Musikalisch ging’s mit den Starkenburg Philharmonikern beim Neujahrskonmzert in Wald-Michelbach unter südliche Sonne

Eine musikalische Visitenkarte erster Güte, wie man sie im Überwald nur ganz selten zu hören bekommt, lieferten die Starkenburg Philharmoniker bei ihrem Neujahrskonzert in Wald-Michelbach ab. Zweieinhalb Stunden lang nahmen die Musiker ihre Gäste in der sehr gut besetzten Rudi-Wünzer-Halle mit auf eine Reise „Von Spanien nach Südamerika“. Zeitlose Melodien, klassische Juwelen und beschwingte Stücke sorgten dafür, dass der Schnee vor der Halle ganz schnell gedanklich abschmolz.

Mit der Liedauswahl hatte Dirigent Günther Stegmüller einen Glücksgriff gelandet. Sie trugen südländische und südamerikanische Lebensfreude mehr als einmal unter die Zuschauer, animierten zum Mitklatschen, zum Mitswingen – eine Wohltat angesichts der tristen Tage mit Grau in Grau vor dem Fenster. Dazu noch ein Orchester, das sich bestens aufgelegt präsentierte, den einen oder anderen Gimmick im Programm hatte, vor Spielfreude nur so strotzte: die besten Voraussetzungen für ein mitreißendes Konzert.

Mehr als einmal fühlten sich die Zuhörer mit geschlossenen Augen in eine spanische Stierkampf-Arena versetzt, wo der Torero heldenmütig dem wilden Stier gegenüber tritt. Die Musiker vermochten dieses Aufeinandertreffen kongenial auf den verschiedenen Instrumenten und mit perfektem Zusammenspiel umzusetzen. Mit jedem Stück versprühten die Starkenburg Philharmoniker Temperament und Lebensfreude, rissen richtiggehend mit.

Dass so etliche Melodien aus dem südlichen Kulturkreis Eingang in populäre Songs gefunden hatten, ohne dass dies den Zuschauern zuvor bewusst war, zeigte sich immer wieder. Ein gutes Beispiel hierfür war „Tico-Tico no Fubá“, aber auch das abschließende „Valencia“. Hier wirkten die beiden Solisten noch einmal gemeinsam und forderten damit einen nicht enden wollenden Beifall heraus.

Schon zuvor hatten die Koloratur-Sopranistin Anna Tsartsidze und Tenor Harrie van den Plas mehreren Liedern ihren Stempel aufgedrückt – er etwa bei „Granada“ von Augustin Lara oder sie bei „La tarántula“ aus „La Tempranica“ von Gerónimo Giménez. Wobei die Georgierin mit ihrer saalfüllenden Stimme die Vorteile klar auf ihrer Seite hatte und problemlos das Orchester übertönte. Was es mit den einzelnen Stücken auf sich hatte, vermittelte in ihrer gewohnt souveränen Moderation Dagmar Weber.

Schon mit dem ersten Stück, dem „Danzon Nummer 2“ des bekannten Komponisten Arturo Márquez, gab das Ensemble mit Musikern aus der gesamten Metropolregion die Marschrichtung für den Abend vor. Nach dem einleitenden Solopart der Klarinette und den einsetzenden Bläsern lebt der Tanz von den eingestreuten Brüchen. Mal sind es die Geigen, mal Klavier und Streicher, dann wieder Bläser, die den Ton angeben. Das epische Stück zeigt die ganze Klangfülle des Südens, füllt den Saal beim Zusammenwirken aller bis in den letzten Winkel aus, lässt die wärmende Sonne aufgehen, die bis zur Zugabe über der Rudi-Wünzer-Halle strahlen wird.

Ohne Herz und Schmerz geht es in der mediterranen Musikliteratur eigentlich nie. Anna Tsartsidze hat bei der Arie aus dem „Barbero de Sevilla“ das erste Mal die Möglichkeit, ihre alles überstrahlende Stimme einzusetzen. Der „España Walzer“ wiederum schafft musikalisch den alten Habsburger Brückenschlag zwischen Österreich und Spanien, die ja früher monarchisch verbunden waren. Mal dominieren alpenländische Klänge, mal spanische Lebensfreude. Mit Johann Strauss Sohn kommt in Form des „Spanischen Marsches“ ein anderer Vertreter „nicht-iberischer Musik“ zu seinem Recht.

Kastagnetten und fanfarenartige Trompeten verwandeln beim „Españia Cani“ die Wünzer-Halle in eine Stierkampfarena. Temperamentvoll spielt das Orchester schwitzend unter gefühlt glutheißer Sonne, Dirigent Stegmüller animiert zum Mitklatschen. Mit einem fulminanten Schluss lässt das „Intermedio“ von Giménez nur das Beste für die zweite Hälfte erwarten.

Eine Erwartung, die natürlich erfüllt wird. Allein Márquez‘ „Conga del Fuego“ mit wildem Schlagwerk-Rhythmen und außergewöhnlichen Trompeteneinsätzen ist eine Ohrenweide. Das Ensemble schaukelt sich musikalisch selbst hoch, die Melodie wird von den verschiedenen Instrumentengruppen auf ihre Weise interpretiert, um dann zum Thema zurückzukehren, jubilierend, jauchzend in einem furiosen Finale zu münden. Wer dachte, mehr geht nicht, sieht sich mit den letzten beiden Stücken positiv enttäuscht. Gerade mit dem „Tico-Tico“, das sogar Eingang in Walt Disneys Werk fand, legt das Orchester auf sehr hohem Niveau noch einmal einen Zahn zu. Kein Wunder, dass die Gäste es nicht gehen lassen wollten.

Per Beamer-Projektion tauchten viele südliche Motive an der Seitenwand auf und schufen einen Gegensatz zum winterlichen Ambiente. Der sich steigernde, saalfüllende Klang des Orchesters tat ein Übriges dazu, dass die Gäste in andere Gefilde „gebeamt“ wurden. Was Dirigent Stegmüller im Vorgespräch angekündigt hatte, das lässt sich mit Fug und Recht bestätigen: Die Starkenburg Philharmoniker setzten mit diesem Konzert gegenüber dem Vorjahr „noch einen drauf“. Da kann man nur gespannt darauf sein, was sich der umtriebige Dirigent für nächstes Jahr überlegt.

Bürgermeister Joachim Kunkel freute sich in seinen einleitenden Worten, dass es wieder gelungen sei, das Ensemble nach Wald-Michelbach zu holen. Den musikalischen Hochgenuss im Überwald habe man dem Engagement von Stegmüller und dem Vereinsvorsitzenden der Starkenburg Philharmoniker, Heinz Klee, zu verdanken, auf Ortsebene habe sich der Leiter des Überwald-Gymnasiums, Reinhard Fahrenholz, stark eingebracht.

Zwei, nein drei, besondere Gäste hatte das Orchester in Wald-Michelbach in seinen Reihen: Mit Annabelle Bechtel spielte eine 15-Jährige die 2. Geige, am Schlagwerk waren zwei Mitglieder der US-Army-Band aus Kaiserslautern zu hören. Die durften dann auch gleich einmal in einem Solo ihre Künste zeige. Für die Bewirtung sorgte der Förderverein des ÜWG. Kunkel und auch Moderatorin Weber dankten den vielen Beteiligten und Sponsoren, die das Konzert wieder möglich gemacht hatten.

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