Die 18 Meter lange Douglasie war zu groß für den Laster: Prachtstück aus dem Grasellenbacher Wald wird bei der Eberbacher Nadelholz-Submission angeboten

Es gibt Holzstämme, die fordern selbst einem altgedienten Forstmann Respekt ab. Bei der Nadelholz-Submission im badischen Eberbach werden einige solcher beeindruckenden Bäume aus dem hessischen Odenwald angeboten, auf die die jeweiligen Revierförster mit Recht stolz sind und von denen sie sich einen erklecklichen Erlös hoffen. So wie die Douglasie aus dem Grasellenbacher Revier von Martin Quaschning. Mit ihren 18 Metern verwertbarer Länge passte sie auf keinen Laster und musste vor dem Transport an den Neckar erst einmal geteilt werden.

Dazu hat der Stamm noch einen Querschnitt von 84 Zentimetern. Wohlgemerkt nicht nur unten an der Wurzel, sondern auf eine Länge von zehn Metern. Ein Prachtexemplar also, das aber nur einen kleinen Teil des Submissionsangebots vom Beerfelder Forstamt jenseits der Landesgrenze ausmacht. „Insgesamt bieten wir weit mehr als 150 Festmeter Nadelholz an“, erläutert der stellvertretende Behördenleiter Ronny Kolb. Die Hauptbaumarten sind dabei Douglasie und Lärche.

Der Überwald stellt dabei den größten Posten: Fast 50 Festmeter Nadelholz stammen aus dem Wald-Michelbacher Revier von Stefan Assmann, an die 40 von Grasellenbach. Das hessische Neckartal mit Hirschhorn ist mit 35, Rothenberg und Beerfelden sind mit jeweils 16 Festmetern vertreten. Die Eberbacher Veranstaltung bezeichnet Kolb lächelnd als „Kontaktbörse“ zwischen Holzanbietern und -abnehmern. Deshalb seien praktisch alle kommunalen Waldbesitzer dort vertreten, „auch Grafen- und Fürstenhaus“, weil man sich dort neue Kundenstämme erschließen könne.

Zwar bedeutet die Teilnahme an der Versteigerung um einiges mehr Aufwand, als wenn das Holz in großen Mengen an die Holzverwerter verkauft werden, erläutert Kolb. Andererseits lassen sich bei der Submission auch ganz andere, viel höhere Preise erzielen. Die Lärche kommt in der Regel auf 80 Euro pro Festmeter, weiß der Forstmann. Mit guten Hölzern holt man in Eberbach aber Preise von durchschnittlich 300 Euro – mit Ausreißern nach oben. Bei der Douglasie, von der es ein größeres Angebot gibt, sind es etwa 250 Euro/Festmeter. „Bei diesen Preisen sind wir absolut zufrieden“, schmunzelt er.

Denn hochwertige Nadelhölzer sind überall auf der Welt gesucht. Odenwälder Furnierholz, das etwa für Intarsien verwendet wird, kann dann auch schon mal nach Dubai exportiert werden, so Kolb. Andere Stämme gehen nach Italien und werden dort zu Schlossdielen geschnitten. Solche Produkte „werden oft auch ideell bezahlt“, erklärt er. „Gute Qualität und astfrei“ sind laut dem stellvertretenden Forstamtsleiter Voraussetzungen dafür. Die Nadelhölzer aus dem hessischen Odenwald erfüllen diese Maßgabe.

Die jeweiligen Revierförster haben ihre besonderen Stämme schon längere Zeit im Auge. „Man muss Bäume auch stehen lassen können“, sagt etwa der Rothenberger Reiner Grünberg. Und sie dann bei Bedarf suchen, um sie als „Schmankerl“ anzubieten. „Einem Förster geht da das Herz auf“, meint Kolb mit Blick auf die Jahresringe einer Douglasie aus dem Grasellenbacher Wald. Und wenn er über den ganzen Platz mit seinen hunderten von Stämmen schaut, dann ist er in seinem Element.

„Wir sprechen damit die unterschiedlichsten Käuferschichten an“, weiß Kolb um die wertvolle Kundenakquise bei einer solchen Submission. Und wenn diese dann einmal beim Forstamt gekauft hätten, würden sie vielleicht auch zu „Wiederholungstätern“ – und nehmen ab und zu auch mal „ganz normale Hölzer“ ab.

„Die Waldbesitzer verdienen ihr Geld mit dem Tagesgeschäft“, sagt der Förster. Die Teilnahme an der Submission „ist das Sahnehäubchen“. Weswegen er zur Begutachtung der auf dem Eberbacher Festplatz angelieferten Stämme auch Forstwirtschaftsstudent Alexander Schmidt mitgenommen hat, der aktuell ein Praktikum beim Forstamt Beerfelden macht. Den Forstleuten geht es aber auch um einen ideellen Aspekt: „Wir wollen den Wert des Holzes verdeutlichen“, betont Grünberg.

Ganz neu ist die Brennholzsubmission. Vor allem Buchen- und Eichenhölzer werden dafür in Losen aus ganz Hessen zusammengestellt, erläutert Kolb. Hier beteiligt sich das Forstamt Beerfelden mit Stämmen aus seinen zehn Revieren in einer Menge von 300 Festmetern. Da es noch keine Erfahrungswerte gibt, „ist das bisher noch ein Versuchsfeld für uns“, betont Ronny Kolb. Man decke somit quasi die mit Nadelholz die obere und mit dem Laubholz die untere Verwertungsschiene ab.

Die Nadelholz-Submission in Eberbach wird seit 2008 jährlich abwechselnd vom Rhein-Neckar- und Neckar-Odenwald-Kreis organisiert. Um die 700 Festmeter Holz, rund 400 Stämme, aus den angrenzenden hessischen und badischen Forstrevieren kommen jedes Jahr zur Versteigerung. Die erste Abfrage an die Forstämter erfolgt bereits im September oder Oktober des Vorjahres: „Wie viel Holz bringt ihr dieses Mal her?“, heißt es dann. Bis Ende der Woche war die Anfuhr möglich, bis Montag laufen die finalen Schnitte, dann werden die Hölzer vermessen und aufgenommen. Innerhalb von drei Wochen können sich Kunden dann aufgrund des Losverzeichnisses und vor Ort einen Überblick verschaffen, Anfang Februar werden die Angebote geöffnet. In der Regel erhält das höchste Angebot den Zuschlag. Die Käufer müssen die Hölzer bis März abholen.

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