Auch ein Einbruch will gelernt sein: Theatergruppe von MGV und TV Siedelsbrunn führte das Stück „Die Rollator-Gang“ auf

Da hat sich ja ein ganz besonderes Einbrecher-Trio zusammengefunden. „Dumm und Dümmer“ aus dem Film mit Jim Carrey und Jeff Daniels lassen grüßen, mit tatkräftiger weiblicher Unterstützung. Die drei –  sagen wir es mal so – suboptimal vorbereiten Rentner wollen mit einem Bruch ihre schmalen Ersparnisse aufbessern, haben dabei aber erst einmal mit sich selbst und dann mit der nicht wohlgesonnenen Umgebung zu kämpfen. „Die Rollator-Gang“ hieß das Theaterstück in drei Akten von Ulla Kling, eine kriminalistische Komödie, das die Theatergruppe Siedelsbrunn jetzt im Bürgerhaus aufführte.

Die drei Protagonisten könnten unterschiedlicher nicht sein. Da der überkorrekte Eduard, der alles bis ins Kleinste planen will und auf den etwas naiven, ländlich-derben Erwin arrogant herunterblickt. Der wiederum ist eher ein Macher, der ohne viel nachzudenken seine Muskeln anstatt des Gehirns spielen lässt. Seinerseits hält Erwin nichts vom verkopften Eduard, der ihn immer rumkommandieren will und alles besser weiß.

Dazu kommt noch Käthe, der langsam, aber sicher alles über den Kopf wächst. Sie hat sowieso ihre großen Bedenken gegenüber der Sache, ist ihr nicht gewachsen und hat daneben noch die senile Nachbarin am Hals, die sie laufend anruft und fragt, wo sich die vor zwei Jahren gestorbene Katze gerade rumtreibt. Beste Voraussetzungen also für einen großen Strauß an Situationskomik, gepaart mit viel Ourewäller Mundart und ein paar bissigen Bemerkungen, die hinten im Saal allerdings manchmal zu leise ankommen.

Doch damit nicht genug der Irrungen und Verwirrungen. Da die beiden agilen Rentner mit ihrer Rollator-Tarnung durch zu forsches Fahren eine Witwe vom Fahrrad geholt haben, treibt sich diese nun laufend der Wohnung herum, in deren Keller der Durchbruch zum Nachbarhaus gemacht werden soll. Einsam und allein sucht Hilde Müller Anschluss – und Geld. Sie hat den nervenden Polizisten im Gepäck, der verzweifelt versucht, die Personalien der Beteiligten aufzunehmen. Natürlich ist immer der oder die Falsche da – entsprechend genervt vom neuerlichen Auftritt.

Wenn sich dann Erwin und Eduard kabbelnd und kalauernd durch die Szenerie streiten, weil der eine dem anderen nichts gönnt und immer nur das Schlechteste vom Gegenüber denkt, ist genug Stoff für das heraufziehende Chaos in seiner skurrilsten Form vorhanden. Und wirklich: Als ob es nicht noch schlimmer kommen könnte, bleibt der vorwitzige Erwin nach dem Mauerdurchbruch mit dem Kopf im Wandloch stecken. Es geht weder vor noch zurück. Die wildesten Spekulationen werden angestellt, wie er zu retten ist. Vergebens. Und der Vorhang fällt nach dem ersten Akt.

Ähnlich turbulent geht’s im Stück weiter, wobei auch noch die zwischenmenschlichen Verstrickungen dazu kommen. Der Polizist macht sich an die Krankengymnastin ran, Eduard gesteht Käthe seine Liebe, wird andererseits aber heftig von der angefahrenen Hilde angebaggert. Und als es dann schon so verworren scheint, dass es komplizierter nicht mehr geht, wird das Juweliergeschäft tatsächlich überfallen – aber vom falschen. Der gerät auf seiner Flucht in die WG – und weiter geht der Trubel.

Mehr soll aber nicht verraten werden, denn das Stück wird am 7. Januar noch einmal aufgeführt. Dann dürfen es auch noch ein paar mehr Zuschauer sein, die das Wirken der Laienschauspieler würdigen. Denn die stehen in den vier Wochen vor den Aufführungen fast nonstop für Proben auf der Bühne des Bürgerhauses, um das neue Stück einzuüben. Der vielfältige Applaus und ein voller Saal sind dann der schönste Lohn für die harte Arbeit im Vorfeld.

Schon seit ewigen Zeiten unterhält die seit über 130 Jahren bestehende Theatergruppe zwischen den Jahren die Bevölkerung von Siedelsbrunn mit ihren Stücken aufs Beste und heimst dabei tosenden Applaus ein. Der gilt nicht nur den Schauspielern, sondern auch den Akteuren hinter der Bühne. Das Bühnenbild, dieses Mal das Wohnzimmer der Rollator-Gang, ist jedes Mal eine Augenweide und mit viel Liebe zum Detail hergestellt.

Auf der Bühne stehen mit dem verhinderten Einbrecher-Trio gleichzeitig die drei altgedienten Theaterrecken von MGV Harmonie und TV 02 Siedelsbrunn. Josef Cee bringt es auf 190 Einsätze, Heinz Schmitt auf 172 und Stefanie Schmitt sogar auf 197. Jennifer Gansmann mit 102 und Mauricio Gummel mit 114 Einsätzen sind ebenfalls „dreistellig“. Neue Leute rücken immer mal wieder nach, aber man hätte gerne mehr Akteure in den eigenen Reihen. Weshalb bei der Aufführung auch Zettel auf den Tisch auslagen, dass „Nachwuchs“ gerne gesehen ist.

Info: Das Stück wird nochmal am Samstag, 7. Januar, um 19.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) im Bürgerhaus Siedelsbrunn aufgeführt. Eine Generalprobe nur für Kinder findet am 7. Januar um 14 Uhr statt. Karten gibt es im Vorverkauf an den bekannten Vorverkaufsstellen Deutsches Haus und Bäckerei Jäger Siedelsbrunn sowie Friseursalon Andes Wald-Michelbach. Die Abendkasse ist ab 18 Uhr geöffnet. Es gibt keine nummerierten Plätze.

 

Akteure auf und hinter der Bühne:

Eduard, Rentner, immer korrekt gekleidet mit Fliege:  Josef Cee

Erwin Siefert, Rentner, eher lässiger Typ mit Jogginghose und Rockerjacke: Heinz Schmitt

Käthe Schuster, Rentnerin, verbandelt mit Erwin: Stefanie Schmitt

Hilde Müller, Rentnerin, schwer geschädigt: Jennifer Gansmann

Ute, nettes junges Mädchen, Krankengymnastin: Dietmar Schwebel

Polizist, eifrig, dienstbeflissen:  Mauricio Gummel

Django, junger, etwas naiver Mensch: Maximilian Böddicker

Radiostimme: Sabine Knapp

Bühnenbild/Helfer: Norbert Siefert, Gerhard Emig, Helmut Turolla, Florian Schmitt und Theaterspieler

Tontechnik: Kai Dewald

Maskenbildnerinnen: Sabine Mathes und Franziska Böddicker

Regisseur und Souffleur: Wilhelm Rothmüller

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