksschule Unter-Abtsteinach, danach folgte die Schule für Lernbehinderte in Wald-Michelbach, ehe ab 1974 bis zu seiner Pensionierung 2012 die Ulfenbachtalschule in Wahlen seine Wirkungsstätte bildete. Die dortige Wertschätzung kommt auch noch darin zum Ausdruck, wenn die Grundschulkinder am Donnerstag in Scharbach zu einem Ständchen vorbeikommen.

In den Grasellenbacher Ortsteil hat es den Jubilar 1971 nach der Heirat mit seiner Karin verschlagen. Dort wurde das eigene Haus gebaut, das dann Heimat für die nach und nach auf fünf Köpfe anwachsende Familie war. Zu den drei Kindern kamen inzwischen noch zwei Enkel hinzu. „Mein Leben ist erfüllt mit Musik“, betont der agile 70-Jährige. Dass er so lange weitermachen will, wie es seine Gesundheit zulässt, nimmt man ihm sofort ab: „Ich liebe meine Tätigkeit als Chorleiter.“

Mit seinen Chören kommt er auch in der Welt rum. Seit 1989 führen Chorreisen in alle Winkel des Kontinents. Mit seiner Frau Karin testet Hans Helfrich die ausgewählten Ziele erst einmal an, bevor dann gemeinsam ein Programm erstellt wird. Die Organisation übernimmt danach eine auf Chorreisen spezialisierte Agentur. Konzertauftritte logischerweise inklusive.

„Das ist ein einmaliges Erlebnis für die Chöre aus dem Odenwald“, weiß der Dirigent aus Passion. In höchster Qualität. „Wir haben unsere Heimat in ganz Europa sehr gut verkauft“, schmunzelt er. Unter anderem bei einer Papstmesse mit über 100 singenden Teilnehmern aus allen von ihm geleiteten Chören im Petersdom. Oder in Moskau vor dem Patriarch. Oder in Ungarn, Polen, Neapel und zuletzt in Andalusien.

Am Samstag treffen sich in Falken-Gesäß alle sieben Chöre zu einem überdimensionalen Ständchen. Um die 110 Mitwirkenden erwartet das Geburtstagskind zu diesem Anlass. Zusammen mit Verwandten, Bekannten und Freunden „werden es wohl um die 160 Gäste sein“, meint Helfrich. Sohn Daniel, der den Vater schon als 13-Jähriger bei Chorauftritten auf dem Klavier begleitete, wird ebenso für die Unterhaltung dabei sein wie Enkelin Selina, die seit drei Jahren diesen „Job“ am Klavier macht.

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