Veranstaltung des SPD-Bürgermeisterkandidaten Dr. Sascha Weber in Wald-Michelbach: Kommunale Gestaltungsmöglichkeiten für die Energiewende

Wie kann die Energiewende kommunal gestaltet werden?  SPD-Bürgermeisterkandidat Dr. Sascha Weber hatte dazu einen ausgewiesenen Fachmann nach Wald-Michelbach geholt: Dr. Philipp Schönberger, Prokurist und Leiter Kommunalberatung bei der EnergyEffizienz GmbH in Lampertheim. Das Interesse aus der Bevölkerung war groß, wie sich im proppenvollen Nebenraum des Gasthauses „Heid“ zeigte. Viele Interessierte, die sich auch anderen politischen Richtungen zuordnen lassen, waren gekommen.

Wie Dr. Weber einleitend sagte, seien die letzten Monate im Odenwald stark von der Auseinandersetzung über Windenergie geprägt gewesen. Dabei böten auch die anderen alternativen Energieträger wie Sonne, Biomasse, Wasser und Geothermie „vielfältige Möglichkeiten“. Dazu komme das enorme Potenzial durch Energieeinsparung und -effizienz. Auf Initiative der SPD habe die Gemeindevertretung schon 2011 einen Grundsatzbeschluss für die den Einstieg in die Nutzung erneuerbarer Energien gefasst. Dies komme etwa durch die Photovoltaik-Panele auf öffentlichen Gebäuden zum Ausdruck.

Schönberger ging nach einer kurzen Vorstellung der Firma EnergyEffizienz auf die fünf kommunalen Handlungsmöglichkeiten im Bereich Energie und Klimaschutz ein. Dazu zählte er: übergreifende Maß-nahmen, weniger Energieverbrauch der Kommune als Vorbildfunktion, Unterstützung und Information, Regulierung und Planung sowie wirtschaftliche Betätigung.

Wichtig ist es seinen Worten zufolge, Strukturen durch politische Beschlüsse zu schaffen, um eine Zielsetzung für den Ausbau erneuerbarer Energien, Energieeinsparung oder Emissionssenkung vor Ort zu formulieren. Daneben gehe es auch um eine personelle Verankerung in der Verwaltung. So werde die Position eines Klimaschutzmanagers über drei bis fünf Jahre kräftig durch den Bund gefördert.

Der Fachmann erwähnte daneben die Einstiegsberatung für den kommunalen Klimaschutz. Dafür seien 15 Beratungstage vorgesehen, für die der Bund 65 bis 85 Prozent der Kosten im Rahmen der nationalen Klimaschutzinitiative übernehme. Voraussetzung dafür sei, dass auf lokaler Ebene noch kein Klimaschutzkonzept vorhanden sei. Er nannte als Handlungsfelder beispielhaft Informationsveranstaltungen für Politik, Bürgerschaft und Gewerbe/Handwerk, die Vorbildfunktion der Gemeinde und eine Analyse der kommunalen Liegenschaften sowie Handlungs- und Fördermöglichkeiten.

Kommunalberater Schönberger stellte auch ein Handlungsprogramm für Energiewende und Klimaschutz vor, wie es in Lampertheim ausgearbeitet worden war. Hier würden verschiedene Handlungsempfehlungen für den Gebäudebestand genannt, die sich auf Wald-Michelbach übertragen ließen. Er erwähnte unter anderem den Fokus auf die Photovoltaik in Form eines wirtschaftlichen Ausbaus um etwa den Faktor 8. Außerdem Gebäudehüllen-Sanierung und Heizungsaustausch, da Gasheizungen zwar wirtschaftlich seien, man aber damit Klimaziele nicht erreiche.

Schönberger nannte weiterhin die Geschäftsmodelle Nahwärme und Solar-Mieterstrom für Stadtwerke und Energiegenossenschaften. Er empfahl zu berechnen, wo sich Nahwärme mit welcher Anschlussquote lohne. Dieses Thema zog sich auch wie ein roter Faden durch die folgende, vom SPD-Kandidaten Weber moderierte Diskussion. Für Neubauten sollte die Gemeinde möglichst den Effizienzhausstandard KfW-40 Plus und große PV-Anlagen im Kaufvertrag festschreiben. Auch gelte die „kommunale Vorbildrolle bei eigenen Neubauten“. So durch Solarstromerzeugung, Sanierung von und regenerative Heizungsanlagen sowie Neubauten in Passivhaus- oder KfW-40-Plus-Standard.

Auch ohne Geld könne Wald-Michelbach Investitionen in erneuerbare Energien fördern, betonte der EnergyEffizienz-Mann. So etwa durch die Unterstützung von Bürgerenergieanlagen. Hier sei ein möglicher regionaler Partner die Energiegenossenschaft Starkenburg. Man könnte daneben kommunale Dächer zur Verfügung stellen. Bei Solarenergie-Nutzung auf Privatgebäuden sei das hessische Solarkataster als Grundlage für Investitionen in Photovoltaik und Solarthermie hilfreich.

Ein Klimaschutzkonzept könnte konkret umsetzbare Handlungsempfehlungen zur Senkung klimaschädlicher Emissionen vor Ort zu Tage fördern, sagte er. Als Themenfelder nannte Schönberger Bauen und Wohnen, Stromsparen, Energieumwandlung und -versorgung, Möglichkeiten zum Ausbau der regenerativen Energieerzeugung und zur klimaschonenden Mobilität sowie Aufbauoptionen für umweltfreundliche Kraft-Wärme-Kopplung und Nahwärmenetze.

Von Interesse war daneben ein Energiesparmodell für Kindertagesstätten. Die Grundidee lautet Schönberger zufolge, Energiekosten zu senken sowie das Umweltbewusstsein der Kinder und Beschäftigten zu stärken. Dazu gehörten Workshops mit dem Personal oder spielerische Lerneinheiten für die Kinder. Solche Projekte seien auch interkommunal etwa mit den anderen Überwald-Gemeinden denkbar. Der Bund fördere diese Maßnahmen mit 65 bis 85 Prozent der Kosten. Der Eigenanteil der Kommune „wird durch die Energiekosteneinsparung mehr als ausgeglichen“, sagte er.

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