„Riesige, ungläubige Freude“ bei der Grundschule Schimmeldewog: Unter den Top 20 beim Deutschen Schulpreis

„Unter die ersten 20 bundesweit zu kommen, ist unheimlich toll“, freut sich Schulleiterin Sabine Herold ungemein über den bisherigen Erfolg der Grundschule Schimmeldewog. Die kleine Lehranstalt im Wald-Michelbacher Ortsteil mit gerade mal 70 Schülern hat es als einzige in ganz Hessen in die engere Auswahl zum Deutschen Schulpreis 2017 geschafft. Der wird seit 2006 alljährlich von der Robert-Bosch-Stiftung ausgeschrieben.

Eine Jury aus Praktikern und Bildungswissenschaftlern wählt auf der Basis umfangreicher Bewerbungsunterlagen aus. Mitte Februar folgt dann der eigentliche Schulbesuch. „Zwei Tage kommt die Jury zum Hospitieren“, weiß Herold. Für die Grundschule Schimmeldewog ist die Teilnahme kein Neuland. Schon einmal, 2015, hatte man sich beworben und war damals unter die ersten 50 gekommen.

Wobei eigentlich schon der Weg das Ziel ist. Nicht umsonst, so die Schulleiterin, sei die Mitteilung an die Eltern mit der Überschrift „Hurra, wir sind dabei“ überschrieben worden. Denn als „ganz kleine Schule“ sei die Aufnahme in die Top 20 etwas „ganz Besonderes“, weiß Herold. „Sonst sind viele große Schulen dabei“, meint sie. Etwa die Waldparkschule in Heidelberg als die nächstgelegene, ebenfalls noch im Wettbewerb befindliche, mit 320 Kindern.

„Die Bewerbung an sich ist für uns schon ganz wertvoll“, betont Sabine Herold. Denn dadurch werde der sonst im wahrsten Sinne des Wortes „alltägliche“ Schulalltag reflektiert, man notiere nochmal die wesentlichen Dinge. „Das ist hilfreich, um uns zu zeigen, was geleistet wurde.“ Jahrgangsübergreifendes, selbstbestimmtes Lernen hat sich die Grundschule Schimmeldewog auf die Fahnen geschrieben. Was zum Schulpreis-Motto „Dem Lernen Flügel verleihen“ passt.

Die „riesige, ungläubige Freude“ über die Aufnahme in den engsten Bewerberkreis bedeutet für das kleine Team der GS Schimmeldewog aber auch einen Haufen Arbeit, bevor Mitte Februar die Jury kommt. „Wir haben uns schon vor etlichen Jahren auf unseren eigenen Weg gemacht“, betont die Schulleiterin. Sie wird aber nicht müde hervorzuheben, dass es eben der eigene Schimmeldewäer Weg ist. „Wir haben einen von vielen möglichen eingeschlagen“, sagt sie.

Für Herold ist ganz wichtig zu betonen, „dass wir nicht anderen zeigen wollen, wie es geht“, sondern man sich auf das eigene Konzept konzentriere, „weil wir es gut finden“. Durch die Mitgliedschaft im Schulverband „Blick über den Zaun“ (BüZ), einem Verbund reformpädagogisch orientierter Schulen, „sind wir auf die Idee gekommen, unsere Arbeit auch nach außen zu tragen“, hebt sie hervor. Denn im BüZ sind Schulen mit einem ähnlichen System bundesweit organisiert. Für sie ist der Austausch mit anderen Lehranstalten ungemein wichtig, um immer wieder ein Feedback der eigenen Arbeit zu erhalten.

„Wir wollen mit den Schülern so arbeiten, dass viel individuelles Lernen möglich ist“, lautet das Credo. Dazu gehört für das kleine Kollegium auch, dass die Kinder teilweise – in einem gewissen Rahmen – mitbestimmen können, „was und wie viel sie lernen“. Eigene, interessierende Themen dürfen die Schüler mit einbringen. Um eben im Unterricht nicht nur das zu machen, „was man machen muss“, sondern auch das, „was man möchte“.

