Mit „Thousand Years Later“ und der „Old School Band“ mischten zwei Gruppen aus dem Überwald die „Music Hall“ in Weiher auf

Da dürften dem Nikolaus gehörig die Ohren geklingelt haben: Mit „Thousand Years Later“ (TYL) und der „Old School Band“ mischten zwei Gruppen aus dem Überwald die „Music Hall“ auf, die in diesem Jahr bereits bei etlichen Auftritten für Aufsehen sorgten. Kaum ein Fest, kaum eine Kerwe ohne eine der beiden Bands, die mit ihrem druckvollen Sound und abwechslungsreichen Programm bestens zu unterhalten wissen. Allerdings leider in der Music Hall vor ein paar zu wenigen Gästen – die fetzigen Auftritte hätten viel mehr verdient gehabt.

Timo Walter, Sven Dörsam, Benedikt Breitwieser, Katharina Zink und Benedikt Staat von TYL, diesmal verstärkt mit Janina Becker aus Unter-Abtsteinach (Keyboards) spielten aktuelle Hits aus Rock und Pop, dazu Schlager und echte Klassiker. So gab’s Songs von Bon Jovi, Prince, Abba, Tina Turner, Peter Schilling, Beatles und anderen zu hören.

20 Songs umfasste das TYL-Repertoire. Zu Beginn hatte die Band etwas damit zu kämpfen, dass sich der Saal erst langsam füllte. Das tat der guten Stimmung, die von der Bühne rüberkam, aber keinen Abbruch. Die Gäste gingen bei den einzelnen Titeln, die diesmal rocklastiger als sonst waren, gleich voll mit. In bekannter Qualität und bewährter Manier brachten die sechs Musiker ihre Songs rockig-fetzig rüber, egal ob das Original schon so angelegt war.

Mit Sven Dörsams Gitarrenriffs wurde so aus manchem Titel schnell mal ein Abgeh-Stück, dem man den Ursprung kaum noch anmerkte. Mit lässigen Posen und guten Sound ging der Gitarrist zu Werke. Dass ihm die Riffs dabei so perfekt aus den Fingern flossen, trug zum guten musikalischen Gesamteindruck bei.

Gesanglich spielten sich Timo Walter und Katharina Zink die Bälle zu. Letztere etwa mit „Bring me some water“ von Melissa Etheridge. „Türlich türlich“ von Jan Delay war im Music-Hall-Set schon fast ein Exot, ansonsten frönt die Band auch gerne den deutschen Schlagern. So aber gab’s dann eher ein „Bed of Roses“ von Bon Jovi oder ein Rock’n’Roll-Medley mit Stücken von Chuck Berry, dem Electric Light Orchestra und Elvis Presley zu hören. Auch „Purple Rain“ von Prince stand für die etwas härtere Gangart des Programms. „Hey Jude“ von den Beatles läutete langsam das Finale ein, Tina Turners „Simply the best“ bereitete die Zuschauer auf die Zugabe vor, die mit einem knalligen „Proud Mary“ gerne gewährt wurde.

Die „Old School Band“ hatte sich für ihren Auftritt noch diverse Gastmusiker eingeladen, die die jeweiligen Sets unterstützten. Aber auch ohne ist die achtköpfige Truppe mit ihrem druckvollen Sound jedes Mal eine Freude für die Ohren. Wie der Name schon sagt, gibt’s „alte“ Blues-, Rock-, und Soulsongs der vergangenen 50 Jahre zu hören. Und das mit einer Spielfreude, der man genau anmerkt, dass die Musiker hier Stücke zelebrieren, die sie selbst gerne hören, mit denen sie aufgewachsen sind, hinter denen sie stehen und die sie leben.

Die große Besetzung sorgt dafür, dass die Gruppe ihre Songs schon fast in Form einer Big Band spielten kann. Mit Marco Ester (Trompete/Percussion), Andreas Staat (Trompete/Posaune/Percussion) und Bertram Arnold (Saxophon/Percussion) gibt es eine dreiköpfige Bläsersektion, die den einzelnen Stücken eine ganz besondere Dynamik verleiht und sie damit viel authentischer rüberkommen lässt als „nur“ in Standardbesetzung.

„Wir spielen, was uns Spaß macht und was wir selbst gerne hören“, beschreibt Sänger und Bassist Peter Beckenbach das Credo der Band. Mit Lars Ihrig (Schlagzeug), Steffen Gräber (Gitarre/Gesang/Bass), Markus Wehrle (Keyboard/Gitarre/Gesang) und Martin Gastetzki (Keyboard/Gesang) lässt er im Programm kaum einen bekannten Hit aus früheren Jahrzehnten aus. Da sind dann so Kracher dabei wie „Unchain my Heart“ von Joe Cocker, „Mustang Sally“ von den Commitments, „Long train running“ von den Doobie Brothers oder „All right now“ von Free.

Bei den „Sultans of Swing“ von den Dire Straits hört man mit geschlossenen Augen Mark Knopfler auf der Bühne seine Gitarre zupfen. Und das „Sweet home Chicago“ der Blues Brothers, kombiniert mit dem „Soul man“, kommt so volltönend rüber, dass sich die Zuschauer in den Konzertsaal aus dem gleichnamigen Film mit Dan Aykroyd und John Belushi versetzt fühlen.

Als Gäste hat sich die Old School Band einige bekannte Musiker eingeladen. Und auch „Newcomer“ wie Beckenbachs Sohn Robin, der bei den „Sultans of Swing“ und „Uptown Funk“ Schlagzeug spielt. Von der ÜWG-Big-Band kennt man bereits seine Fertigkeiten an den Drums. Marina, die Sängerin von „Good times, bad times“, ist etwa bei „Superstitious“ von Stevie Wonder mit dabei, Andreas Brabant von „Kir Royal“ bei „Sexy“ von Westernhagen oder „Sexbomb“ von Tom Jones.

Mit „Jorge, dem Schweden“ von Redrodelix wird „Black Magic Woman“ von Santana zelebriert. Frenetischer Beifall ist den Musikern gewiss, ohne Zugabe geht’s lange nach Mitternacht nicht von der Bühne. Wer dabei war, wusste, er hatte wieder einmal ein intensives, schweißtreibendes Konzert von acht Könnern auf ihren Instrumenten erlebt, die mit Herz und Seele bei der Sache sind.

Bluesrock, Funk und Soul „ist die Richtung, die uns am meisten liegt“, erläutert Beckenbach. Dabei wird aber nicht stur nachgespielt. „Andreas Staat schreibt einen extra Bläsersatz“, macht er deutlich, dass etwa die Hälfte der Titel auf die besonderen Bedürfnisse der „Old School Band“ umarrangiert würden. Alle Mitglieder hätten früher auch noch in anderen Gruppen gespielt. „Jetzt machen wir nur noch das, was uns gefällt“, meint der Bassist und Sänger. Mit Schwerpunkt in Abtsteinach kommt der Rest der Truppe aus Siedelsbrunn, Schönmattenwag, Weinheim und Heidelberg.

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