Vor dem Begge Peder ist nichts und niemand sicher: Kabarett in Affolterbach beim SVA

Peter Beck muss eigentlich gar nicht viel machen. Der hessische Comedian, als hässlicher Hausmeister „Begge Peder“ auf den Bühnen der Republik unterwegs, muss nur auf eine ebensolche schlurfen, sich mit Datschkapp, verwaschenem Kittel und seiner gesamten Zahnpracht umschauen – und schon beginnt im Saal das verhaltene Kichern. Das steigert sich im Laufe des Abends ab und zu zu einem wahren Lachorkan, ebbt auch mal wieder ab, um dann bei einem hintergründigen Witz mit etwas Verzögerung wieder aufzuflammen.

Ja, Hintergründiges hat Peter Beck auch im Repertoire, wenn er auch vordergründig als der Polterer rüberkommt, der den Finger in die Wunden des kleines Mannes und Themen, die besorgte Bürger berühren, schonungslos offen legt. Political Correctness ist für ihn bei seinen Tiraden ein Fremdwort, ein bisschen Fremdschämen darf schon sein. Ohne Scheu schaut der Begge Peder dem Volk aufs (Schand-)Maul, haut seine Weltsicht raus, dass sich die Zuschauer zwischendurch erst einmal anschauen, ob sie überhaupt darüber lachen dürfen. Wenn’s der Nachbar dann tut, ist es okay…

Eine gute Portion Fäkalhumor darf für Freunde des gepflegten Humors unterhalb der Gürtellinie natürlich auch nicht fehlen. Da geht es mal um den Zustand von Toiletten auf der Aida während schwerem Seegang, mal um die Schwierigkeiten des begriffsstutzigen Peter, wie er als Sitzpinkler vom Boden aus die Schüssel treffen soll. Getreu dem Motto: Erlaubt ist, was dem Publikum gefällt.

Nachdem erstmal Kumpel Uwe wortreich durch den Kakao gezogen wird, bekommt danach Peters Bruder sein Fett weg. Denn der zieht erst mit 58 von zuhause aus, in die Wohnung gegenüber der Mutter, die weiterhin einen Schlüssel hat. Wenn der Horrorfilm zu schlimm ist, darf Bruderherz bei ihr immer noch im Bett schlafen. Doch es ist beileibe nicht nur die Familie, der der Komiker den Zerrspiegel vorhält.

Alternative Medizin der „Homopaten“ mit ihren Globoli „Akropolis B6“, Ostdeutsche, die 2019 in die dann sicheren Herkunftsländer zurückkehren müssen und Veganer sind vor dem bösen, schwarzen, sarkastischen Spott des selbst ernannten Rächers der Normalos nicht sicher. Dazu ist sein Bekannter Günter, der Rasenroboter mit Staubsauger verwechselt und plötzlich den Flokati in der Wohnung rasiert bekommt, ebenfalls eine Zielscheibe.

Zu einem ist der Bekannte aus den ewig neuen Bundesländern allerdings gut: Er arbeitet bei einer großen Versicherung in der Warteschleife. Nachdem nämlich der Begge Peder in allen Facetten seine Erfahrungen mit einer solchen und einem Kabarettisten am Rande des Nervenzusammenbruchs geschildert hatte, durfte Troubleshooter Mike ran und einen Neustart vornehmen. Ossi gut, alles gut.

Die Widrigkeiten des Alltags inklusive Formularausfüllen („Name: Peter Beck, Vorname: … ein Fluch in den Bart gemurmelt“), um danach festzustellen, dass man es nicht mit dem Filzstift beschriften sollte, plus andere immer wieder auftretende Beschwernisse vermag der Solo-Entertainer auf der Bühne in allen Irrlichtern auszumalen. Dabei in einer solchen Tiefe, die man eigentlich gar nicht wissen will.

Skurrile Geschichten zu neuen technischen Errungenschaften, Kreuzfahrten, Beerdigungen und andere Katastrophen passieren zuhauf beim Begge Peder und seinen Nachbarn, liefern naturgemäß viel Material für eine abendfüllende Show. Ob es der Besuch in der österreichischen Partnerstadt ist mit all den latenten, gegenseitigen Vorurteilen, der kleinwüchsige Busfahrer, über dessen Körpergröße der Komödiant nicht gar nicht genug Spott ausschütten kann, oder die übergewichtige Frau des Freundes: Im Publikum konnte jeder nur drei Kreuze machen, dass er nicht auf der Bekanntenliste des Mannes auf der Bühne stand.

In allen Einzelheiten, die eigentlich keiner so genau wissen will, schildert der überzeugte Fleischfresser die Einladung zum Veganer-Nachbarn. Die Litanei will kein Ende nehmen. Erst der engagierte Straßenmusiker mit zwei Flaschen Whisky und einem guten Stück Fleisch im Gitarrenkoffer vermögen ihn wieder besänftigen. Der „Plattenbau auf dem Meer“ namens Aida oder die Sardinenbüchse Ryanair sind ebenfalls willkommene Ziele einer Gag-Tirade, die in ihrer Monotonie irgendwann berechenbar wird….

Der SV Affolterbach hatte den Komödianten mit seinem Programm „Kommer nitt so!“ in die Peter-Heckmann-Halle eingeladen. Und dabei ein gutes Händchen bewiesen, denn die Sitzreihen waren durch die Bank weg gefüllt. Mit Pausen unterhielt der ohne Punkt und Komma babbelnde Hesse die Gäste den ganzen Abend aufs Beste. Und wenn mal Pause war, sorgten die SVA-Aktiven für die passende Bewirtung, dass man frisch gestärkt wieder das Zwerchfell belasten konnte.

Advertisements