Zwei Standbeine sind es somit Herold zufolge, die das Lernen an der Schimmeldewäer Schule anders machen. Zum einen gibt es die täglichen Freiarbeitsphasen in verschiedenen Räumen. Schüler der Klassen 1 bis 4 „können sich aussuchen, in welchem Raum sie mit wem und wie lange“ lernen. Es gibt einen Lese-, Schreib und Matheraum zusätzlich zur Sachunterrichtswerkstatt, in der Experimentieren, Bauen, Basteln und Pflanzen möglich sind.

Dazu kommen als zweites Standbein die verschiedenen Projektphasen. Glanzstück der Schule ist dabei das zweijährliche Musical als schulübergreifende Veranstaltung, an der neben den etwa 70 Kindern auch etliche andere Akteure teilnehmen. Dieses Mal ein Projektchor des MGV Sängerbund Unter-Schönmattenwag und die Big Band des Überwald-Gymnasiums, sodass es am Schluss 130 Teilnehmer waren. Andere Beispiele sind die Föhrwoche mit Wattenmeerprojekt oder die Buchausstellung.

Herold nennt auch die Fortbildungsmöglichkeiten und das Kennenlernen beim Schulpreis-Wettbewerb ganz elementar. „Es schaut jemand von außen auf das, was wir machen und gibt uns eine Rückmeldung.“ Die hoch dotierten Preise bezeichnet die Schulleiterin schmunzelnd und etwas kokettierend eine „nette Beigabe“. Denn „es geht uns nicht um das viele Geld“, sondern um die stetige Weiterentwicklung und Verbesserung des eigenen, gelebten Bildungsauftrags.

 

Deutscher Schulpreis

„Dem Lernen Flügel verleihen!“: Unter diesem Motto steht der Deutsche Schulpreis, den die Robert-Bosch-Stiftung und die Heidehof-Stiftung im Jahr 2006 ins Leben gerufen haben. Er ist die renommierteste Auszeichnung für Schulen in Deutschland. Neben etwa 25.500 Grund-, Haupt-, Realschulen, Gymnasien und Gesamtschulen können sich auch die beruflichen Schulen sowie die deutschen Auslandsschulen um diesen Preis bewerben.

Seit 2006 haben sich jedes Jahr mehrere hundert Schulen in ganz Deutschland in Bewegung gesetzt, um sich beim Deutschen Schulpreis zu bewerben. Die Jury wählt in ihrer ersten Sitzung die 20 Schulen aus, die sie vor Ort begutachtet. Diese Schulen können den Besuchsteams (bestehend aus Jury- und Vorjurymitgliedern) zeigen, wie sie „dem Lernen Flügel verleihen“.

Ein Schulbesuch umfasst in der Regel eineinhalb Tage. Den Nachmittag des ersten Tages nutzen die Experten für ein erstes Gespräch mit der Schulleitung, einen Schulrundgang und Gespräche mit Elternvertretern und außerschulischen Partnern. Der zweite Besuchstag besteht in erster Linie aus Unterrichts- und Projektbesuchen. Das Besuchsteam sollte dabei Gelegenheit erhalten, sich völlig frei im Schulhaus zu bewegen. Gespräche mit Schüler- und Lehrervertretern ergänzen ihn.

Danach werden die 15 besten zur feierlichen Preisverleihung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel am 29. Mai in Berlin eingeladen. Dort entscheidet sich, wer die begehrten Preise mit nach Hause nehmen wird. Jedes Jahr werden insgesamt sechs Lehranstalten mit dem Deutschen Schulpreis ausgezeichnet. Die beste Schule des Jahres erhält den mit 100.000 Euro dotierten Hauptpreis. Fünf weitere Schulen erhalten Preise in Höhe von jeweils 25.000 Euro. Alle weiteren nominierten Schulen erhalten Anerkennungspreise von je 2.000 Euro.

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