Waldweihnacht im Wald-Michelbacher Schwimmbad: „Hauptsache ist, wir warten auf ihn“

„Wir sind heute nicht in der Kirche, sondern im Freien und feiern den letzten Gottesdienst vor Weihnachten“, begann Pfarrerin Martina Beyer ihre Worte bei der Waldweihnacht im Wald-Michelbacher Schwimmbad. „Heute haben wir an unseren Adventskränzen die letzte Kerze angezündet, die das Dunkel mit ihrem Licht durchbrechen und die große Botschaft ankündigen soll, die wir voll Freude erwarten und die uns zur Krippe führt“, meinte sie zu den Besuchern gewandt, die trotz des Nebels zahlreich gekommen waren.

Beyer sprach über die vier Kerzen, die nach und nach an den Adventssonntagen angezündet werden und am letzten alle zusammen brennen. „Dein Leuchten ist noch bang und karg“, meinte sie über die erste. „Doch was sich lang verbarg, das wahre Lebensheil, bald wird es uns zuteil.“ Der Mut der zweiten „ist heller, und frohlocken will schon leise Lieder singen“. Sie helfe dem Pilger über Schlucht und Steg.

Die dritte Kerze ist die Flamme, frohgemut und warm. „Jetzt bleibt das Herz nicht länger arm.“ Sie lasse bereits den Weihnachtsstern sehen. Die vierte schließlich ist „die letzte und die erste, du bist die Hoffnung und der Glauben“. Sie führe in den Stall von Bethlehem. Zwischen den einzelnen Abschnitten spielte der Posaunenchor unter Leitung von Frank Bihn auf. „Tochter Zion“, eine weihnachtliche Intrade und zum Schluss das von allen zusammen gesungene „O du fröhliche“ hießen die Lieder.

„Wir leben im Reich der Klänge, es dröhnt und klingelt, jingelt und bimmelt, beated und hupt um uns her“, führte Beyer in ihrem Gebet aus. „Lasst uns die Stimmen hören, die unser Ohr erreichen wollen und gebe uns die Gabe, die Worte zu unterscheiden, auf die wir hören sollen – und die uns nichts nutzen“, ergänzte sie. Immer wieder fluteten Bilder und Gefühle auf einen, überschwemmten die Seele, „quälen uns im vorweihnachtlichen Rausch und wir drohen zu ertrinken“. Deshalb solle man das Gespür für sich selbst nicht verlieren, für das, was taugt und gut ist, trägt und hilft. „Gib uns die Weisheit, bei all den Reizen den Nachbarn nicht zu übersehen“, so die Pfarrerin.

Um die Hauptsache beim Fest ging es in der Lesung über die Weihnachtsfabel der Tiere. Diese stritten, was am wichtigsten sei. Gänsebraten beim Fuchs, Schnee beim Eisbären, ein Tannenbaum beim Reh oder Schmuck bei der Elster förderte das zutage. Pennen beim Dachs und Saufen beim Ochsen schlossen sich, ehe dieser einen gewaltigen Tritt vom Esel bekam, erzählte die Geistliche. „Du Ochse du, denkst du denn nicht an das Kind?“, fragte der. „Das Kind, jaja, das Kind – das ist doch die Hauptsache“, meinte dann der Ochse geknickt. Um hinterher zu schicken: „Übrigens, wissen das eigentlich die Menschen?“

„Advent heißt Warten“, so die Pfarrerin in ihrer Ansprache. „Doch so unterschiedlich wir Menschen sind, so unterschiedlich halten wir’s auch mit dem Warten.“ Drei Typen von Wartenden charakterisierte sie. Den ersten mit viel Zeit, den zweiten mit Angst, dass die anderen zu spät kommen und den dritten, der das Warten hasst. Alle drei Typen hätten aber eines gemeinsam: „Sie tun etwas.“ Und: Sie teilten mit, was das Warten in ihnen auslöst. „Ich habe Zeit. Ich habe Angst, Ich habe soo’nen Hals.“ So funktioniere auch adventliches Warten. „Wer wartet, teilt das mit.“

Die Menschen warteten darauf, „dass Gott von sich aus Türen auftut und den Himmel zerreißt“. Im Advent werde nach ihm Ausschau gehalten, über die schlechte Welt gestöhnt und darüber geredet, wie sie besser werden soll. „So manches im zu Ende gehenden Jahr hat ja unsere Klage verdient und unsere Sehnsucht nach Besserung“, sagte Beyer.

Dabei meine sie nicht die Klagen, die in den Häusern laut würden: „zu viel Geld fürs Tanken, zu wenig Verständnis bei den Nachbarn, zu schlechte Abwehr beim Fußballverein.“ Das seien ja Luxus-Klagen, wenn man an Terror, Krieg Naturkatastrophen denke. „Wenn Gott da doch mal dreinfahren könnte, dass das der Welt erspart bleibt.“ Andererseits rufe man in der Adventszeit nach Gott, „obwohl wir wissen, dass er schon längst unterwegs ist“.

„Nach unserem Willen könnte das schneller gehen“, beobachtete sie. Da helfe nur weiterzuwarten und zu rufen: „Gott nun komm doch endlich. Wir brauchen dich.“ Die Antwort, die man alle Jahre wieder bekomme, sei allerdings auch nicht zu verachten. Sie heiße: „Habt Geduld. Habt keine Angst. Habt euch nicht so.“ Gott habe alle im Blick. Wie immer man auch warte – „Hauptsache ist, wir warten auf ihn“. Im Anschluss standen die Gottesdienst-Besucher noch bei Glühwein, Kinderpunsch und Schmalzbroten zusammen.

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