Wald-Michelbacher AWO engagiert sich vielfältig im gemeindlichen Leben

Ohne die AWO wäre die Überwald-Gemeinde um einiges ärmer. Die Mitglieder bringen sich ehrenamtlich in etlichen Bereichen ein und sorgen so dafür, dass nicht nur in der kalten Jahreszeit wohlige soziale Wärme ausgestrahlt wird. Auf der Weihnachtsfeier listete Vorsitzende Christine Engesser die vielfältigen Aktivitäten übers Jahr hinweg auf. Sie freute sich, fast 50 Gäste im „Birkenhof“ begrüßen zu können.

Hauptbetätigungsfelder der Arbeiterwohlfahrt sind die Flüchtlingshilfe und die Kleiderstube, beide miteinander verzahnt. Letztere besteht jetzt seit zwei Jahren und ist seit ihrem Beginn eine Erfolgsgeschichte. „Nach wie vor ist die Resonanz sehr gut“, sagte Engesser. „Wir erhalten viele Kleidungsstücke und geben viele ab.“ Zwei junge Flüchtlingsfrauen aus Syrien und Afghanistan, Rasha Ali Abo Nasser und Rhyare Ibrahimy, arbeiteten im Rahmen eines Ein-Euro-Jobs dort mit.

Die AWO-Vorsitzende lobte das „großartige Team“, das sich für die Betreuung der Kleiderstube zusammengefunden habe und „viele Arbeitsstunden in der Woche leistet“. Sie dankte auch denjenigen, die Kleider spendeten und damit diese Einrichtung überhaupt erst ermöglichten. Was noch fehle, „sind größere Lagermöglichkeiten für die Kleiderstube“, aber auch für die noch einzurichtende Fahrradwerkstatt. Sie dankte in diesem Zusammenhang Bürgermeister Joachim Kunkel für die gute Zusammenarbeit und die Unterstützung der Gemeinde.

Wie Engesser weiter erläuterte, übernehme die AWO für einige Flüchtlinge die Patenschaft und sorge über die Kleiderstube für ausreichend Kleidung der hier Ankommenden. Daneben organisiere und finanziere sie Anschaffungen für die ehrenamtlichen Sprachkurse, die derzeit in Affolterbach, Aschbach, Schönmattenwag und Wald-Michelbach zwei Mal wöchentlich stattfinden. Sie bedankte sich sowohl bei den Deutschkursleitern als auch bei ihren Mitstreiterinnen im Vorstand, Doris Johann, Brigitte Slamal, Erika Vetter und Helene Reinhard, für die gute Zusammenarbeit.

Die Vorsitzende erwähnte in ihrem Rückblick außerdem den Mittwochs-Kreis, der seit vielen Jahren immer 14-täglich stattfindet. Am 18. Januar geht es in den dann hoffentlich renovierten und neu eingerichteten AWO-Räumen in der Spechtbach 10 weiter. Sie hoffe, dass sich die Besucher dann dort „noch wohler fühlen werden“. Die AWO veranstaltete daneben einen Grillnachmittag im August und beteiligte sich am Gassenmarkt.

„Viele Menschen sehen mit Bangen in die Zukunft“, hatte Engesser die Versammlung mit nachdenklichen Worten eröffnet. Sie sei aber davon überzeugt, mit Optimismus, Mitgefühl und Mut „können wir auch zu einer offenen Gesellschaft, zur Vielfalt und zur Demokratie beitragen“. Engesser wies auf die zunehmende Altersarmut hin. Bereits jeder siebte Rentner im Kreis Bergstraße habe schon jetzt finanzielle Schwierigkeiten. „Warum gelingt es uns nicht, den Reichtum so zu verteilen, dass alle gut leben können?“, fragte sie.

Die AWO-Vorsitzende sagte, dass es aufgrund kriegerischer Auseinandersetzungen, Verfolgungen oder fehlender Existenzgrundlagen einen Flüchtlingsstrom von aktuell 60 Millionen Menschen weltweit gebe. In der gleichen Zeit seien die deutschen Rüstungsexporte erheblich gestiegen. „2015 verdoppelten sich die Ausfuhrgenehmigungen auf 7,56 Milliarden Euro“, so Engesser, auch im ersten Halbjahr 2016 sei die Tendenz steigend.

Wenn Menschen ihre Existenzgrundlage verlören, „wundern wir uns dann noch, dass so viele auf der Flucht sind und auch bei uns auf eine bessere Zukunft für ihre Leben hoffen?“, legte sie den Finger in die Wunde. Die Welt verändere sich immer schneller und stärker, als man sich das vorstellen könne. „Viele Menschen suchen nach einfachen Antworten auf komplexe Fragen. Doch die wird es so nicht geben“, sagte sie.

Deutschland sei zwar ein wohlhabendes Land, aber „nicht jedem Bürger geht es wirklich gut“. Die Kluft zwischen den Wohlhabenden und den Armen verfestige sich. Millionen Menschen lebten von der staatlichen Grundsicherung – auch solche, die einer Beschäftigung nachgehen, „aber so wenig verdienen, dass sie nicht davon leben können“ und auf Unterstützung angewiesen seien, meinte Engesser.

Bürgermeister Kunkel dankte namens der Gemeinde für die geleistete Arbeit und lobte das große Engagement der AWO. Leonie Gräber und Selma Tusche, Schülerinnen bei der Jugendmusikschule, spielten dann zusammen mit ihrer Lehrerin Beatrix Maier weihnachtliche Klavierstücke. Im Anschluss durften die Anwesenden selbst in einige bekannte Lieder einstimmen. Helene Reinhard las die nachdenkliche Geschichte „Berliner Weihnachtswunder“ vor, in der es um Einsamkeit im Alter geht.

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